Nahost-Reise
Wulff drängt Israel zum Stopp der Gaza-Blockade

In Israel und Palästina machte Bundespräsident Wulff Sympathiepunkte: Ministerpräsident Netanjahu sieht Deutschland im Nahostkonflikt gar in einer "Schlüsselrolle". Konkrete Erfolge erzielte er allerdings nicht - obwohl die Zeichen für eine Lösung gar nicht schlecht stehen.
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HB JERUSALEM/BETHLEHEM. Mit einem Aufruf an Israel und die Palästinenser zu mehr Kompromissbereitschaft hat Bundespräsident Christian Wulff seine erste Nahost-Reise beendet. Jetzt sei die Gelegenheit für eine tragfähige Lösung, sagte Wulff am Dienstag nach einem Gespräch mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Bethlehem. „Bei dieser Reise ist meine Überzeugung nachhaltig gewachsen, dass der Frieden möglich ist bei gutem Willen aller beteiligten Seiten“, fügte der Bundespräsident hinzu.

Trotz der seit zwei Monaten festgefahrenen Friedensgespräche versicherte Abbas seinen Willen zu einem Friedensschluss mit Israel. „Wir strecken unsere Hand zum Frieden aus“, sagte Abbas an die Adresse des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Der Konflikt müsse beendet werden. Aus Sicht von Abbas gibt es keine Alternative zu einem palästinensischen Staat in den Grenzen vor Beginn des Sechstage-Krieges von 1967 sowie mit Ostjerusalem als Hauptstadt. Provisorische Grenzen, wie sie derzeit als möglicher Kompromiss im Gespräch sind, lehnte Abbas strikt ab.

Der Palästinenserpräsident dankte Deutschland für die Unterstützung beim Aufbau einer autonomen Verwaltung. „Sie sind ein wahrer Freund“, sagte Abbas zu Wulff. Beide Präsidenten forderten die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas auf, den entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit freizulassen. Abbas wies außerdem auf 8000 palästinensische Häftlinge in israelischen Gefängnissen hin, die ebenfalls zu ihren Familien zurückkehren sollten.

Am Montagabend hatte Wulff in Jerusalem auch ausführlich mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu gesprochen. Der ermunterte Deutschland, eine „Schlüsselrolle“ bei der Lösung des Nahostkonfliktes zu übernehmen. Wulff setzte sich für eine weitere Lockerung der Blockade des Gazastreifens ein und verlangte von der israelischen Führung eine konstruktivere Haltung im Streit um den Siedlungsausbau im Westjordanland. Wegen des Siedlungsstreits sind die Friedensgespräche zwischen Israel und den Palästinensern seit mehr als zwei Monaten festgefahren.

In Bethlehem hat sich der Bundespräsident außerdem die Geburtskirche angesehen. Gemeinsam mit seiner Tochter zog sich Wulff zu einem privaten Gebet zurück. Die Geburtskirche steht an jenem Ort, wo nach christlicher Überlieferung Jesus geboren wurde. Bethlehem gehört deshalb auch zu den wichtigsten Pilgerzielen weltweit. Viele palästinensische Christen sind jedoch aus der Region abgewandert. Der Anteil der Christen an der palästinensischen Gesamtbevölkerung beträgt nur noch etwa zwei Prozent.

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  • Wieder kämpft der Moslem Wulff gegen israel! Übrigens, gibt es nicht eine Schulpflicht in Deutschland? Wer zahlt/e die Kosten für die Reise der Tochter, die ja nicht in die Schule ging?

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