Nato-Bombardement
Angehörige von Kundus-Opfern starten Klage

Nachdem eine außergerichtliche Einigung gescheitert ist, fordern zwei Hinterbliebene des verheerenden Nato-Angriffs Entschädigung vom deutschen Staat. Insgesamt geht es um 90.000 Euro. Weitere Klagen sollen folgen.
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Frankfurt a. M.Mehr als zwei Jahre nach dem tödlichen Nato-Luftangriff von Kundus haben zwei Bremer Juristen die Bundesregierung auf Schadenersatz verklagt. Zunächst gehe es um Entschädigungen für zwei Hinterbliebene, berichtete die „Frankfurter Rundschau“ am Samstag. Bereits im September 2010 hatte einer der Fahrer der bombardierten Tanklaster, der den Angriff überlebte, die Bundesrepublik auf Schmerzensgeld verklagt.

Nach Informationen der „FR“ reichten der Bremer Anwalt Karim Popal sowie der Juraprofessor Peter Derleder jetzt ihre Klage vor dem Landgericht Bonn am Hauptsitz des Verteidigungsministeriums ein. Popal vertritt nach eigenen Angaben insgesamt 79 Familien der Getöteten. In der jetzt eingereichten Klage fordert ein 38-jähriger Bauer, der demnach zwei Söhne verloren hat, 40.000 Euro Schmerzensgeld. Eine 35-Jährige, deren Mann demnach getötet wurde, soll 50.000 Euro erhalten, damit sie ihre sechs Kinder weiter ernähren kann.

Der „Frankfurter Rundschau“ zufolge klagen die Juristen aus Kostengründen zunächst nur für zwei Hinterbliebene. Weitere Klagen würden folgen, sobald Spenden für die Gerichtskosten gesammelt worden seien. Popal hatte Anfang September auf einer Pressekonferenz in Berlin angekündigt, gegen das Bundesverteidigungsministerium auf Entschädigungen zu klagen.

Eine außergerichtliche Einigung mit dem Ministerium war demnach zuvor gescheitert. Deutschland zahlte bislang rund 90 von dem Bombardement betroffenen Familien je 5000 Dollar - ohne Anerkennung einer Rechtspflicht und unabhängig davon, wie viele Opfer sie jeweils zu beklagen hatte.

Am 3. September 2009 waren Tankfahrzeuge nahe dem deutschen Feldlager in Kundus von Taliban entführt und daraufhin auf Anforderung des deutschen Oberst Georg Klein von US-Kampfflugzeugen angegriffen worden. Unter den mehr als hundert Todesopfern waren zahlreiche Zivilisten. Die Bundesanwaltschaft nahm im März 2010 Ermittlungen zu dem Bombardement auf. Sie stellte diese aber im April mit der Begründung wieder ein, es seien keine völkerrechtlichen oder strafrechtlichen Delikte erkennbar.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • der "ehrenwerte" oberst klein wird wohl nun mitte/ende 2012 zum general befördert.

    man muss wohl nur skrupellos genug morden, um in der bundeswehr befördert zu werden.

    wer über hundert tote mit falschen informationen, welche herr klein den us-bombern geliefert hatte, verursacht hat ist ein mörder. auch wenn er aus politischen gründen juristisch nie belangt wurde.

  • Wer hat die NATO dirt eigentlich eingeladen?

    als die NATO kam, war 20% von Afganistan in Taliban Hand
    heute sind 95% ind er Hand von Tabibal.

    90% der Welt-Opium Drogen kommen inzwischen aus Afganistan.

    Und für dieses Drecksgeschäft schickt man dt. Soldaten in den Tod?

  • Ein deutscher Offizier hat in Erwartung auf einen der neu eingeführten Tapferkeitsorden ein sinnloses Bombardement veranlasst! Als Begründung wurde angeführt, ein im Flußbett festgefahrener Tanklaster hätte für einen Anschlag auf die deutschen Soldaten genutzt werden können. In einem Land, in dem es mehr Sprengstoff und Kalaschnikows als Diesel gibt.

    Daher war es Mord und entsprechend sind die Angehörigen zu entschädigen.

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