Nach TV-Duell
Steinmeier schaltet auf Angriff um

So angriffslustig hat man Frank-Walter Steinmeier selten erlebt: Nach dem friedlichen TV-Duell schaltet SPD-Kanzlerkandidat in der Auseinandersetzung mit Kanzlerin Angela Merkel unerwartet auf Angriff um. In der SPD-Zeitung "Vorwärts" ging Steinmeier seine Kontrahentin direkt an.

HB DÜSSELDORF. Im Interview mit dem "Vorwärts" legt Steinmeier plötzlich richtig los. Die Menschen würden schon merken, wer der Ideenmotor der Großen Koalition gewesen sei."Aber wir haben es mit der 'Ich-auch-Kanzlerin' zun: Wann immer jemand eine erfolgversprechende Idee hat, sagt Merkel 'Ich auch'. Das mag geschickt erscheinen, ist aber völlig substanzlos", redete sich der sonst so kontrollierte Sozialdemokrat in Rage.

Aber nicht genug damit. Auf die Frage nach der Haltung der Kanzlerin zum gleichen Lohn für Frauen, sagte Steinmeier: "Statt Frauenrechte zu fördern, sagt sie den Frauen in diesem Land: Geht doch zum Chef betteln." Er wolle, dass Frauen für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn bekommen. Und außerdem, dass 40 Prozent der Aufsichtsräte Frauen seien. Auf die Frage, wie er die Kanzlerin im Wahlkampf denn stellen wolle, sagte Steinmeier, Merkel schweige und verlasse sich auch "Weichzeichner-Bilder und Wellness-Rhetorik". Da sei doch etwas faul: Die Union sagte nichts über ihr Programm, weil sie verbergen wolle, was auf die Menschen zukommt.

Zum TV-Duell sagte Steinmeier, er hoffe, dass er insbesondere die noch unentschlossenen Wähler zum Urnengang animiert habe, sagte der Vizekanzler am Montag in Berlin. Merkel habe in der Sendung nur die eigene Unentschlossenheit demonstriert, sagte der Kanzlerkandidat. Dass sie sich einerseits gewerkschaftsnah präsentierte, andererseits aber zu keinerlei Vorstößen beim gesetzlichen Mindestlohn, dem Kündigungsschutz oder der Altersteilzeit bereit sei, bestätige seine Irritationen über den inhaltlichen Kurs der Union.

Steinmeier wies auch den Vorwurf zurück, das Duell sei zu harmonisch verlaufen und er habe zu wenig Angriffslust gezeigt. "Es war kein Duett, sondern ein Duell mit Inhalten", unterstrich der SPD-Politiker.

Unterdessen hat auch Bundeskanzlerin Angela Merkel die Polarisierung im Wahlkampf und warnt vor einer Neuauflage der großen Koalition verschärft. "Deutschland braucht in Zeiten der Krise einen klaren Wachstumskurs und vor allem eine stabile Regierung, die volle vier Jahre zusammenhält", sagte die CDU-Chefin dem Bonner "General- Anzeiger" (Dienstag). "Dafür steht eine Koalition mit der FDP." Sie favorisiere nicht insgeheim eine Fortsetzung der großen Koalition mit der SPD. Merkel bekräftigte ihre Zweifel, dass die SPD kein rot-rotes Bündnis im Bund anstrebt. "Ich stelle fest, dass (...) der Flügel stärker wird, der sich eine Zusammenarbeit auf Bundesebene wünscht."

Knapp zwei Wochen vor der Bundestagswahl lehnte sie jedoch persönliche Angriffe gegen SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier weiter ab. "Das ist es doch auch, was die Wähler gerade in einer schweren Krise wollen: Keinen Schmutzwahlkampf, sondern den Streit um die Sache und um die besten Konzepte." Merkel warnte vor einem drastischen Sparkurs in der Wirtschaftskrise und setzte auf Wachstum. "Wir dürfen nicht glauben, wir könnten uns erfolgreich aus der Krise sparen."

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