Nahles, Flüchtlinge und der Arbeitsmarkt
Integration dauert viel länger als gedacht

Andrea Nahles dämpft die Euphorie: Die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen koste Zeit und Geld, sagt die Arbeitsmarktministerin. Dabei reicht ihr Zeithorizont nicht über Monate, sondern über Jahre.
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BerlinBundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hat vor zu viel Euphorie bei der Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen gewarnt. „Aus den Flüchtlingen sollen möglichst schnell Nachbarn und Kollegen werden“, sagte sie bei der Debatte über den Haushalt 2016 im Bundestag. Klar sei aber auch, dass die Aufgabe einen langen Atem erfordere und zunächst einmal Geld koste.

Um den Lebensunterhalt für Flüchtlinge zu sichern, seien ein bis zwei Milliarden Euro zusätzlich erforderlich, sagte die Ministerin. Die genaue Summe hänge davon ab, wie viele Asylbewerber tatsächlich kommen, wie viele bleiben wollen, wie viele am Ende bleiben dürfen und wie viele Familienangehörige nachziehen.

Ihr Haushalt sei aber ein wichtiger Hebel, um Integrationsleistungen stemmen zu können, erklärte Nahles. Für die aktive Förderung von Flüchtlingen veranschlagt die Arbeitsministerin zwischen 600 Millionen und 1,1 Milliarden Euro. Allein für Deutschkurse würden im kommenden Jahr 180 Millionen Euro zusätzlich gebraucht.

Klar sei aber auch, dass trotz aller Anstrengungen nicht alle Flüchtlinge sofort einen Job finden würden. „Die Menschen wollen“, sagte die SPD-Politikerin, „sie wollen lernen und sie wollen arbeiten.“ Aber erste Auswertungen des Projekts Early Intervention der Bundesagentur für Arbeit (BA) hätten gezeigt, dass nicht einmal jeder zehnte Flüchtling direkt in Arbeit oder Ausbildung vermittelt werden konnte. „Der syrische Arzt ist nicht der Normalfall“, sagte Nahles.

Deshalb sei auch klar, dass der Flüchtlingsandrang zu einem Anstieg der Arbeitslosenzahl führen werde. Sie hoffe deshalb sehr, „dass alle, die sagen, wir wollen das stemmen, sich auch in einem Jahr noch daran erinnern“. Ihr Ministerium werde auf jeden Fall alles tun, um die Arbeitsmarktintegration zu erleichtern, betonte Nahles.

So hoffe sie auf eine Verständigung mit den Ländern, bestimmte Hürden wie die Vorrangprüfung für eine Weile auszusetzen, ohne dabei die einheimischen Arbeitslosen aus dem Blick zu verlieren. Damit nicht alles über das Asylverfahren läuft, sollen bis zu 20.000 Menschen jährlich aus den Westbalkanstaaten nach Deutschland kommen dürfen, wenn sie hier einen Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag vorweisen können – natürlich zu Tarifbedingungen, wie Nahles betonte. Und dank des Mindestlohns gebe es ja ein Instrument, „um die Zuwanderung nicht in einen Wettlauf nach unten, sondern in ordentliche Arbeit münden zu lassen“. Die Arbeitsministerin stellte aber zugleich klar, dass das angestrebte Kontingent für Menschen vom Balkan für sie nur eine Übergangslösung darstellt: „Ich bin sicher, wir werden hier auch bald ein Einwanderungsgesetz beraten.“

Am Ende zeigte sich Nahles optimistisch, dass Deutschland den Flüchtlingsandrang, der das Land über Jahre beschäftigten werde, stemmen könne: „Die Aufgabe fordert, das ist klar, aber sie überfordert uns nicht.“

Kommentare zu " Nahles, Flüchtlinge und der Arbeitsmarkt: Integration dauert viel länger als gedacht"

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  • Ich frage mich nur immer wieder, welchen Grund hat diese Merkel, die IM Erika unser Land abzuschaffen?
    Wer hat ihr den Befehl erteilt? Obama?
    Denn es muß ja einen Grund geben, wenn man sein eigenes Land völlig abschafft

  • Wurde nicht gesagt, die A-Bewerber gehen nach Beendigung der Konflikte in Ihren Ländern wieder nach hause? Und helfen dort beim Aufbau Ihrer Länder (die Kriege in Serbien, Albanien und Südosteuropa sollten ja bald vorbei sein). Lohnt da so eine Integrationsanstrengung überhaupt? Na wie auch immer das geplant ist. Die Arbeitslosenzahlen werden mit Sicherheit nicht ansteigen, die Asylanten kann man doch aus humanitären Gründen herausrechnen. Dann gibt es auch keinen Ärger mit der dann autochthonten deutschen Bevölkerung.
    Siehe Wikipedia: Autochthone Völker („ursprüngliche“) sind nach einer international geltenden Definition diejenigen Bevölkerungsgruppen, die Nachkommen einer Bevölkerung sind, die vor der Eroberung, Kolonisierung eines Staates durch andere Völker in einem räumlichen Gebiet lebte.

  • Integration ist Assimilation (Zitat: Sultan Erdogan)
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    Die Einwanderer wollen sich nicht integrieren.
    Sie wollen weiterhin in ihren Parallelgesellschaften leben.
    Sie fordern ihre eigenen Moscheen, Gebetsräume in den Schulen und muslimische Feiertage.
    Die Deutschen sollen sich ihrer Kultur anpassen.

    Die Einwanderer sind alle hoch motiviert, haben einen Uni-Abschluss und sprechen mindestens zehn Sprachen (Ironie off)!

    Auf dem deutschen Arbeitsmarkt sind sie hoch begehrt - sagt Nahles (SPD).
    Sie muss es ja wissen. Sie hat noch nie einen Betrieb von innen gesehen.

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