Nahrungsmittel
Niebel will Agrar-Spekulationen kontrollieren

Der Entwicklungsminister fordert eine Börsenpflicht aller Agrarrohstoffe. Dadurch wären die Investitionen seiner Meinung nach transparenter: Man könne so sehen, ob mehr gehandelt als tatsächlich produziert werde.
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BerlinBundesentwicklungshilfeminister Dirk Niebel plädiert für eine Börsenpflicht aller Agrarrohstoffe und dazugehöriger Finanzderivate, um Spekulationen mit Nahrungsmitteln zu mindern. „Damit werden alle Investitionen transparent, das minimiert die Spekulation“, sagte der FDP-Minister der „Berliner Zeitung“ (Samstagausgabe). Erst durch eine Börsenpflicht könne man wirklich sehen, ob mehr gehandelt als tatsächlich produziert werde. Ein generelles Handelsverbot lehnt Niebel ab. „Denn derartige Finanzprodukte dienen den Anbietern und Verarbeitern von Agrarprodukten ja auch zur Absicherung von Preisen.“

Niebel begrüßte die Ankündigung mehrerer Banken wie der Commerzbank, aus dem Geschäft mit Nahrungsmittel-Spekulationen auszusteigen. „Ich halte es für sehr verantwortungsvoll, wenn Banken darauf verzichten, rein spekulative Geschäfte mit Agrarrohstoffen zu betreiben und entsprechende Finanzprodukte zu verkaufen.“ Es dürfe allerdings nicht dazu kommen, dass es gar keine Investitionen mehr in die Landwirtschaft gebe. Vor allem in Afrika sei Kapital nötig, damit die Bauern produktiver arbeiten könnten als bisher. Dabei gehe es nicht nur um den Anbau, sondern auch um Lagerhaltung und Transport. „Wir brauchen diese Investitionen, aber keine Spekulationen“, betonte Niebel.

Hintergrund der Debatte sind steigende Lebensmittelpreise, unter anderem wegen einer Dürre in den USA. Da in den armen Regionen der Welt die Menschen einen großen Teil ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben, können auch kleine Preisveränderungen sie existenziell gefährden. Im Jahr 2008 kam es nach Missernten zu Hungerrevolten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Nahrungsmittel: Niebel will Agrar-Spekulationen kontrollieren"

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  • Zurück zur DDR? Nö sind wir schon.
    Frau Staatsratsvorsitzende Merkel ist schon kräftig in Aktion.

  • Niebel sollte als erstes sich selbst streichen, so wie er es vor der Übernahme dieses Ministeriums mit diesem Ministerium ja tun wollte, aber als Minister nicht mehr wollte, ein gutes Gehalt ändert auch Meinungen.

  • HERR NIEBEL, DANN NEHMEN SIE SICH EIN BEISPIEL AN VÄTERCHEN BRÜDERLE UND STREICHEN ALS ERSTES ALLE Agrarsubventionen!

    DAMIT HÄTTEN SIE SCHON VIEL ERREICHT.

    Einsparungspotenzial ca. 30 Mrd Euro pro Jahr.

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