Nach Wahldebakel
Gebeutelte SPD bekommt kirchlichen Beistand

Der scheidende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, hat vor einem Bedeutungsverlust der Volksparteien gewarnt. Besonderen Anteil nahm er am Schicksal der SPD. Zugleich kritisierte der höchste Repräsentant der deutschen Protestanten die Linkspartei als populistisch und warf ihr vor, ihre SED-Vergangenheit nicht aufgearbeitet zu haben.
  • 0

HB FRANKFURT/MAIN. "Was sich mit der SPD abspielt, ist ein großes Unglück. Darüber kann niemand froh sein", sagte Huber, der bevor er 1994 Berliner Bischof wurde, erwogen hatte, sich als SPD-Kandidat um ein Bundestagsmandat zu bewerben. Die Demokratie sei auf stabile Volksparteien angewiesen, die unterschiedliche Gruppen von Menschen unter einem politischen Dach zusammenführten.

"Es wäre verhängnisvoll für die Demokratie, wenn sich die politischen Parteien immer stärker dahin entwickeln würden, dass sie nur noch für ein bestimmtes Spektrum der Wählerschaft zuständig wären", sagte Huber.

Dass die Linkspartei bessere Antworten als die SPD auf Fragen der sozialen Gerechtigkeit habe, glaubt Huber nicht. "Sie drückt die Kritik an dem, was viele Menschen belastet, populistischer aus, als andere Parteien zu tun bereit sind", sagte er.

Außerdem warf Huber der Linken eine mangelhafte Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit in der DDR vor: "Die Linkspartei hat die Unterdrückung und Verfolgung von Christen unter der Herrschaft der SED, ihrer Vorgängerpartei also, bisher nicht angemessen aufgearbeitet."

Huber war sechs Jahre EKD-Ratsvorsitzender. Das Amt legt der 67-Jährige nun aus Altersgründen nieder. Am 28. Oktober steht in Ulm die Wahl eines neuen Ratspräsidenten an. Mitte November wird dann Hubers Nachfolger als Berliner Bischof, Markus Dröge, ins Amt eingeführt.

Kommentare zu " Nach Wahldebakel: Gebeutelte SPD bekommt kirchlichen Beistand"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%