Nach Störfall
Gabriels AKW-Schelte perlt an Merkel ab

Nach dem erneuten Störfall im Kraftwerk Krümmel ist die Debatte um die Nutzung der Atomkraft wieder voll entbrannt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hält die deutschen Atomkraftwerke trotz der neuen Panne in Krümmel grundsätzlich für sicher.

HB BERLIN. Die Kanzlerin habe keinen Zweifel daran, dass nur Anlagen in Betrieb seien, für die Zuverlässigkeit und Fachkompetenz gewährleistet seien, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg am Montag in Berlin. Merkel bleibt zugleich bei ihrer Forderung nach längeren Laufzeiten der Meiler. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) will dagegen den Atomausstieg beschleunigen und den Ländern die Aufsicht entziehen. Aus der Union kam umgehend Widerstand.

Im Atomkraftwerk Krümmel bei Hamburg war es am Samstag zu einem Kurzschluss in einem Transformator gekommen. Der Meiler hatte sich automatisch abgeschaltet. Er war nach zwei Jahren Pause wegen anderer Störfälle erst vor zwei Wochen wieder ans Netz gegangen. Vor dem Kurzschluss hatte es zwei weitere Pannen in dem Kraftwerk gegeben.

"Wir müssen es abschalten", sagte Gabriel in der ARD. Das Gesetz zum Atomausstieg soll aus seiner Sicht nach der Bundestagswahl verschärft werden, damit die acht ältesten Meiler abgeschaltet werden könnten. Er will die Betreiber dazu zwingen. "Das Ziel ist, dass sie verpflichtet werden, die älteren Anlagen vom Netz zu nehmen und die Restlaufzeit auf die jüngeren Atomkraftwerke zu übertragen", sagte Ministeriumssprecher Michael Schroeren.

Gabriel fordert eine einheitliche Atomverwaltung. "Der Bund sollte eine Atomaufsicht einführen, die wirklich alle 17 Atomkraftwerke umfasst", sagte er der ARD. Merkel lehnt die Pläne ab. Die Kanzlerin sei der Ansicht, dass an der bisherigen Regelung festgehalten werden solle, sagte Steg. Der Bund hat die Aufsicht auf die Länder übertragen. Bund und Länder sollten sich weiter um Kooperation bemühen, sagte Steg. Dabei geht es um einen Streit zwischen Gabriel und Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) über den Umgang mit Störfällen durch den Verlust von Kühlmittel. Sander habe eine Ladung nicht befolgt, sagte Schroeren.

In Krümmel verriegelten Vertreter der Umweltorganisation Greenpeace ein Einfahrtstor zu dem Kraftwerk mit Eisenketten. Experten setzten die Suche nach der Störfall-Ursache fort. Das Land geht im Gegensatz zu Gabriel davon aus, dass ein Wiederanfahren des Meilers nicht zustimmungspflichtig ist. Eine Sprecherin des Betreibers Vattenfall sagte der dpa, der Reaktor werde aber nur in enger Abstimmung mit der Atomaufsicht wieder angefahren.

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