Nachgefragt
Worcester: „Bislang nur symbolische Akte“

Das Handelsblatt spricht mit Maxim Worcester über Korruption in Deutschland. Worcester ist Deutschlandchef von Control Risks, einem Spezialisten für Sicherheitsfragen in Konzernen.

Warum kommen gerade jetzt so viele Korruptionsfälle ans Tageslicht?

Es ist wohl eher Zufall. Teilweise haben die Ermittlungen schon vor Monaten begonnen. Der VW-Fall war in Finanzkreisen schon im Januar bekannt. Möglicherweise ist die Häufung aber auch darauf zurückzuführen, dass die aufrückende Managergeneration Korruption nicht mehr als Kavaliersdelikt betrachtet, sondern als ernste Bedrohung für das Unternehmen. Aber selbst die aktuellen Fälle sind nur die Spitze eines sehr großen Eisbergs. Korruption ist in deutschen Unternehmen ein weit verbreitetes Phänomen, das jährlich Schäden im dreistelligen Milliardenbereich verursacht.

Wie steht die deutsche Wirtschaft im internationalen Vergleich da, wenn es um Korruptionsbekämpfung geht?

Deutschland hat da akuten Nachholbedarf. Viele Unternehmen haben sich zwar zur Bekämpfung von Korruption verpflichtet. Ohne eine Verstärkung der internen Kontrollmechanismen bleiben dies jedoch folgenlose, symbolische Akte.

Wie ließe sich das ändern?

Durch den verstärkten Einsatz forensischer Buchprüfung beispielsweise, die mehr beleuchtet als die Frage: War die Person befugt, das Geld auszugeben? Eine forensische Buchprüfung schließt auch die Untersuchung solcher Fragen ein: Ist das Geld wirklich geflossen? Waren bei dem Ereignis, das hier abgerechnet wird, auch die angegebenen Personen dabei? In sensiblen Unternehmensbereichen könnte man eine Jobrotation einführen, um den Aufbau von Seilschaften zu erschweren. Bislang fehlen zudem in vielen Firmen Ombudsleute und mit ihnen eine Möglichkeit für Mitarbeiter, Verdachtsfälle vertraulich zu melden.

Verstärken die aktuellen Fälle die Nachfrage nach Korruptionsprävention und Aufklärung?

Die Zahl der Fälle, wo wir zu Korruptionsermittlung gerufen werden, steigt kontinuierlich, aber das hat nichts mit den aktuellen Skandalen zu tun. Meist fallen den Unternehmen immer zum Jahresende Unregelmäßigkeiten auf. Sie ergeben sich häufig durch das Vordringen der Unternehmen in Risiko-Länder auf der Suche nach neuen Absatzmärkten. Was dagegen leider immer noch auf niedrigem Niveau stagniert, ist die Korruptionsprävention.

Die Fragen stellte Katharina Slodczyk.

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