Nachgefragt
Pütter: "Die Heuschreckendebatte hat nationalistische Untertöne"

Das Handelsblatt spricht mit Thomas Pütter über die "Heuschreckendebatte". Pütter ist Vorsitzender der Geschäftsführung bei Allianz Capital Partners.

Handelsblatt: Herr Pütter, Finanzinvestoren hat SPD-Chef Franz Müntefering mit "Heuschrecken" verglichen. Fühlen Sie sich angegriffen?

Pütter: Nein - ich bin mir meiner Verantwortung bei Investitionen sehr bewusst. Ich bin mir sicher, die Mitglieder im BVK ebenso. Im übrigen hat Herr Müntefering eine Diskussion angestoßen, die für flache Polemik viel zu wichtig ist. Die Debatte zeigt, wie wenig der Öffentlichkeit über die Arbeit, die Methoden und die Ziele von Private Equity Investoren bekannt ist. Die Frage ist doch: Warum hat Private Equity in Deutschland so an Bedeutung gewonnen, dass es politisch sogar als gefährlich angesehen werden kann? Wer die Gründe kennt, versteht auch die Wurzeln dieses Konfliktes leichter.

und die wären?

Deutschland durchläuft derzeit einen tiefgreifenden Veränderungsprozess. Das betrifft deutsche Unternehmen, die unter globalem Wettbewerbsdruck bestehen wollen, ebenso wie die massiv belasteten sozialen Sicherungssysteme und eine ganze Reihe anderer Bereiche - etwa das deutsche Bildungssystem. Große Veränderungsprozesse rufen immer Private Equity Investoren auf den Plan. Zur Gestaltung des Wandels braucht man Geld. In diesem Sinne spielen Private Equity Investoren eine wichtige volkswirtschaftliche Rolle.

... aber muss sich die Beteiligungsbranche nicht auch fragen, ob Sie durch ihre Verschlossenheit solche Vorwürfe provoziert?

Das ist schon richtig. Wir werden intensive Aufklärungsarbeit leisten müssen. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe, weil Private Equity Aktivitäten sehr breit gefächert sind. Die Methoden und Ziele können sich vom Venture Capital bis zu großen Buy-out Transaktionen beträchtlich unterscheiden. Wir brauchen in Deutschland auch mehr Verständnis dafür, dass Private Equity Investoren bereit sind, hohe Risiken einzugehen.

Ihre Geldgeber - Stiftungen und Pensionskassen - bekommen alle Informationen über die gekauften Unternehmen und die Renditen. Die Öffentlichkeit sieht dagegen nur Bruchstücke. Ist das noch zeitgemäß?

Ich meine, dass Geldgeber sehr wohl ein Anrecht haben, ihre Erfolge und Misserfolge in einem Umfeld der nicht börsennotierten Unternehmen unter Wahrung ihrer Privatsphäre abzuhandeln. Gerade in Deutschland, wo wir Datenschutz sehr groß schreiben, müsste dies verständlich sein. Den Geldgebern selber obliegt es, ihre Informationspolitik zu ändern. Aber das kann nicht Aufgabe der Private Equity Manager sein.

Transparenz und Corporate Governance werden heute großgeschrieben. Wie lange können Sie die Verschwiegenheit noch durchhalten?

Wir haben verstanden, wie wichtig Öffentlichkeitsarbeit für uns ist. Transparenz ist wichtig, aber damit allein können wir die aktuellen Probleme nicht lösen. Was an der aktuellen Debatte über "Heuschrecken" beunruhigt, sind ihre nationalistischen Untertöne. Derzeit werden nur Namen ausländischer Private Equity Häuser als negative Beispiele in die Diskussion gebracht. Hier müssen wir aufpassen. Wir sind als deutsche Private Equity Investoren in anderen Ländern sehr willkommen. Warum sollte im Gegenzug nicht ein britischer oder amerikanischer Investor für einen deutschen Mittelständler hervorragende Perspektiven bieten?

... aber durch Ihre Zurückhaltung provozieren Sie doch Spekulationen über Traumrenditen von 30 bis 60 Prozent bei den Deals. Auch über die Einkünfte der Private Equity Manager wird immer mehr diskutiert?

Sicher, unsere Branche hat ihre Mythen. Aber das Gordon Gekko Image hält einer nüchternen Betrachtung nicht stand. Bei den Renditen sollte man sich das ganze Portfolio eines Fonds oder einer Gesellschaft anschauen. Und dann ist eine durchschnittliche Rendite von 12-15% Prozent, die über einen größeren Zeitraum für die Fondsanleger dauerhaft erwirtschaftet wird, ein sehr gutes Ergebnis. Das gleiche gilt in der Gehaltsdiskussion: Es gibt, wie in allen Branchen, höchst erfolgreiche Manager mit hohen Gehältern. Typisch für die gesamte Branche sind sie sicherlich nicht.

Arbeitslosigkeit ist das derzeit heißeste Thema. Schaffen oder vernichten die Finanzinvestoren Arbeitsplätze in Deutschland?

Selbstverständlich schaffen Private Equity Investitionen Arbeitsplätze. Davon scheint auch die Bundesregierung überzeugt zu sein. Denn sie hat in den vergangenen zwei Jahren die Rahmenbedingungen für Private Equity Gesellschaften deutlich verbessert. Zudem unterstützt sie Private Equity Investitionen mit einer Reihe von Förderprogrammen, wie z.B. den den ERP/EIF-Dachfonds, den sie letztes Jahr initiiert hat oder den ERP/Startfonds, den es seit November 2004 gibt.. Den Private Equity Gesellschaften in Deutschland stehen insgesamt 25 Mrd. Euro für neue Investitionen zur Verfügung. Hier kann es in den nächsten Jahren noch starke Impulse geben.

Worin liegt der volkswirtschaftliche Nutzen der Transaktionen?

Die Zahlen sprechen doch für sich: Die Gesellschaften des BVK sind aktuell mit über 20 Mrd. Euro in über 5.500 zum größten Teil kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland beteiligt. In diesen Unternehmen arbeiten 638.000 Mitarbeiter. Zusammen erwirtschafteten sie einen Jahresumsatz von 114 Mrd. Euro. Das entspricht 5,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Und der Vergleich mit anderen europäischen Ländern zeigt, dass wir in Deutschland bei Private Equity Investitionen durchaus noch großes Potenzial haben.

.... aber das haben Sie erst in jüngerer Zeit entdeckt. War die Öffentlichkeitsarbeit lange Zeit zu sehr auf Rendite und Betriebswirtschaft ausgerichtet?

Sie sollten nicht vergessen, dass das öffentliche Interesse an Private Equity ein noch verhältnismäßig junges Phänomen ist. Es ist noch nicht lange her, da interessierten sich vor allem Institutionelle Investoren für Private Equity Fonds. Im Dialog mit diesen Geldgebern geht es naturgemäß vor allem um Zahlen und Fakten. Allerdings nicht nur: Gerade die großen angelsächsischen Investoren, etwa Pensionsfonds, setzen sehr klare ethische Vorgaben für die Partner, mit denen sie zusammenarbeiten.

Die Branche war gerade dabei, das Image der "Geierfonds" abzulegen. Müssen Sie jetzt wieder von vorne anfangen?

Das glaube ich nicht. Sicher - es wäre besser, wenn die Diskussion sachlicher geführt würde. Aber das gewachsene Interesse bietet auch Chancen. Wenn es uns gelingt, mehr Verständnis für unsere Arbeit und unseren volkswirtschaftlichen Beitrag zu schaffen, wäre dies zum Vorteil der gesamten Branche.

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