Nachgefragt
Zimmermann: "Wegziehen, wenn es keine Arbeit gibt"

Das Handelsblatt spricht mit Klaus Zimmermann über die Möglichkeiten der Politik, die Arbeitslosigkeit zu senken. Zimmermann ist Präsident des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) sowie des DIW.

Der Arbeitsmarkt in Deutschland ist zweigeteilt: Eine hohe Arbeitslosenquote im Osten, eine deutlich niedrigere im Süden. Was kann eine unionsgeführte Regierung daran ändern?

Sie müsste sich zunächst darauf konzentrieren, die Arbeitslosigkeit insgesamt drastisch zu senken – das Problem der ungleichen regionalen Verteilung der Arbeitslosigkeit ist zweitrangig.

Meinen Sie, die Menschen in den betroffenen Regionen teilen Ihre Meinung?

Sie können ja umziehen. Ein großes Problem der Deutschen ist doch, dass sie aus Heimatverbundenheit oder wegen regionaler Vorzüge wie einer herrlichen Natur nicht wegziehen wollen, obwohl die Arbeitslosigkeit hoch ist und die Löhne niedrig sind. Der Bayerische Wald oder Ostfriesland bieten solche Beispiele.

In Ostdeutschland trifft das nicht unbedingt zu – die Abwanderungsraten sind hoch.

Das ist doch sehr zu begrüßen – dass Menschen aus Regionen wegziehen, in denen es zu wenig Arbeitsplätze gibt. Einige Regionen wie Leipzig oder Dresden bilden erfolgreiche Ausnahmen. Sie sollten weiter gestärkt werden. Das Prinzip Gießkanne funktioniert nicht. Es ist deutlich zu viel verlangt vom Staat, in jedem Dorf für gleich gute Lebensverhältnisse zu sorgen.

Die Politik ist machtlos gegen die hohe Arbeitslosigkeit?

Nein. Sie kann beispielsweise die verkrusteten Strukturen der Bundesagentur für Arbeit zerschlagen. Da müsste sich jede Regierung rantrauen – einer konservativen traue ich aber eine radikalere Zerschlagung eher zu, besonders, wenn die FDP dabei wäre.

Vorrangiges Ziel muss aber doch sein, neue Stellen zu schaffen. Wie kann das gelingen?

Ein höheres Wirtschaftswachstum ist das A und O. Das – da sind wir wieder am Anfang – wird die starken Regionen stärken, die schwachen relativ schwächen. Aber so ist es nun mal.

Die Fragen stellte Dorit Heß.

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