Nach Störfall in Schweden
Politiker streiten um "Beinahe-GAU"

Die Diskussionen nach dem Störfall in einem schwedischen Atomkraftwerk gehen auch in Deutschland weiter. Während das Bundesumweltministerium derzeit nicht von einem „Beinahe-GAU“ sprechen will, tut gerade dies der frühere Bundesumweltminister Jürgen Trittin.

HB BERLIN. „Wir möchten die Fakten auswerten und nicht voreilige Schlüsse ziehen“, sagte ein Ministeriumssprecher am Samstag der Nachrichtenagentur dpa. „Dass die Atomenergie eine Risikotechnologie ist, ist klar.“ Das sei ein Argument dafür gewesen, den Atomausstieg zu beschließen. Das Ministerium rechnet bis Anfang der Woche mit Informationen, ob der Fall mit Deutschland vergleichbar ist und Konsequenzen nötig sind. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hatte nach dem Störfall in dem Atomkraftwerk von einem „Beinahe- GAU“ (Größter anzunehmender Unfall) gesprochen und einen schnelleren Atomausstieg in Deutschland gefordert.

Trittin hat den Atomkraft-Störfall im schwedischen Forsmark als „sehr schweren Störfall“ eingestuft. „Auf den letzten Drücker wurde mit einer Notkühlung verhindert, dass es zu einer unkontrollierten Kernschmelze, also zu einem Super-GAU mit allen katastrophalen Konsequenzen kam“, sagte der Grünen-Politiker der in Hannover erscheinenden „Neuen Presse“ vom Samstag. Keines der weltweit laufenden Atomkraftwerke sei gegen eine Kernschmelze ausgelegt und damit sicher vor einem Unfall, wie er 1986 im ukrainischen Tschernobyl passiert sei.

In dem Reaktor Forsmark 1 waren am 25. Juli Probleme bei der Stromversorgung aufgetreten. In schwedischen Medienberichten hieß es, der Reaktor habe kurz vor der Kernschmelze gestanden. Infolge des Störfalls wurden vier der insgesamt zehn Reaktoren im Land vom Netz genommen. Die übrigen Anlagen durften nach einer Überprüfung in Betrieb bleiben. Nach dem Vorfall in Forsmark forderten Atomkritiker in Deutschland ein Ende der Debatte um eine Abkehr vom vereinbarten Atomausstieg. Das Bundesumweltministerium kündigte eine Überprüfung deutscher Atomkraftwerke an.

Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn drohte der großen Koalition für den Fall eines Wiedereinstiegs in die Atomenergie mit massivem Widerstand. „Wenn Union oder SPD auf die Idee kommen, wieder in die Atomwirtschaft einzusteigen, sehen wir uns auf dem Acker wieder. Die Transparente stehen noch auf dem Dachboden, sie müssen nur frisch angemalt werden“, sagte er der „Bild am Sonntag“ laut Vorabbericht. Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag den von Rotgrün beschlossenen Atomausstieg bestätigt. Unionspolitiker stellen diese Festlegung jedoch gegen heftigen Widerstand der SPD immer wieder in Frage.

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