Nachfolge scheinbar entschieden
Flugabwehr-System Meads soll Patriot ablösen

Das Verteidigungsministerium soll sich in der Frage um den Nachfolger des Raketenabwehrsystems für das System „Meads“ der Firma MBDA entschieden haben. Damit hätte der Patriot-Hersteller Raytheon das Nachsehen.
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BerlinIm Bundesverteidigungsministerium ist laut einem Zeitungsbericht die Entscheidung über eines der größten und teuersten Rüstungsvorhaben des nächsten Jahrzehnts gefallen. Wie die "Süddeutsche Zeitung" am Freitag berichtete, soll der Nachfolger für das Flugabwehrraketen-System Patriot von der Firma MBDA kommen, die das gemeinsam mit dem US-Rüstungskonzern Lockheed Martin entwickelte System Meads zur Serienreife bringen solle. Damit hätte der Patriot-Hersteller Raytheon das Nachsehen, der mit einer modernisierten Variante seines Systems im Rennen gewesen sei.

Die Entscheidung zum sogenannten Taktischen Luftverteidigungssystem, kurz TLVS, gilt laut "SZ" als eine der wichtigsten rüstungspolitischen Weichenstellungen der Legislaturperiode. Bei dem Auftrag, für den noch etwa vier Milliarden Euro fällig würden, handele sich zugleich um die erste große eigenständige Beschaffungsentscheidung in der Amtszeit von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums vom Freitag ist die Entscheidung weiter offen. Sowohl eine Weiterentwicklung von "Patriot" als auch das System "Meads" stünden als Lösungsvorschläge gegenüber. "Wir sind noch mit beiden großen Herstellern gleichermaßen im Gespräch", sagte ein Sprecher. Eine Entscheidung werde wie angekündigt bis Ende Juni fallen.

Lange und wechselhafte Vorgeschichte

Das System Meads (Medium Extended Air Defense System) hat dem Bericht zufolge eine lange und wechselhafte Vorgeschichte. An der Entwicklung waren demnach die USA, Deutschland und Italien beteiligt, der Bundestag brachte die deutsche Beteiligung vor einem Jahrzehnt auf den Weg. Die USA entschieden später jedoch, das System nicht beschaffen zu wollen.

Auch die Bundeswehr, so teilte es das Verteidigungsministerium laut "SZ" 2011 mit, werde Meads in absehbarer Zeit nicht beschaffen. Deutschland hat in das System dem Bericht zufolge bereits gut eine Milliarde Euro investiert.

Die "SZ" schreibt weiter, wegen des industriepolitischen Hintergrunds habe es aber "aus dem parlamentarischen Raum starken Druck auf von der Leyen und ihre Rüstungs-Staatssekretärin Katrin Suder" gegeben, Meads auszuwählen. Formal entscheide Bundeswehr-Generalinspekteur Volker Wieker darüber. Die Befürworter machten demnach geltend, dass es dabei auch um Arbeitsplätze gehe.

Nach "SZ"-Informationen wurde bei einer Sitzung im Ministerium, an der in der vergangenen Woche neben Staatssekretärin Suder unter anderem die Abteilungsleiter für Rüstung und Planung teilnahmen, folgendes Vorgehen besprochen: Zwar solle Meads den Zuschlag bekommen, aber "unter strengen Bedingungen". So solle der Hersteller auf dem Weg zur Beschaffungsreife immer wieder nachweisen müssen, dass er im Plan ist und technologisch, zeitlich sowie finanziell die Vorgaben erfülle.

Sollte sich zwischendurch erweisen, dass die MBDA scheitert, hätte die Politik bei diesem Vorgehen immer noch die Möglichkeit auszusteigen. Außerdem solle laut Ministeriumskreisen der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin so weit wie möglich eingebunden werden, um dessen technologisches Potenzial zu nutzen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • @Klein: MEADS braucht keine Flugerlaubnis! Also kann es diesem System nicht so ergehen wie der Drohne. Die Drohne selbst ist ja nicht schlecht - lediglich die Bürokratie lässt zu wünschen übrig. Es hat ja keiner darüber nachgedacht, dass diese Drohne ja auch außerhalb von Deutschland stationiert sein Könnte, um ihre Spionageflüge durchzuführen. Die Amis lassen Ihre Kampfdrohnen von Deutschland aus operieren. Warum die Drohne nicht von Israel, Türkei, USA oder sonst wo aus. Wir hätten uns massig Geld gespart mit solch einer Maßnahme. Kreativität ist nun mal nicht in Beamtenbuden zu finden.

  • Es sind ja nur Steuergelder
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    Nach dem Reinfall mit dem Euro-Halk jetzt also das Flugabwehrraketen-Systems Meads.

    Bei der Bundeswehr bahnt sich eines der kostspieligsten Projekte der Zukunft an. Ursula von der Leyen soll sich für den Erwerb des Flugabwehrraketen-Systems Meads entschieden haben.

    Der "Euro-Halk" hatte in Deutschland keine Flugerlaubnis, soll aber "reanimiert" werden.
    Mit "Meads" wird es wohl auch so gehen.
    Es sind ja nur Steuergelder, welche hier verbrannt werden.

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