„Nationale Forschungsstrategie“
Bund fördert Bioökonomie mit Milliarden

Die neue „nationale Forschungsstrategie Bioökonomie 2030“ ist am Mittwoch Thema im Kabinett. Forschungsministerin Schavan will in den nächsten sechs Jahren fast zweieinhalb Milliarden Euro für das Projekt ausgeben und damit den Abschied vom Erdöl vorantreiben.
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BERLIN. „Ziel ist, mit Forschung und Innovation einen Strukturwandel von einer erdöl- zu einer biobasierten Industrie zu ermöglichen, der mit großen Chancen für Wachstum und Beschäftigung verbunden ist“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, Thomas Rachel, dem Handelsblatt.

Das Konzept von Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) sieht die Erforschung von Biomasse als Basis der Energieerzeugung und als Grundstoff für die Industrie vor. Ein Fokus liegt zudem auf biotechnologischen Produktionstechniken und dem Ernährungsbereich. Die im Koalitionsvertrag angekündigte Forschungsstrategie soll am heutigen Mittwoch vom Kabinett abgesegnet werden.

Bis 2030 soll die industrielle Produktion zur einer „nachhaltigen biobasierten Wirtschaft“ werden, die sich „am natürlichen Stoffkreislauf orientiert“, heißt es in dem Papier, das dem Handelsblatt vorliegt.

Als erste konkrete Maßnahme ist eine Innovationsinitiative zur „weißen“ Biotechnologie mit einem Gesamtfördervolumen von bis zu 100 Millionen Euro auf fünf bis zehn Jahre geplant. Die weiße oder auch „industrielle“ Biotechnologie ist der Bereich, der biotechnologische Methoden – etwa mit Bakterien oder Enzymen – für industrielle Produktionsverfahren einsetzt. Große Hoffnungen richten sich hier auf die Entwicklung von Chemikalien, Kunststoffen, Waschmitteln und Kosmetika auf Biobasis. Die Biomedizin selbst ist nicht Teil dieser Strategie, sondern wird im Rahmen des Gesundheitsforschungsprogramms gefördert.

Daneben geht es um biologische Dünger und Pflanzenschutzmittel. Bakterien sollen helfen, Erdöl abzubauen sowie Luft und Wasser zu reinigen.

Das Gesamtfördervolumen in Höhe von 2,4 Mrd. Euro stellt zu zwei Dritteln das Forschungsministerium. Weitere 28 Prozent kommen aus dem Etat des Landwirtschaftsministeriums. Fast 70 Prozent der Gelder sollen im Rahmen der Projektförderung vergeben werden. Der Rest geht an außeruniversitäre Forschungsinstitutionen. Allen voran profitieren die in diesem Bereich stark engagierten Institute der Leibniz-Gemeinschaft.

Im Bereich der Biomasse geht es um die Gewinnung von Wärme, Strom und Kraftstoffen aus Pflanzen. Dies soll möglichst nicht in Konkurrenz zu Nahrungsmitteln geschehen, sondern durch die Nutzung von Reststoffen wie Stroh oder sonstigen Abfällen. So entsteht etwa in Leuna in Sachsen-Anhalt ein Bioraffinerie-Forschungszentrum der Fraunhofer-Gesellschaft.

46 Prozent der Forschungsgelder fließen in die Ernährungsforschung. Hier geht es nicht nur um die Züchtung neuer Pflanzenarten oder die Verbesserung von Futtermitteln. Es stehen auch Gelder für die Agrartechnik bereit, etwa zur satellitengestützten Navigation von Erntemaschinen.

Große Forschungsanstrengungen seien auch nötig, um der wachsenden Nachfrage nach Fleisch zu begegnen. Hier könnten als Ersatz pflanzliche Proteine eine weit größere Rolle spielen als bisher, heißt es in dem Konzept.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • Solange hier nicht gentechnisch veränderte Lebensmittel im Vordergrund stehen, sondern ein "back to nature"-Ansatz, dann ist diese initiative wirklich lobenswert und in den westlichen Ländern einmalig.

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