Nach Steuer-CD-Kauf
Selbstanzeigen-Schub viel kleiner als im Vorjahr

Der Anstieg von Selbstanzeigen in Steuersachen wird politisch ausgelegt. Befürworter eines Steuerabkommens mit der Schweiz sprechen von einem eher schwachen Anstieg, Kritiker sehen das anders.
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DüsseldorfNach den jüngsten Steuer-CD-Käufen Nordrhein-Westfalens ist die Zahl der Selbstanzeigen reumütiger Steuerhinterzieher mit Schweizer Konto zwar gestiegen.  Eine Flut ist dies allerdings nicht: Die rollte im Jahr 2010. In jenem Jahr zeigten sich bundesweit 26.400 Steuerhinterzieher selbst an. Bis Ende Juli 2012 stieg diese Zahl nach einer Handelsblatt-Umfrage in den Bundesländern lediglich auf knapp 30.000 an.

„Der aktuell leichte Anstieg der Selbstanzeigen bleibt weit hinter den Zahlen des Jahres 2010 zurück“, sagte Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) dem Handelsblatt. Er appellierte an die SPD-regierten Länder, dem Steuerabkommen mit der Schweiz zuzustimmen und die CD-Käufe einzustellen. „Das mit der Schweiz vereinbarte Abkommen erreicht ein rechtsstaatliches Verfahren und gesicherte Einnahmen für Bund und Länder“, sagte er.

Die Anzeigen-Eingänge „sind nach der Sintflut im Jahr 2010 in 2011 massiv zurückgegangen“, sagte auch ein Sprecher von Baden-Württembergs Finanzminister Nils Schmid (SPD). Baden-Württemberg ist unter den Bundesländern mit 9.361 Selbstanzeigen der Spitzenreiter. Von diesen lagen Ende 2010 aber bereits 7.446 vor.

Auf Platz zwei im Länder-Ranking steht seit 2010 das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen mit bisher 6.505 Selbstanzeigen, gefolgt von Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz. Diese fünf Bundesländer stehen für drei Viertel aller Selbstanzeigen. Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) freut sich über die wachsende Zahl. Nach einer spürbaren Flaute im ersten Halbjahr ziehe die Zahl reuiger Steuerbetrüger mit Schweizer Schwarzgeld seit einigen Wochen wieder deutlich an. Walter-Borjans ist ein Gegner des Steuerabkommens mit der Schweiz.

Unterdessen zeigt sich die Schweiz im Steuerstreit mit Deutschland unnachgiebig. Nachverhandlungen, wie sie deutsche Sozialdemokraten und Grünen gefordert haben, seien ausgeschlossen, befand die Regierung in Bern am Mittwoch. „Es wird keine Nachverhandlungen geben“, sagte der Schweizer Regierungssprecher André Simonazzi Reportern.

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Kompliziertes Verfahren

Kommentare zu " Nach Steuer-CD-Kauf: Selbstanzeigen-Schub viel kleiner als im Vorjahr"

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  • Selbstanzeige ja oder nein? Wie sehr durchschaut denn der Einzelne noch, was sein Steuerberater etc. so alles gemacht hat?

    Je komplizierter das Steuerrecht, desto mehr Steuerberater verdienen an der Kompliziertheit, desto mehr Banker verdienen an komplizierten Finanzinstrumenten, desto mehr Beamte müssen bezahlt werden.

    Wer kennt schon die volkswirtschaftlichen Kosten des komplizierten Steuerrechts? Wer kennt schon die moralischen Kosten?

  • Ohne Bewährung, soso.

    Würde der Staat, wie es ihm eigentlich zustände, sein eigenes Geld aus der Luft schöpfen und dieses Monopol NICHT den Privatbanken überlassen,
    müsste er es sich nicht für teures Geld = ZinsesZins borgen und wir bräuchten dann ALLE KEINE Steuern zu bezahlen.

    Unser GANZES Leben wird also nicht von der Politik, sondern von den Banken bestimmt.Ein einzigartiges Betrugssystem.

  • Vielleicht hat es sich ja schon rumgesprochen:

    Würde der Staat, wie es ihm eigentlich zustände, sein eigenes Geld aus der Luft schöpfen und dieses Monopol NICHT den Privatbanken überlassen,
    müsste er es sich nicht für teures Geld = ZinsesZins borgen und wir bräuchten dann ALLE KEINE Steuern zu bezahlen.

    Unser GANZES Leben wird also nicht von der Politik, sondern von den Banken bestimmt.Ein einzigartiges Betrugssystem.

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