Nachgefragt: Thomas Bauer
„Eine längere Arbeitszeit ist akzeptabel“

Im Interview erklärt Thomas Bauer. Vorstandsmitglied der RWI, dass die Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit ohne Lohnausgleich ist ein attraktives Mittel, die Kosten zu senken.Allerdings gibt es seiner Meinung nach Grenzen: Niemand will zurück zur 60- Stunden-Woche

Handelsblatt: Siemens hat gedroht, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern, sollte die wöchentliche Arbeitszeit nicht erhöht werden. War die Drohung ernst zu nehmen?

Thomas Bauer: Diese Drohung musste man ernst nehmen. Weil die Transportkosten durch den technischen Fortschritt – vor allem in der Informationstechnologie – deutlich gesunken sind, ist die Verlagerung von Produktionsstandorten ins Ausland relativ einfach möglich. Zumal es insbesondere in Osteuropa viele gut qualifizierte Arbeitnehmer gibt. Außerdem sind Unternehmen wie Siemens einem stetig wachsenden internationalen Konkurrenzdruck ausgesetzt. Sie müssen die Kosten senken, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Ist die Verlängerung der Arbeitszeit die richtige Strategie?

Die Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit ohne Lohnausgleich ist ein attraktives Mittel, die Kosten zu senken. Denn Reallohnkürzungen sind in Deutschland nicht durchzusetzen. Für die Arbeitnehmer hat diese Strategie den Vorteil, dass ihre monatlichen Einkommen nicht sinken. Eine längere Arbeitszeit ist auch akzeptabel, denn in Deutschland wird im internationalen Vergleich mit am wenigsten gearbeitet. Allerdings gibt es Grenzen: Niemand will zurück zur 60- Stunden-Woche. Eine wöchentliche Arbeitszeit über 40 Stunden dürfte allerdings realistisch sein.

Gibt es Alternativen zur Verlängerung der Arbeitszeit?

Die Arbeitszeit kann flexibler gestaltet werden, beispielsweise mit Jahresarbeitszeitkonten. So können die Kapazitäten in Boomzeiten besser ausgelastet werden. Außerdem müssen dann weniger Überstunden bezahlt werden.

Droht bei einer Verlängerung der Arbeitszeit steigende Arbeitslosigkeit?

Nein. Das Beispiel Frankreich, wo die 35-Stunden-Woche keinen Erfolg gebracht hat, aber auch empirische Studien belegen, dass die Verkürzung der Arbeitszeit nicht hilft. Umgekehrt könnte die Verlängerung positive Beschäftigungseffekte haben. Denn längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich führen zu sinkenden Löhnen und damit tendenziell zu höherer Nachfrage nach Arbeit.

Es gibt mehr Arbeit, aber zu geringeren Löhnen?

Ja. Wir müssen uns damit abfinden, dass Lohnsteigerungen im Zuge der Globalisierung immer schwieriger durchzusetzen sind.

Die Fragen stellte Petra Schwarz.

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