Nach Tarifeinigung
Löhne für Leiharbeiter steigen

Zeit- und Leiharbeit ist in Deutschland deutlich teurer geworden. Doch die Branche bleibt gelassen und richtet sich auf ein zwar geschrumpftes, aber solideres Geschäft ein. Angst hat sie nur vor einem Regierungswechsel.
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FrankfurtUm die Leiharbeit in Deutschland ist es in den vergangenen Monaten ruhiger geworden. Seit November fließt deutlich mehr Geld an viele der knapp 800 000 Menschen, die von ihrem Arbeitgeber an andere Firmen ausgeliehen werden. Sie profitieren von der allgemeinen Tariferhöhung für Leiharbeiter sowie von den für bislang neun Branchen ausgehandelten Zuschlägen, die an längerfristig im selben Betrieb Beschäftigte gehen sollen. Anscheinend werden die Tarifverträge genauer umgesetzt als zuvor von Skeptikern erwartet.

Die nach langen Verhandlungen beschlossenen und schrittweise eingeführten tariflichen Zuschläge werden offensichtlich weitgehend problemlos gezahlt. Nur sieben Prozent der von der IG Metall befragten rund 40 000 Leiharbeiter berichteten, dass ihnen die Zuschläge nicht gezahlt werden. Eine Mehrheit von 58 Prozent erhielt hingegen Zahlungen, heißt es in einer jüngst vorgestellten Auswertung. Die übrigen Befragten machten keine genauen Angaben oder hatten die Tätigkeit gewechselt. Ob in jedem individuellen Arbeitsverhältnis korrekt abgerechnet wird, ist im Moment ein heißes Thema in den Betrieben.

Die Zuschläge verteuern den dauerhaften Einsatz von Leiharbeitern durchaus kräftig. 50 Prozent des Zeitarbeiter-Tarifs werden nach neun Monaten im selben Metall-Entleihbetrieb fällig und verkleinern die Lohnlücke zur Stammbelegschaft beträchtlich. Je nach Tarifgruppe sind das für den betroffenen Leiharbeiter zwischen 569 (Stufe 1 Ost) und 1381 Euro (Stufe 9 West) brutto mehr im Monat.

Nach Recherchen des „Handelsblatts“ ist die Reaktion auf den Kostenschub erstaunlich moderat geblieben. Die Branchenführer Adecco und Randstad berichten von unveränderten Geschäften und dass ein Großteil der Kunden bereit sei, die zusätzlichen Kosten zu tragen, um die flexiblen Einsatzmöglichkeiten zu erhalten.

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Löhne für Leiharbeiter steigen

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Sinkende Nachfrage nach Zeitarbeitskräften

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  • DuMont? Über diese Info freut sich PI ...

  • Als ob die Medien irgendeinen wahrheitsgemäßen Artikel über die Zeitarbeitspest veröffentlichen würden. Die profitieren doch selber kräftig mit von diesen gesetzlichen Regelungen.
    Hier in Köln gibt es bspw. den Verlag M.DuMont Schauberg mit dem ach so sozialen Ehrenbürger Alfred Neven DuMont als Aufsichtsratschef. Dieser Verlag hat 2008 seine eigene Zeitarbeitsfirma (Laborage) gegründet und mittlerweile gibt es in den technischen Abteilungen fast keinen Stammarbeitnehmer mehr, sondern nur noch erheblich schlechter bezahlte Sklavenjobs. Im kaufmännischen Bereich sieht es nicht viel besser aus. Und da die Firma eine hundertprozentige Tochter der DuMont-Gruppe ist, gehen die 50%igen Einspraungen im Gehalt voll in die Kasse des Verlages.
    Mich würde es nicht wundern, wenn es beim Handelsblatt genauso aussieht.

  • Ein Leiharbeiter müsste (nach Einarbeitung) teuerer sein und mehr verdienen, als die Stammbelegschaft. Schließlich trägt er das Schwankungsrisiko der Auftragslage durch sein unsicheres Beschäftigungsverhältnis selbst. Dadurch wäre das Problem ganz schnell vom Tisch.

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