Nahende Staatspleite
Kein deutsches Geld mehr für Griechenland

Griechenland geht wieder das Geld aus. Doch Hilfe aus Deutschland soll es nicht geben. Kanzlerin Angela Merkel lehnt weitere Finanzhilfen strikt ab. Und mehr Zeit für Reformen soll es für die Griechen auch nicht geben.
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BerlinIst dies das Ende des griechischen Schuldenwegs in der Europäischen Union? Laut einem Zeitungsbericht ist Bundeskanzlerin Angela Merkel ist einem Zeitungsbericht zufolge nicht zur Gewährung nochmaliger Finanzhilfen an Griechenland bereit. Da Athen aber wohl weitere Darlehen von bis zu 50 Milliarden Euro benötige, werde ein Bankrott des südeuropäischen Landes immer wahrscheinlicher, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Ausgabe vom Montag. Es sei undenkbar, dass Merkel noch einmal vor den Bundestag trete und um Zustimmung für ein drittes Griechenland-Paket bitte, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Berliner Regierungskreise.

Tatsächlich habe Merkel schon bei den jüngsten Parlamentsbeschlüssen zur Schuldenkrise Probleme gehabt, die Koalition weitgehend geschlossen hinter sich zu vereinen. Auf ein weiteres Mal werde sie es - gerade im Fall Griechenland - nicht ankommen lassen. Die Zeitung berichtete zudem, insgesamt seien die wichtigsten Geldgeber Griechenlands nicht mehr bereit, über die bisherigen Zusagen hinaus Kredite zur Verfügung zu stellen. Das gelte auch für den Internationalen Währungsfonds (IWF).

Auch das Magazin "Der Spiegel" hatte am Wochenende berichtet, der IWF habe bereits signalisiert, dass er sich an weiteren Griechenland-Hilfen nicht beteiligen werde. Damit werde eine Pleite Griechenlands im September wahrscheinlicher, hieß es. Im Sanierungsprogramm Griechenlands klafft der "SZ" zufolge ein Loch in zweistelliger Milliarden-Höhe, weil während des Dauer-Wahlkampfs im Frühjahr fast alle Reformvorhaben liegen geblieben seien.

Da die Regierung in Athen zudem mehr Zeit für den Umbau des Landes fordere, würden die im zweiten Hilfspaket zugesagten 130 Milliarden Euro nicht ausreichen. Athen müsse entweder - entgegen allen Wahlversprechen - noch mehr sparen oder aber die Euro-Partner müssten weitere Darlehen im Umfang von bis zu 50 Millionen Euro zur Verfügung stellen, hieß es.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat sich allerdings indirekt dagegen ausgesprochen, Griechenland mehr Zeit zur Erfüllung der vereinbarten Reformen und Sparmaßnahmen einzuräumen. "Wenn es Verzögerungen gegeben hat, muss Griechenland diese aufholen", sagte Schäuble der "Bild"-Zeitung.

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  • Bezeichnend finde ich die Formulierung, dass - offenbar einziges? - "Ziel" der griechischen Regierung eine Verlängerung der allgemeinen Verarschungsphase sein soll. Dabei wäre es für die Existenz des Landes nötig, dass das "Ziel" der Umbau des Landes für eine nachhaltige wirtschaftliche Zukunft ist. Dafür braucht es dann einen Maßnahmenkatalog und der wiederum eine Zeitachse. Wir Zahler bekommen den Eindruck, daß der Minimalkonsens in Griechenland das Spiel auf der Zeitachse ist, während sich für den zielstrebigen Umbau des Landes niemand, weder Politik noch Volk, erwärmen kann. Die Zahler sollten nun endlich die nötigen Konsequenzen ziehen - ein Ende mit Schrecken (2010 wäre es wesentlich billiger gewesen).

  • O-Ton 'spacewalker'
    -----------------------
    @rechner

    sich als Deutscher über unmoralisches und strafbares Handeln im Gesundheitswesen aufzuregen, ist gelinde gesagt, makaber!!
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    Wieso?

    Muß man sich als Deutscher alles bieten lassen?

    ***

    Abgesehen davon - ich habe mich nicht im geringsten aufgeregt.

    Sondern nur darauf hingewiesen daß der Mangel an Medikamenten in griechischen Kramkenhäusern daran liegt daß diese auf den bulgarischen Schwarzmarkt verschoben werden.

    Weshalb die Idee, daß man armen und kranken Menschen in Griechenland dadurch hilft daß man den Kleptokraten in Athen noch mehr Kohle gibt ein bißchen naiv ist.

    Vorsichtig ausgedrückt.

  • O-Ton 'spacewalker'
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    Selbstverständlich bleibt Griechenland in der Eurozone und selbstverständlich werden irgendwann in ein oder zwei Jahren Eurobonds eingeführt. Andernfalls fliegt die ganze Eurozone auseinander; mit fürchterlichen, wirtschaftlichen Folgen, vor allem für die Bundesrepublik Deutschland.
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    [...].

    Zunächstmal geht es überhaupt nicht darum, welche Währung Griechenland verwendet.

    Sondern darum, daß erstens die Hilfszahlungen aufhören und zweitens die EZB den griechischen Zombiebanken den Überziehungskredit fällig stellt.

    Ob Griechenland dann den Euro weiterverwendet oder eine eigene Währung einführt kann uns egal sein.

    Wieso es "fürchterliche, wirtschaftliche Folgen, vor allem für die Bundesrepublik Deutschland" haben soll wenn man sich den Abfluß von etwa einer Milliarde pro Monat spart ist mir unverständlich.

    Auch die dann fälligen Abschreibungen von etw 400 Milliarden Forderungen an Griechenland und griechische Wirtschftssubjekte sind durchaus beherrschbar. Denn die Griechenpleite ist inzwischen längst in die Bewertungen von Firmen eingepreist. Als im März 100 Milliarden abgeschrieben werden mußten hat das überhaupt keine "fürchterliche, wirtschaftliche Folgen" ausgelöst.

    Jeder weiß inzwischen daß Griechenland nicht daran denkt seine Schulden zurückzuzahlen. Wann der Konkursantrag gestellt wird wäre weitgehend unerheblich, wenn nicht jeder Monat Verzögerung etwa eine Milliarde zusätzlich kosten würde. Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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