Nach Williamson-Rehabilitierung
Merkels Papst-Kritik sorgt für Wirbel

Unter deutschen Bischöfen ist ein Streit über die Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Richard Williamson durch Papst Benedikt XVI. entbrannt. Auch im politischen Berlin sorgt die Debatte für Wirbel. Die Kritik von Kanzlerin Merkel am Papst erzürnt die CSU – und kommt auch in der katholischen Kirche nicht gut an.

HB BERLIN. Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller nahm Benedikt gegen Kritik unter anderem von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Schutz. Dem deutschen Papst sei die Position des britischen Bischofs Williamson zum Völkermord der Nazis an sechs Mio. europäischen Juden persönlich nicht bekannt gewesen, sagte Müller am Mittwoch in der ARD. „Er selbst hat keinen Fehler gemacht und braucht sich nicht zu entschuldigen“, sagte Müller über den Papst.

Der Regensburger Bischof bezeichnete Williamsons Leugnung des Holocausts als idiotisch. „Er hat in furchtbarer Weise der Kirche geschadet und den Papst reingelegt“, sagte Müller über den von Benedikt rehabilitierten Geistlichen. Williamson habe im Bistum Regensburg Hausverbot. Der Brite ist einer von vier Geistlichen der ultrakonservativen Pius-Brüderschaft, deren 20 Jahre zurückliegende Exkommunikation der deutsche Papst aufhob. Anlass der Exkommunikation war die damals vom Vatikan abgelehnte Weihe der Geistlichen zu Bischöfen.

Dagegen forderte der Berliner Erzbischof Georg Sterzinsky den Papst zur Rücknahme seiner Entscheidung auf. Der Kardinal sagte in mehreren Interviews, die Aufhebung der Exkommunikation halte er nicht für richtig. „Das muss in Ordnung gebracht werden“, sagte Sterzinsky der „Bild“-Zeitung. Das Mindeste sei eine Überprüfung dieser Entscheidung. „Nach meinem Empfinden ist zu erwarten, dass dabei ein anderes Ergebnis herauskommt“, sagte Sterzinsky. Für den Fall, dass Fehler gemacht wurden, müsse eine Entschuldigung ausgesprochen werden, „egal, auf welcher Ebene“.

Am Dienstag hatte Bundeskanzlerin Merkel den Papst zu einer Klarstellung aufgefordert. Durch die Entscheidung des Papstes und des Vatikans sei der Eindruck entstanden, dass es eine Leugnung des Holocaustes geben könnte. Dies könne so nicht stehenbleiben, sagte Merkel. Der Vatikan hatte sich die Kritik der Kanzlerin verbeten und erklärt, die Haltung des Papstes zu den Juden und dem Holocaust sei eindeutig und bedürfe keiner Klarstellung.

Die Kirchenbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ingrid Fischbach, begrüßte die Forderung der Bundeskanzlerin. Das Leugnen des Holocausts sei in Deutschland eine Straftat. Da sei es sinnvoll, wenn die Kanzlerin sich in die Kontroverse einschalte, sagte Fischbach im Deutschlandfunk. „Hier geht es auch um das Ansehen unseres Landes.“ Kritik an der Kanzlerin kam dagegen aus der CSU. Er halte die Äußerungen Merkels für unglücklich und unangemessen, sagte der Chef der CSU-Grundsatzkommission, Alois Glück, der „Financial Times Deutschland“ laut Vorabmeldung aus der Donnerstagausgabe.

Auch SPD-Chef Franz Müntefering forderte eine Rücknahme der Entscheidung. „Das ist ein schwerer, historischer Fehler, den die Kirche so schnell wie möglich korrigieren muss“, sagte Müntefering der „Berliner Zeitung“ vom Donnerstag. Das Oberhaupt der Katholiken habe „gerade deutlich demonstriert, dass auch ein Papst hier nicht unfehlbar ist“.

Müntefering ist Katholik. Den Posten als SPD-Chef nannte er einst das zweitschönste Amt nach dem Papst.

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