Nach Sprengsatzfund
Wer steckt hinter der Bombe vom Bonner Hauptbahnhof?

Nach dem Fund einer Bombe in Bonn fahndet die Polizei nach einem zweiten Verdächtigen. Die Hintergründe bleiben mysteriös. Das Bundesinnenministerium geht von einem besonderen Anschlagsrisiko für Weihnachtsmärkte aus.
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Bonn/BerlinNach dem Fund eines Sprengsatzes am Bonner Hauptbahnhof warnt das Bundeskriminalamt vor voreiligen Schlüssen. BKA-Präsident Jörg Ziercke sagte in der ZDF-Sendung Aktenzeichen „XY... ungelöst“, man stehe erst am Anfang der Ermittlungen. Die Kölner Polizei ermittle mit großem Nachdruck. Er habe volles Vertrauen in die Beamten. Spekulationen seien verfrüht. „Auch die allgemeine Terrorgefahrensituation hat sich nicht verändert“, sagte Ziercke am Mittwochabend. Er fügte hinzu: „Ruhe bewahren und Aufmerksamkeit ist angesagt.“

Das Bundesinnenministerium geht in einer internen Analyse von einem besonderen Anschlagsrisiko für Weihnachtsmärkte aus. Das berichtet die „Bild“-Zeitung (Donnerstag) unter Berufung auf eine „Gefährdungseinschätzung“ des Ministeriums. Allerdings werden Weihnachtsmärkte alljährlich zu den so genannten weichen, schwer zu schützenden Zielen gezählt.

Der in Bonn entdeckte Sprengsatz war nach Einschätzung der Ermittler hochgefährlich. Die Menge der in der Tasche befindlichen Materialien hätte etwa 10 Prozent der Sprengsätze der Madrider Anschläge von 2004 ausgemacht, sagte der Kölner Einsatzleiter Norbert Wagner. Damals waren 191 Menschen gestorben. Den Angaben zufolge befand sich in der blauen Sporttasche ein Metallrohr, das mit einer Substanz gefüllt war. Darum seien mehrere Butangas-Kartuschen gebunden gewesen. Zudem habe sich in der Tasche ein Zündmechanismus mit einem Wecker mit Batterien befunden.

"Einen Zünder haben wir nach wie vor nicht gefunden", sagte Wagner und fügte hinzu: "Diese Sprengvorrichtung war brisant." Warum die Bombe nicht gezündet habe, sei unklar. Die Verantwortlichen hätten sich mit dem Bau ausgekannt. "Es ist kein dummer Jungenstreich." Die Materialien könne man jedoch in einem üblichen Baumarkt kaufen.

In der Sporttasche befand sich ein mit Ammoniumnitrat gefülltes Metallrohr, um das vier Butangaskartuschen gebunden waren. Ob die Bombe tatsächlich funktionsfähig gewesen sei, wurde noch nicht bekannt. Es sei eine Zündvorrichtung mit einem batteriebetriebenen Wecker gefunden worden, aber kein Zünder.

Die Ermittler suchen neben einem dunkelhäutigen Mann nun auch einen hellhäutigen. Dieser ist auf Videoaufnahmen aus einer McDonald's-Filiale an Gleis 1 mit einer dunkelblauen Tasche zu sehen und gilt als Tatverdächtiger.

Der Dunkelhäutige soll nach Zeugenaussagen eine Tasche wie diejenige, in der später der Sprengsatz gefunden wurde, zwei wartenden Jugendlichen auf dem Bahnsteig geradezu vor die Füße geschoben habe. Von dem Dunkelhäutigen gibt es ein Phantombild, allerdings existieren von der Szene am Bahnsteig keine Videoaufnahmen.

Der Bombenfund auf dem Bonner Hauptbahnhof alleine bietet für den CDU-Innenexperten Wolfgang Bosbach keine Veranlassung, die Sicherheitslage in Deutschland neu zu bewerten. "Sie ist bereits seit geraumer Zeit anhaltend besorgniserregend", sagte Bosbach der "Passauer Neuen Presse" (Donnerstagausgabe) laut Vorabbericht. Die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen der vergangenen Jahre seien kein blinder Aktionismus, sondern dringend notwendig.

Bosbach verteidigte das Vorgehen der Ermittler in dem Fall. Es sei nicht voreilig gewesen, dass die Polizei nach dem Bonner Bombenalarm sehr schnell eine Verbindung zu Salafisten hergestellt habe. "Diesen Vorwurf sollte man der Polizei nicht machen, denn es ist auch nachvollziehbar, dass sie zunächst die Spur nach den Angaben des Zeugen konsequent weiter verfolgt hat", sagte er. Zudem ermittele die Polizei parallel in alle Richtungen weiter.

 
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Donnerstag, 13. Dezember 2012
    Anschlagsrisiko für Weihnachtsmärkte

    BKA rät zu Aufmerksamkeit
    Die hochgefährliche Bombe am Bonner Bahnhof zeigt: Die Gefahr eines Terroranschlags in Deutschland besteht nach wie vor. Laut einem Medienbericht geht das Bundesinnenministerium von einem besonderen Anschlagsrisiko für Weihnachtsmärkte aus.

    Nach dem Fund eines Sprengsatzes am Bonner Hauptbahnhof warnt das Bundeskriminalamt vor voreiligen Schlüssen. BKA-Präsident Jörg Ziercke sagte im ZDF, man stehe erst am Anfang der Ermittlungen. Die Kölner Polizei ermittle mit großem Nachdruck. Er habe volles Vertrauen in die Beamten. Spekulationen seien verfrüht. "Auch die allgemeine Terrorgefahrensituation hat sich nicht verändert", sagte Ziercke. Er fügte hinzu: "Ruhe bewahren und Aufmerksamkeit ist angesagt."
    Das Bundesinnenministerium geht in einer internen Analyse vor einem besonderen Anschlagsrisiko für Weihnachtsmärkte aus. Das berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf eine "Gefährdungseinschätzung" des Ministeriums. Allerdings werden Weihnachtsmärkte alljährlich zu den sogenannten weichen, schwer zu schützenden Zielen gezählt.

    Quelle: n-tv.de , dpa
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    Anstatt die radikalen Moslems auszuweisen, setzt die Politik unser Volk diesen Killern aus, und nimmt den Tod „Deutscher“ billigend in kauf?
    Das ist für mich nichts anderes als MORD!
    [...]
    Ganz offensichtlich ist mein Rechtsverständnis vom anderen STERN!

    Dann bete ich mal,
    dass NUR Politiker und deren Familien auf dem Weihnachtsmarkt sind, wenn es knallt!
    [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Genau wie Heini es beschreibt. False Flag (http://de.wikipedia.org/wiki/False_flag) bzw. Strategie der Spannung (http://de.wikipedia.org/wiki/Strategie_der_Spannung), alles bewährte Mittel, um die Bevölkerung einzuschüchtern und nach einem starken Big Brother Staat zu rufen bzw. diesen zu rechtfertigen. Wenn es keine "Arbeit" gibt, dann "macht" man sich selbst welche. Perfektioniert haben das die Amis mit ihren "Terror"-Anstiftung naiver Menschen durch das FBI et al. Dann wird in großem medialen Aufgebot wieder dargestellt wie toll man den selbst angestifteten Anschlag verhindert hat. Alles durchschaubar liebe Leute und wer sich die Geschichte z.B. um Gladio-Aktionen (http://de.wikipedia.org/wiki/Gladio) in Italien anschaut, kann nur sagen: wer einmal lügt (und sogar die eigene Bevölkerung in die Luft jagt), dem glaubt man nicht mehr. Aufwachen !

  • So wie sich die Dinge lt. Presse darstellen, war das gar keine Bombe sondern eine Ansammlung von Materialien. Diese Konstruktion wie sie in der Presse beschrieben wurde war gar nicht sprengfähig.

    Die Gefahr von Anschlägen in Deutschland ist durchaus vorhanden.

    Ob allerdings diese Tasche von irgendeinem Islamisten, einem anderen Verückten oder dem Verfassungsschutz dort platziert wurde ist kaum zu beurteilen.

    Das Vertrauen in den deutschen Staat, genauso wie in fast alle Staaten ist mittlerweile derart zerstört, dass eigentlich alles denkbar geworden ist.

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