Nachgefragt
Gunkel: „Alle Altersgrenzen anheben“

Alexander Gunkel, Mitglied der Geschäftsführung der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände und Vorstand des Verbands Deutscher Rentenversicherungsträger, im Handelsblatt-Interview über längere Übergangsregeln und die Ungleichbehandlung von Frauen.

Handelsblatt: Die Arbeitgeber haben nach der Kabinettsentscheidung Sorgen, dass durch die beschleunigte Anhebung des Renteneintrittsalters der Vertrauensschutz nicht gesichert ist. Wo erwarten Sie Probleme?

Gunkel: Die Bundesregierung hat jetzt beschlossen, dass alle diejenigen, die einen Altersteilzeitvertrag bereits abgeschlossen haben, unter den Vertrauensschutz fallen sollen. Soweit wir da Bedanken hatten, sind die jetzt also zum Glück aufgegriffen worden.

Grundsätzlich plädiert die Wirtschaft dafür, das Renteneintrittsalter anzuheben. Ist es nicht ein Widerspruch, wenn Sie auf der anderen Seite längere Übergangsregeln fordern.

Nein, wir wollen im Gegenteil sogar sehr viel weiter gehen. Wir wollen alle Altersgrenzen in der Rentenversicherung anheben, insbesondere auch das Alter für die abschlagsfreie Rente. Nach unseren Plänen würden für diejenigen, die in Altersteilzeit beschäftigt sind, die Abschläge höher.

Sie schlagen also Vertrauensschutz für die vorgezogene Altersgrenze, aber höhere Abschläge für die davon Betroffenen vor?

Das wäre die Konsequenz der Vorschläge, wie sie die Rürup-Kommission ausgearbeitet hat. Das befürworten wir, auch weil es im Unterschied zur jetzigen Planung der Bundesregierung tatsächlich zu einer Entlastung der Rentenversicherung führt.

Die Bundesregierung will nur die vorgezogenen Altersgrenzen für Arbeitslose und Altersteilzeitler beschleunigt anheben. Es bleibt bei den vorgezogenen Altersgrenzen für Frauen und Schwerbehinderte. Ist dies gerechtfertigt?

In der Tat: Auch wir sehen da eine Ungleichbehandlung und wollen deshalb, dass alle Altersgrenzen gleichermaßen und im gleichen Tempo angehoben werden. Statt nur eine Altersgrenze anzuheben, die unterm Strich 15 % aller Rentenzugänge betrifft, brauchen wir ein Gesamtkonzept, wie es die Rürup-Kommission vorgelegt hat.

Haben Sie eine Ahnung, warum die Bundesregierung Frauen und Schwerbehinderte günstiger behandelt?

Dafür gibt es offenbar politische Gründe.

Die Fragen stellte Heinz Schmitz.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%