Nahost-Konflikt
Israel zögert Beginn der Offensive hinaus

Israel will seine angekündigte erweiterte Bodenoffensive offenbar noch einige Tage auf Eis legen. Unterdessen müssen sich auf die Bewohner des libanesischen Nordens wegen des Krieges im Süden des Landes einschränken.

HB JERUSALEM/BEIRUT. Am Donnerstag verlautete aus israelischen Regierungskreisen, Ministerpräsident Ehud Olmert habe entschieden, noch zwei bis drei Tage abzuwarten, um der Diplomatie eine Chance zu geben. Kabinettsminister Rafi Eitan bestätigte dies indirekt im israelischen Rundfunk. Es gebe diplomatische Erwägungen, sagte er. Das israelische Sicherheitskabinett hatte am Vortag beschlossen, die Armee bis zum Litani-Fluss etwa 20 Kilometer von der israelisch-libanesischen Grenze entfernt vorrücken zu lassen, um den Raketenterror der Hisbollah-Miliz weitgehend einzudämmen.

Die Kämpfe im Südlibanon hielten in der Nacht zum Donnerstag an. Der israelische Armeerundfunk meldete heftige Gefechte in libanesischen Dörfern an der Grenze zu Galiläa. Mit Unterstützung von Panzern rückten israelische Soldaten in die Stadt Mardschajun vor, wie Anwohner berichteten. Anschließend hätten sie eine strategisch wichtige Position auf einem Hügel bei dem Dorf Blatt eingenommen. Die Hisbollah erklärte, im Grenzort Chiam sei es zu schweren Gefechten gekommen.

Die israelische Luftwaffe flog in der Nacht wieder zahlreiche Angriffe auf Ziele im Libanon. Binnen 24 Stunden seien 150 Angriffe geflogen worden, teilte ein Armeesprecher mit. Dabei seien vor allem Raketenwerfer und Einrichtungen der radikal- slamischen Hisbollah bombardiert worden. Die Hisbollah-Miliz feuerte am Morgen mindestens sechs Raketen auf Israel ab.

Nachtfahrverbot für Lkw in Nordlibanon

Israelische Kampfflugzeuge warfen in der Nacht zum ersten Mal Flugblätter über dem Nordlibanon ab. Darauf wurde gewarnt, dass nach 20 Uhr keine Lastwagen mehr auf den Straßen fahren dürften, wie Bewohner der Region erklärten. Mit den Lastwagen erhalte die Hisbollah Raketen und Granaten. Die Flugblätter wurden nördlich von Tripoli abgeworfen, etwa 25 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt.

Am Mittwoch waren die Kämpfe im Südlibanon für die israelischen Streitkräfte die verlustreichsten seit Beginn ihrer Offensive vor rund vier Wochen. 15 Soldaten wurden getötet, wie die Streitkräfte mitteilten. 38 weitere wurden verletzt.

Unterdessen berichtete ein israelischer Fernsehsender, unter den getöteten Hisbollah-Kämpfern im Libanon seien auch iranische Soldaten gewesen. Der Sender berief sich in seinem Bericht auf nicht näher benannte Quellen. Israel hat dem Iran wiederholt vorgeworfen, die Hisbollah auszurüsten und personell zu unterstützen. Der Iran hat dies zurückgewiesen.

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