Nach Skandalfotos aus Afghanistan
Psychologen prangern Verharmlosung an

Der Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP) hat Politik und Bundeswehr vorgeworfen, die mutmaßliche Leichenschändung in Afghanistan als Einzelfall und „Dummen-Jungen-Streich“ herunterzuspielen. Ursache sei vielmehr der enorme psychische Stress, dem junge und wenig reife Soldaten in Krisengebieten ausgesetzt seien.

HB BERLIN. Ursache sei vielmehr der enorme psychische Stress, dem junge und wenig reife Soldaten in Krisengebieten ausgesetzt seien, erklärte BDP-Hauptgeschäftsführer Armin Traute am Donnerstag. Je makabrer und tabuverletzender Menschen sich in solchen Situationen verhielten, desto mehr psychischen Druck könnten sie damit abladen.

Der Fall könne damit zwar nicht gerechtfertigt, aber erklärt werden, sagte Traute. Krieg und die Vorbereitung auf militärische Einsätze führten zu einer Veränderung von Gruppenwerten und Normen. Die Überwindung der angeborenen Tötungshemmung etwa sei eine Bedingung für einen solchen Einsatz. Mit den Werten, die Soldaten einmal in ihren Familien vermittelt und in ihrer Heimat gelebt hätten, habe dies nichts mehr zu tun.

Auch das Alter vieler Einsatzkräfte sei eine Ursache solchen Verhaltens. Soldaten von Anfang 20 handelten nicht nur wegen ihres in der Regel höheren Testosteronspiegels anders als ältere, sondern seien auch moralisch noch keine ausgereiften Persönlichkeiten. Es falle ihnen deshalb zum Teil schwer, unethisches Verhalten zu erkennen, dies gegen Gruppendruck abzulehnen und negative Reaktionen der Gruppe zu ertragen.

Selbst ein Stresstraining sei keine Garantie dafür, dass Einzelne nicht doch extremes Verhalten zeigten. Die angekündigte Überprüfung der Soldatenausbildung gehe am Kern des Problems vorbei, erklärte der Verband.

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