Nach S&P-Herabstufung: Merkel und die Ihren geben sich cool

Nach S&P-Herabstufung
Merkel und die Ihren geben sich cool

Die Bundesregierung reagiert gelassen auf den Rundumschlag von S&P. Kanzlerin Merkel könnten die Herabstufungen bei ihren Reformvorhaben sogar helfen. Die Macht der Ratingagenturen will sie dennoch begrenzen.
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BerlinDas oberste Gebot heißt Gelassenheit. Die Kanzlerin sagt, das sei nur eine von drei Rating-Agenturen. Die Finanzexperten der CDU betonen, die Abwertung Frankreichs sei zu erwarten und daher von den Märkten längst eingepreist gewesen. In der FDP erhofft man sich eine „heilsame Wirkung“ für die Reformanstrengungen von Schuldensündern. Aber: Die Abstrafung von neun Euro-Ländern durch den US-Riesen Standard & Poor's lässt sich nicht ganz so leicht abtun, wie es die schwarz-gelbe Koalition am Samstag versucht. Denn das Konstrukt der Euro-Rettung steht nun auf noch wackligeren Füßen.

Beispiel EFSF: Der Rettungsfonds muss sich am Markt das Geld für hilfsbedürftige Euro-Länder beschaffen, was bei einer Abstufung der Kreditwürdigkeit von tragenden Säulen wie Frankreich teurer werden kann. Damit der Fonds 440 Milliarden Euro verleihen kann, müssen die Euroländer Garantien in Höhe von 780 Milliarden Euro bereitstellen. Kanzlerin Angela Merkel rechnet aber nicht, dass Deutschland wegen möglicher Zinssteigerungen mehr als die vom Bundestag beschlossenen Garantien von 211 Milliarden Euro zur Verfügung stellen muss. Auch in Finanzkreisen wird betont, es sei noch zu früh für valide Aussagen, ob auf Deutschland nun höhere Kosten zukommen können.

Der FDP-Finanzexperte Otto Fricke betont: „Das Rating hat nicht zwangsläufig eine Zinserhöhung zur Folge.“ Wie Merkel verweist er darauf, dass die Zinsen für den EFSF ohnehin recht hoch seien, also von den Finanzmärkten die Herunterstufung Frankreichs, aber auch Österreichs längst miteinberechnet worden sei. „Der EFSF ist auch schon in der Vergangenheit immer bewertet worden nach dem stärksten schwachen Stück“, sagt Fricke mit Blick auf Frankreich.

Merkel betont, mit der Ratingagentur Fitch habe zudem gerade erst eine der drei dominierenden Kredit-Beurteiler mitgeteilt, Frankreich werde bei ihr wohl seine Bestnote „AAA“ in diesem Jahr behalten. Die Uneinigkeit der Urteile wird in Berlin als vorteilhaft empfunden, dass die große Panik am Montag an den Börsen ausbleiben könnte. Die SPD hingegen fordert ein Aus für sämtliche Steuersenkungspläne, da auf Deutschland womöglich nun höhere Belastungen zukommen könnten.

Denn durch den Verlust eines Triple-A-Frankreich, das nun wohl mehr Geld für Kredite bezahlen muss, wächst der Druck auf Deutschland als „Musterknabe“ und Hauptgeldgeber. Doch Union und FDP werden in ihren Reihen weitere Milliardensummen zur Rettung wohl nicht durchsetzen können, sollte es unerwartete Reaktionen an den Märkten geben.

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Es wird kompliziert zwischen Deutschland und Frankreich

Kommentare zu " Nach S&P-Herabstufung: Merkel und die Ihren geben sich cool"

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  • Merkel kann "cool bleiben" nützen wird das nichts. Da ist die demografische Entwicklung mit einer rapiden Ueberalterung und die ungelöste Frage wie in Zukunft bei weniger effektiven Steuerzahlern die steigenden Sozial- und Staatsausgaben(u.a. die Beamtenpensionen) finanziert werden sollen.

    Mal angenommen wir erleben bei all der austerity keine so sanfte Rezession wie prognostiziert und der positive cashflow der Exportmaschine versiegt, wie schnell wird wohl das triple A für Deutschland fallen und die Finanzierungskosten immens steigen lassen.

    Nein cool bleiben sollte Merkel nicht - handeln muss sie. Wird höchste Zeit das unsere Oberregulierer bemerken, dass die überzogenen Regulation des Bankensektors in einer Rezession zu einer massiven Kreditklemme führen wird. In den angelsächsichen Ländern ist längst registriert worden. S&P hat auf die Ueberregulierung des Bankensektors explizit hingewiesen - als Gefahr für die wirtschaftliche Entwicklung in Kontinentaleuropa.



  • dabei muß man auch langfristig strategisch denken:
    Griechenland ist geographisch eine der wichtigsten militärischen Grenzlinien Europas - das weiss Griechenland, drum können die uns auch so auf der Nase rumtanzen, was weder demokratisch noch solidarisch ist.

  • Das geht solange weiter, bis das Volk endlich handelt und die Parasiten eliminiert!

    Bekanntlich handelt die Strasse erst dann, wenn die Parasiten auch den letzten Schinken genüsslich verzert haben, - was in kürze realität ist.

    Die Strasse wird wie immer in der Geschichte ganze Arbeit leisten, sich der fetten Maden entledigen, womit der Neuanfang erst ermöglicht wird.



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