Nach Übergriffen in der Truppe
Bundeswehr zieht kritische Bilanz

Nach den Skandalen hat die Bundeswehr die Missstände in der Truppe untersucht. Das Ergebnis ist ernüchternd: Pfullendorf war zwar ein Extremfall – aber auch keine Ausnahme. Besonders junge Soldaten führen ein Eigenleben.
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BerlinNach den jüngsten Skandalen um sexuelle Belästigung und entwürdigende Aufnahmerituale hat die Bundeswehr Missstände in den eigenen Reihen untersucht. Verstöße seien vor allem „infanteristisch geprägten Verbänden und in Teilen Ausbildungseinrichtungen“ zuzuordnen, heißt es in dem Bericht von Generalinspekteur Volker Wieker an den Verteidigungsausschuss des Bundestages, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und über den zuvor mehrere Medien berichteten. Das Meldesystem weist demzufolge Defizite auf. Es sei „zersplittert, nicht kohärent und wird uneinheitlich gehandhabt“.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen versprach am Mittwoch eine systematische Aufarbeitung von Missständen. „Ist der Respekt und die Kameradschaft in der Bundeswehr gegeben oder gibt es Truppenteile, Standorte oder bestimmte Gruppierungen, wo sich ein unseliger Korpsgeist entwickelt, und wir müssen konsequent eingreifen?“, fragte die CDU-Politikerin. Man werde deshalb größere Untersuchungen auf den Weg bringen.

Laut Wieker sind bei der internen Analyse weitere 40 Hinweise allein bei der „Ansprechstelle Diskriminierung und Gewalt in der Bundeswehr“ eingegangen. Zivile Mitarbeiter beklagten vor allem Mobbing-Vorwürfe, Soldatinnen und Soldaten sexuelle Übergriffe. Dem Bericht zufolge wurden bereits bekannte Verdachtsfälle der beiden vergangenen Jahre sowie neue Fälle analysiert.

Besonders junge Soldaten von Kampfverbänden entwickelten demnach ein Eigenleben. Die Verdachtsfälle und Vorwürfe betreffen vor allem Mannschaftssoldaten und Unteroffiziere zwischen 20 und 30 Jahren. Wieker stellt für diesen Kreis ein „besonderes Erfordernis an stringenter Führung, Ausbildung und Erziehung“ fest.

In der Elite-Ausbildungskaserne in Pfullendorf sei es zu „gravierenden Verstößen“ gegen Grundsätze der Bundeswehr gekommen. Fragwürdige Ausbildungsmethoden seien geändert worden, schreibt Wieker in dem Bericht. Ausbilder seien versetzt, fünf Soldaten fristlos aus der Truppe entlassen worden.

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