Nächtliche Polizeiaktion
Räumen für den Castor

Trotz mehrerer Aufrufe, die Räumung der Gleise nicht in der Dunkelheit vorzunehmen, handelt jetzt die Polizei: Demonstranten werden von den Gleisen getragen. Damit soll der Weg für den Castor-Transport ins Endlager nach Gorleben freigemacht werden.
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HB HITZACKER. Die Polizei will eine Weiterfahrt des Castor-Transports in Niedersachsen durchsetzen und hat dafür in der Nacht zu Montag mit der Räumung der Sitzblockade von rund 2.000 Atomkraftgegnern bei Harlingen nahe Hitzacker begonnen. Die Räumung der Strecke sei gegen 01.40 Uhr begonnen worden, sagte ein Sprecher der Einsatzleitung der Polizei der Nachrichtenagentur dapd. Zuvor hatten Vertreter mehrerer Initiativen noch dazu aufgerufen, die Blockade nicht während der Dunkelheit zu räumen.

Zunächst forderte die Polizei die Demonstranten mehrmals auf, die Schienen zu verlassen. Von den Organisatoren kam dagegen der Aufruf "Sitzenbleiben!". Nur wenige leisteten der Polizeiaufforderung Folge. Daraufhin fingen die Beamten an, die Demonstranten von den Schienen zu tragen. Am Rande des Gleisbettes wurden sie dann zu abgesperrten Gebieten begleitet.

Unterdessen forderte Sprecher der Anti-Atom-Organisation "ausgestrahlt", Jochen Stay, Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) auf, noch am Montag ins Wendland zu kommen und gemeinsam nach einem Auswege aus der "buchstäblich festgefahrenen Situation" zu suchen. "Der Castor-Transport steckt fest, weil Tausende von Bürgerinnen und Bürgern bei Minusgraden mit gewaltfreien Sitzblockaden die Strecke besetzt halten", betonte Stay. Die Situation lasse sich mit polizeilichen Mitteln nicht mehr lösen.

Unter Vermittlung von Kirchenvertretern war es in der Nacht zu Montag zu Gespräche zwischen der Polizei und den Castor-Blockierern gekommen. Der Sprecher der Bürgerinitiative (BI) Lüchow-Dannenberg, Wolfgang Ehmke, sagte, man habe einen solchen Runden Tisch vorgeschlagen, um einen "exzessiven Einsatz von Polizeigewalt zu vermeiden". Jens Maggerl von der Initiative "Widersetzen" hatte zuvor betont: "Wir sind unräumbar!"

Während die Räumaktion in der Nacht zu Montag bei Harlingen friedlich anlief, war es am Sonntag vor der schwierigsten Etappe des Castor-Transports ins niedersächsische Atommülllager Gorleben zu massiven Ausschreitungen gekommen. Die Polizei ging mit teils berittenen Beamten sowie Schlagstöcken, Wasserwerfern und Reizgas gegen zeitweise mehrere tausend Demonstranten vor, die immer wieder versuchten, die Bahnstrecke von Lüneburg zum Verladebahnhof in Dannenberg zu besetzen und den Schotter aus dem Gleisbett zu räumen. Einige Demonstranten warfen Feuerwerkskörper, Stöcke und Erdklumpen auf die Polizei und setzten einen Polizei-Räumpanzer in Brand.

Der Castor-Transport war am Freitag im französischen La Hague mit 123 Tonnen hochradioaktivem Atommüll gestartet und sollte am Montag im Atom-Zwischenlager Gorleben ankommen. Am Sonntagnachmittag hatte sich der Zug gegen 18 Uhr auf die letzten 50 Kilometer Bahnstrecke gemacht. Zwei Stunden später musste er bei Dahlenburg wegen der Sitzblockade auf dem Weg zum Zielort Dannenberg einen Zwangsstopp einlegen.

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