Nachwahl
Dresdner Sieg könnte CDU schaden

Wenige Tage vor der Nachwahl in Dresden sind erneut Diskussionen über die möglichen Auswirkungen auf das Gesamtergebnis entbrannt. Denn in der sächsischen Hauptstadt könnte ein Kuriosum stattfinden: Erhält die CDU zu viele Stimmen, verlöre sie ein Überhangmandat und damit einen Sitz im Bundestag.

HB DRESDEN. Mit Spannung warten die beiden großen Volksparteien auf das Votum der mehr als 219 000 Wähler am kommenden Sonntag. Ohne das Ergebnis im Wahlkreis 160 - Dresden I haben CDU/CSU im Bundestag 225 Sitze, die SPD 222. Erreicht die CDU mehr Stimmen als die SPD, würde das zusätzlich die Argumente der Union für die Führerschaft in einem Bündnis mit der SPD stützen. Gelänge der SPD ein spürbarer Vorsprung, würden die Sozialdemokraten dies wiederrum als eine Art Plebiszit gegen die Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel werten.

Gleichzeitig könnte die CDU bei hoher Zustimmung auch zum Verlierer werden. Erreicht die Partei in Dresden mehr als 41 226 Zweitstimmen, verlöre sie ein Überhangmandat und damit einen Sitz im Bundestag. Dies könnte dazu führen, dass CDU-Gegner den Christdemokraten ihre Zweitstimme geben, um der Partei zu schaden. Interessant ist auch eine andere Theorie: Die CDU verliert das vor drei Jahren gewonnene Direktmandat und die SPD erreicht bei einer Wahlbeteiligung von exakt 100 Prozent 91 Prozent der Stimmen. Dann käme es als Konsequenz zu einem Stimmenpatt im Bundestag. Das es dazu kommt, ist jedoch äußerst unwahrscheinlich.

Unabhängig von diesen hypothetischen Zahlenspielereien haben alle Parteien noch einmal kräftig zum Wahlkampf geblasen. Am Freitagnachmittag könnten sich dabei die beiden Anwärter auf das Amt des Bundeskanzlers in der Stadt direkt begegnen: Während Merkel auf einer CDU-Kundgebung im Stadtzentrum sprechen wird, sind Kanzler Gerhard Schröder und SPD-Chef Franz Müntefering bei einem SPD - Familienfest am Elbufer.

Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet

Einer Umfrage zufolge lag die Union eine Woche vor der Nachwahl hauchdünn vor der SPD - sowohl bei den Erst-, als auch bei den Zweitstimmen. CDU-Kandidat Andreas Lämmel hat unterdessen Unterstützung durch die FDP. Die Wähler sollten mit ihrer Erststimme den CDU-Kandidaten unterstützen, die Zweitstimme aber der FDP geben, heißt die Parole. Bei der Bundestagswahl 2002 lieferten sich im Wahlkreis Dresden I CDU und SPD ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die CDU (33,8 Prozent) holte damals vor der SPD (31,3) das Direktmandat, die SPD konnte mehr Zweitstimmen (32,9) als die Union (30,5) verbuchen.

Die Grünen hingegen konnten sich nicht durchringen, ihre Anhänger offiziell zur Unterstützung der über die Landesliste abgesicherten SPD-Frau Marlies Volkmer aufzurufen. Verklausuliert heißt es, Grünen - Wähler seien schlau und könnten selbst beurteilen, ob Volkmer in einer Großen Koalition in Berlin "die Erfolge der rot- grünen Zusammenarbeit der letzten Jahre verteidigen wird".

An einsamer Front um Platz drei kämpft dagegen Katja Kipping von der Linkspartei, deren Bundestagssitz allerdings über liste schon garantiert ist. Die anderen Bewerber dürften keine große Rolle spielen. Einzig interessant ist noch das Abschneiden der rechtsextremen NPD, die mit Ex-Republikanerchef Franz Schönhuber ins Rennen geht. Die NPD hatte am 18. September in Sachsen 4,9 Prozent und damit deutlich mehr als in anderen Bundesländern erhalten. Der Tod ihrer eigentlichen Direktkandidatin hatte die Nachwahl erst nötig gemacht.

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