Nachlassende Bereitschaft

Betriebe flüchten aus der Ausbildung

Trotz Fachkräftemangel werden immer weniger Ausbildungsverträge geschlossen. Nur noch jeder fünfte Betrieb bildet aus, steht in dem noch unveröffentlichten Berufsbildungsbericht. Auch die Zahl der Lehrstellen sank.
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Auszubildender bei der Arbeit – hier bei BMW in München. Quelle: dpa

Auszubildender bei der Arbeit – hier bei BMW in München.

(Foto: dpa)

Berlin2012 haben die Betriebe in Deutschland nur noch 551.272 Ausbildungsverträge geschlossen, das waren 2,2 Prozent weniger als 2011. Das geht aus dem noch unveröffentlichten Berufsbildungsbericht hervor, der dem Handelsblatt (Dienstagausgabe) vorliegt. Auch die Zahl der angebotenen Lehrstellen sank um 2,4 Prozent auf 584.547. Für 2013 prognostiziert das Bildungsministerium, das den Bericht erstellt hat, einen weiteren Rückgang um gut drei Prozent. Es ruft die Unternehmen dringend auf, Lehrstellen zu besetzen und so „ihren Fachkräftebedarf zu sichern“.

Zugleich ist die Quote der Unternehmen, die überhaupt noch ausbilden, weiter auf 21,7 Prozent gesunken – der niedrigste Stand seit 1999. Dabei müsste die Wirtschaft dringend in die Nachwuchsausbildung investieren, mahnt der Berufsbildungsbericht. Denn bis 2025 wird die Zahl der Schulabgänger kontinuierlich um rund 156. 000 auf dann 725.000 Absolventen sinken.

Die Folge des demografischen Wandels und der nachlassenden Ausbildungsbereitschaft: 2030 fehlt nach Prognosen des Bundesinstituts für Berufsbildung eine Million Fachkräfte mit beruflicher Ausbildung.

Gut 33.000 Lehrstellen blieben 2012 laut Bundesagentur für Arbeit (BA) unbesetzt, rund zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Im laufenden Jahr sollte es eigentlich besser werden, weil die Zahl der Schulabgänger ohne Studienberechtigung – also der typischen Kandidaten für eine Lehre – erstmals seit 2001 wieder um 17.000 auf 552.000 zulegen wird. Die Unternehmen sollten deshalb ihre Anstrengungen intensivieren, „um alle Potenziale für die duale Berufsausbildung zu nutzen“, heißt es im Entwurf des Berufsbildungsberichts.

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42 Kommentare zu "Nachlassende Bereitschaft: Betriebe flüchten aus der Ausbildung"

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  • natürlich lernen die in DE nur max. 1 Dutzend Berufe. Die Berufsorientierung deutscher Art ist auch grottig schlecht.

    ich finde die Beurfsorientierung in vielen Highschoolländern bedeutend besser. Neuseeland bietet in seinen Oberstufen 60 verschiedene Kurse an, egal ob Holztechnik, Engineering, Chemie, Latein, Hauswirtschaft, landbased studies etc... DAS ist Berufsorientierung. Man sucht sich seine Abiturfächer dort dann selber aus. Man kann schon ein IT certificat machen, dass teilweise für Hochschulen angerechnet wird. Man kooperiert mit Colleges und kann auch da schon Punkte mitnehmen. Sowas ist in meinen Augen Berufsorientierung.

    in meiner damaligen Schule hingegen war die so: Da es eine Realschule war, wurden alle Studienberufe schon mal komplett ausgeklammert. Dann hat man ein Praktikum gemacht 2 Wochen in einem einzigen Beruf den man aus der ARGE Mappe rausgesucht hat. Es waren immer 10 -12 Standardberufe. Dann war es vorbei und alle waren genauso schlau wie vorher.

    Was aber gefehlt hat war sich vollkommen auszuprobieren in allen möglichen Bereichen, wie man es an den Highschools in Kanada oder Neuseeland macht. Das Bildungsprogramm in Haupt- und Realschulen ist auch einseitig und ziemlich beschränkt. Viel zu früh in bestimmte Berufe kanalisierend.

    in vielen Hauptschulen lernt man nichts anderes als Beruf: Lockenwickler eindrehen, Verkaufen, Handwerk....

    wenn ich immer nur auf 5-10 Berufe dressiert werde, muss ich mich doch nich wundern, wenn nachher auch nur 5-10 Berufe gelernt werden.

    Retrospektiv betrachtet hätte ich wahrscheinlich in einer neuseeländischen Highschool aus den 60 Kursen ganz andere Dinge gewählt und nachher eine ganz andere Sache gelernt als den Mist den ich gelernt hab.

    zumindest hätte ich da Sachen wie landbased studies gewählt und classical studies (in DE nur für Gymnasiasten)

    Stattdessen gab es in DE ein nur äußerst mickriges und horizontbeschränkendes Angebot. Null Wahlfreiheit.

  • sollen die etwa gar keine Theorie mehr lernen? Suchen sie nicht viel mehr nur billige Arbeitskräfte zum Werkstattfegen wie so viele Firmen in DE, die auf Halde Azubis ausbilden??

    außerdem gibt es oft nur einen Berufsschultag in der Woche, maximal 2 und in vielen Ausbildungen hat man die Inhalte noch weiter enttheoretisiert und entkernt. Allgemeinbildende Inhalte muss man oft mit der Lupe suchen.

    und wenn der dann nachher arbeitslos wird, hat er nur noch den Betrieb von innen gesehen, kennt nur betriebsspezifisches Wissen und darüber hinaus dann gar nichts mehr?

  • Das ändert doch nichts daran, dass DE nunmal viele Jugendliche nur noch mit Migrationshintergrund hat. In den Großstädten werden bald 60 bis 70% einen Migrationshintergrund haben. Man muss den ausbilden, der da ist. Vielleicht hat man in DE Hemmungen und will diese Jugendlichen nicht qualifizieren.

    Dann sollte man aber - anstatt diese ungelernt zu lassen - eine Ausbildungsabgabe flächendeckend einführen und schulische alternativen anbieten. So machen es die Nachbarn auch.

    Selbst Österreich hat mit ein alternatives Schulisches System, weil immer weniger Betriebe ausbilden wollten. Dort kann man bei Interesse auch immer einen weiteren Schulabschluss machen. alternativ gibts auch weiterhin eine Lehre mit Abituroption. Solche Wahlfreiheit sollte es überall geben. Besser als ein Übergangssystem, wo man oft nur den alten Schulabschluss "verbessert", aber sonst nichts weiter mitkriegt oft genug.

    aus der Not heraus macht NRW das bereits etwas großflächiger. Man sollte aber die Wirtschaft beteiligen an den Kosten: Frankreich und DK machen es ja auch so. Besser als 18% Ungelernte, wie es in Niedersachsen momentan ist.

  • selbst Krankenpflegeschulen haben seit den 199ern nicht nur Personal abgebaut und Arbeit verdichtet, sondern sogar Ausbildungsplätze abgebaut. Wegen dem Renditedruck.

    es wurden Ausbildungsmöglichkeiten reduziert. In manchen Bundesländern hat man für den Bereich altenpflege jetzt eine Ausbildungsabgabe und übernimmt das Schulgeld. Diese Studenten müssen in vielen Bundesländern Studiengebühren bezahlen.



  • in slesvig-Holstein ist zwischen 2003 und 2008 zumindest jede 5. Stelle für Ungelernte verloren gegangen, jede 11. für Personen mit Berufsausbildung, hingegen stieg der Anteil an Personen mit höherer Ausbildung (Meister, Fachwirt, Techniker, Akademiker) um 18%. Insgesamt wuchs die Beschäftigung kaum.

    auch die Bundeswehr hier behauptet, sie benötigt wegen steigender Ansprüche besser ausgebildete Personen. Ich kann natürlich nicht beurteilen, ob das stimmt. Aber durch technischen Fortschritt sind in gewisser Weise oft höhere Qualifikationen erforderlich.

    Die Gesellschaft hat schon eine zunehmende Komplexität, viele technische Geräte auch, oder der Bürokratismus der förmlich explodiert. Berufe entwickeln sich auch weiter und Ansprüche verändern sich.

  • viele Bekannte von mir die Krankenschwestern sind, machen gerade zum 2. Mal ihre Sekundarstufe II am Abendgymnasium oder haben sie schon hinter sich. Beide wollen danach studieren: Biologie, Agrarwissenschaften, Geographie etc...

    Was daran nur das Problem ist: mit ihrem alten Beruf sind die Berufsaussichten eigentlich viel besser als mit dem Studium. Außerdem fehlen nachher gute Krankenschwestern.

    DE muss diesen Beruf attraktiver machen. Wie im Ausland muss es dort richtige Karriereoptionen geben und mehr Studiengänge. In vielen Gegenden fehlen die. Und auch im Einkommen muss sich das dann wieder spiegeln. Man kann in vielen ländern damit eine richtige Karriere machen.

    in DE gibt es bei meiner Bekannten in einer norddeutschen Uni pro Jahr gerade mal 10 Leute, die eine Weiterbildung angeboten bekommen. Das wäre durchaus ausbaufähig.

    wenn man die Berufe attraktiver macht, dann verliert man die Leute. Bei Biologen ist die Arbeitslosigkeit bei ca. 12%.

    das andere muss attraktiver werden, auch weil viele verhinderte Medizinstudentinnen diesen Beruf schon als Alternative ergreifen.

  • Was findet der angeblich nicht??? eine Bekannte von mir wurde Anfang der 2000er Jahre über Bedarf ausgebildet, nach einigen Kettenarbeitsverträgen direkt für die Arbeitslosigkeit. Dort hat man mehr ausgebildet als benötigt, weil die Wirtschaft zu wenig anbieten.

    das ist in vielen Gegenden auch heute noch so. Nur der gehobene Dienst wird bedarfsgerecht ausgebildet. Die anderen als Überschuss, weil es sonst nicht genug Plätze gibt aus "sozialen Gründen".

    Hätte man diese Ausbildung über Bedarf nicht angeboten hätte sie als Alternative Erzieherin gelernt und damit wesentlich bessere chancen heutzutage gehabt.

    leider hat sie nur noch Minijobs mit ihrem Büroberuf gefunden, aber nie wieder in dieser ländlichen Gegend eine qualifizierte Stelle für ihre Ausbildung.
    Wieso braucht man für Minijobs in DE mittlerweile 3 Jahre Ausbildung?

  • Es kann doch nicht sein, dass es nur noch faule und dumme Menschen ausserhalb dieser kleinen Diskussionsrunde gibt. Aber früher, ja früher, da waren die Azubis 14 oder 15 Jahre alt, also auch keine erwachsene Menschen und die hatten 8 Jahre Volksschule mit Rohrstock hinter sich. Konnten die wirklich soviel mehr als 75 % der Schulabgänger heute. Nee, nee, wir haben die Attraktivität der dualen Ausbildung durch den Hochschulwahn beschädigt, die Anforderungen in den hochgepuschten Ausbildungsberufen können junge Menschen zum Teil nur überfordern, andererseits gibt es ganze Branchen, die nur von Azubis leben (Frisör und Malerhandwerk z. B.)und die bilden auch deutlich über Bedarf aus!!!! Meine These: ja es fehlen Fachkräfte, allerding nur solche die sich mit schlechten Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhnen zufrieden geben. Und der Rückzug der Betriebe aus der Ausbildung folgt rein beriebswirtschaftlichen Überlegungen und die sind, wie vieles heute, nur kurzfristig (manchmal nur quartalsweise) ausgerichtet.

  • "Die SMS-Generation der angehenden Abiturienten (11. Klasse) kann nicht mehr richtig Deutsch, sowohl was die Sprache anbelangt, von Schriftlich will man gar nicht erst anfangen. Bei den Hauptschülern ist es nachgerade katastrophal, zumal dort der Migrantenanteil exorbitant hoch ist - selbst in unserer Kleinstadt auf dem Land liegt er bei 60%. Da bekomme ich dann bei so einer Veranstaltung fiktive Bewerbungsschreiben in die Hand, bei denen im Feld "Hobbys" nur ein Wort steht, nämlich "Endi". Auf Nachfrage, was DAS denn sei, sagte der Kandidat "Spille auf die Endi" (Spiele spielen auf dem Handy). Da fällt mir dann leider nichts mehr ein."
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    Mir fällt dazu auch nichts mehr ein! Ihre Beobachtungen entsprechen exakt den meinen: Dreisatz ist schon unverständliche, höhere Mathematik und die "Sprache" erschöpft sich in Stammel- und Grunzlauten. Von Hochdeutsch in geschliffener Ausdrucksweise ohne ständiges "äh" inkl. finitem Verb kann man da nur noch träumen.
    Armes Deutschland, denn mit dererlei Bildungsverweigerern ist kein Staat zu machen. Tatsache ist, daß roundabout ein 1/3 der Jugendlichen schlicht nicht ausbildungsfähig ist. Ich habe während meiner Dissertation selber Studenten ausgebildet: Praktikumsberichte mit 20...30 groben Rechtschreibfehlern (also nicht etwa Flüchtigkeitsfehler oder Buchstabendreher) auf einer DIN A4 Seite waren normal. Und das will einmal unsere zukünftige Elite sein? Was aus den Hauptschulen quillt, ist ohnehin nur noch unbeschreiblich. Wenn ich dann daran denke, daß die GrünSozialisten mit ihren Inklusionsphantasien die Bildung noch weiter nach unten nivellieren wollen, damit sich nur ja keine Bildungseliten herauskristallisieren, dann wird mir ganz anders. (Natürlich gehen die Spößlinge dieser GrünSozis auf die besten Schulen!)
    Übrigens, als Erfahrung aus meinem pers. Umfeld: Mit dem, was man in (m)einem grünrot regierten Bundesland Abitur nennt, wären zu meiner Zeit (70er) ganze Klassen durchgefallen!

  • Aha, die Anforderungen an Schüler sind also gesunken? Komisch. Ich habe mein Abitur in 13 Jahren machen können. Die Inhalte meines Abiturs waren aber nachweisbar weit über dem, welches meine Eltern machen durften. Ich durfte im 3-Dimensionalen Raum Kugeln herum rollen lassen und in Physik mich mit Beugungsphänomenen und Schwingkreisen beschäftigen. Nun, Jahre später, dürfen die Abiturienten sich in 12 Jahren durch den fast gleichen Stoff quälen. Was Sie hier verzapfen ist tiefstes Stammtischniveau. Die Schüler sind heute weitaus pflichtbewusster und leistungsbereiter.

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