„Nationalsozialistischer Untergrund“: Kölner Nagelbombe beschäftigt NSU-Prozess

„Nationalsozialistischer Untergrund“
Kölner Nagelbombe beschäftigt NSU-Prozess

Erstmals geht es im NSU-Prozess um den Anschlag in der Kölner Keupstraße 2004, bei dem 22 Menschen verletzt wurden. Ausführlich schildern die Ermittler, welche Kraft die Bombe hatte. Die kommende Woche wird emotional.
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MünchenIm Münchner NSU-Prozess haben Kriminalbeamte die verheerende Wirkung der Nagelbombe aus der Kölner Keupstraße im Jahr 2004 geschildert. Der Sachschaden sei enorm gewesen, berichtete ein Sprengstoffexperte des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts am Montag. Sein Kollege sprach von einem „Bild der Verwüstung“ - und zeigte zahlreiche Fotos, die dies belegten. Bei dem Anschlag, der dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ angelastet wird, waren 22 Menschen verletzt worden, einige von ihnen lebensgefährlich.

Insgesamt 702 Zimmermannsnägel habe man damals gefunden, sagte der Experte. Viele steckten in Fahrzeugen, Fassaden und Holzsäulen, einige wurden sogar in Hinterhöfen gefunden. Die Wucht der Detonation war also so groß, dass die zehn Zentimeter langen und fünf Millimeter dicken Nägel über die dreigeschossigen Häuser geschleudert wurden.

Der mit den Nägeln bestückte Sprengsatz war am 9. Juni 2004 vor einem Friseursalon explodiert. Versteckt war er in einem Motorradkoffer auf dem Gepäckträger eines Fahrrads. Das Ziel der Terroristen war laut Anklage, so viele Kunden und Passanten wie möglich in der von türkischen Migranten geprägten Straße zu töten oder zu verletzen.

Es ist das erste Mal, dass es im NSU-Prozess ausführlich um den Kölner Nagelbombenanschlag geht. Bisher waren lediglich Videoaufnahmen einer Überwachungskamera gezeigt worden. Auf diesen Aufnahmen sind nach Ansicht der Bundesanwaltschaft die beiden mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zu erkennen, wie sie mit dem Fahrrad samt darauf montierter Bombe unterwegs in die Keupstraße waren. Beate Zschäpe steht als einzige Überlebende des Trios in München als Hauptangeklagte vor Gericht.

Kommende Woche werden die Opfer von damals selbst zu Wort kommen: Über drei Tage hinweg will das Gericht sie und ihre Ärzte befragen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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