Nach Urteil
Deutsche wollen einheitlichen Nichtraucherschutz

Eine bundeseinheitliche Regelung zum Nichtraucherschutz in Eckkneipen wird immer wahrscheinlicher. Roland Koch kündigte bereits einen neuen Vorstoß an. Dabei hat eine überwältigende Mehrheit der Deutschen schon ein ganz klare Meinung.

HB FRANKFURT. In Deutschland droht ein Chaos um das Rauchverbot in Kneipen. Die Länder streiten, ob die Zigarette in kleinen Lokalen ganz tabu sein soll oder ob es weitere Ausnahmen gibt. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) will, dass überall die gleichen Regeln gelten. Die Frage ist: Lassen sich die anderen Länder- Regierungschefs von der Idee anstecken?

In seinem Grundsatzurteil hatte das Bundesverfassungsgericht die bestehenden Rauchverbote in kleinen Kneipen in Baden-Württemberg und Berlin gekippt und Nachbesserungen bis Ende 2009 gefordert. Da die meisten anderen Bundesländer aber vergleichbare Regelungen haben, müssen die Rauchverbote auch dort überarbeitet werden. Die ersten Länder kündigten bereits Lockerungen an. Möglich sind aber auch viel striktere Regelungen: Denn die Karlsruher Richter erklärten auch absolute Rauchverbote in allen Gaststätten für verfassungsgemäß.

Am Freitag hatte bereits das sachsen-anhaltinische Gesundheitsministerium eine Bund-Länder-Abstimmung über das weitere Vorgehen verlangt. Ministerin Gerlinde Kuppe bekräftigte am Sonntag in der Zeitschrift "Super Illu" ihre Forderung nach einem generellen Rauchverbot ohne Ausnahmen. Da Karlsruhe mit seinem Urteil die unterschiedlichen Verfahren in den Ländern kritisiert habe, bleibe "ein Fünkchen Hoffnung, dass wir bundeseinheitliche Regelungen treffen können", betonte die SPD-Politikerin. Deshalb werbe sie für Gespräche über die Landesgrenzen hinweg. Die Grünen wollen im Bundestag über eine bundesweite Rauchverbots-Regelung abstimmen lassen.

"Den Schutz von Nichtrauchern den Ländern zu überlassen, war ein Akt der Feigheit", sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast am Sonntag. Die Bundesregierung habe sich nicht getraut, dies einheitlich zu regeln. Künast bekräftigte die Haltung der Grünen, eine Lösung im Rahmen des Arbeitnehmerschutzes zu finden.

Gegen eine bundeseinheitliche Regelung sprach sich dagegen CSU-Chef Erwin Huber aus. "Wir brauchen keine Bundesregelung", sagte er laut dem "Münchner Merkur". Über die Föderalismuskommission habe man gerade erst die Länderkompetenzen gestärkt. Das Rauchverbot nicht eigenverantwortlich zu regeln, "wäre ein Armutszeugnis für die Länder", wurde Huber zitiert.

Große Mehrheit der Deutschen für einheitliche Regelung

Dagegen will eine überwältigende Mehrheit der Deutschen will einen bundesweit einheitlichen Nichtraucherschutz in Gaststätten. Bei einer repräsentativen Emnid-Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag" forderten dies 81 Prozent der 500 Befragten. Nur 17 Prozent finden, dass eine einheitliche Regelung nicht nötig sei. Auf die Frage, welche Regelung sie sich wünschten, antworteten 56 Prozent, dass es ein Rauchverbot mit Ausnahmeregelungen geben sollte, zum Beispiel für Wirte von Eckkneipen. 23 Prozent forderten ein absolutes Rauchverbot in allen Gaststätten, während 20 Prozent fanden, dass es überhaupt kein Rauchverbot geben sollte.

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