Naturwissenschaften im Gymnasium
Essig-Bombe zündet Begeisterung

Knall und Rauch im Klassenzimmer: Am Gymnasium Bad Nenndorf greifen die Lehrer gern zu ungewöhnlichen Methoden, um ihre Schüler für das Ingenieursleben zu begeistern. Mit seiner Förderung der Naturwissenschaften ist das Gymnasium sehr erfolgreich.

BAD NENNDORF. Felix Wenzel hat alle Zutaten für seine Bombe beisammen. Der Elftklässler stürmt auf den Schulhof des Gymnasiums im niedersächsischen Bad Nenndorf – einige deutlich kleinere Kinder folgen ihm. Er holt ein gelbes Überraschungsei hervor, schüttet weißes Pulver hinein, gibt einen Schuss Spülmittel hinzu und schließlich eine klare Flüssigkeit aus einem Glaskolben. Der Junge schließt das Plastikei, schüttelt es und wirft es weg. Sekunden später platzen die zwei Hälften auseinander, weißer Schaum spritzt über den Hof, die Kinder kreischen und Felix´ Lehrerin guckt zufrieden.

„Essig-Bombe“ heißt das unorthodoxe Experiment. „Wir wollen damit die Begeisterung für verschiedene Phänomene wecken“, sagt Lehrerin Frauke Schütte. Neben den eigenen Schülern soll eine Gruppe des örtlichen Kindergartens begeistert werden, die heute zu Besuch ist. Was chemisch hinter den Versuchen steckt, sei den Fünfjährigen zwar noch nicht im Detail zu erklären. Doch die Kinder könnten früh motiviert werden. Hat die Lehrerin denn keine Angst, dass die Kleinen die Anregungen für eigene Streiche missbrauchen? „Es gab noch keine Beschwerden“, sagt Schütte. „Im Gegenteil, mehrere Eltern haben schon erzählt, dass sich ihre Kinder danach Experimentierkästen gewünscht hätten.“

Am Gymnasium Bad Nenndorf greifen die Lehrer gern zu ungewöhnlichen Methoden, um ihre Schüler für das Ingenieursleben zu begeistern. Der Unterricht ist so anschaulich wie möglich, Experimente sind hier keine Schmankerl im Unterrichtsalltag, sondern die Regel. Im Chemieraum sitzt eine Schülergruppe vor einem Glaszylinder: Von einem Fünf-Cent-Stück steigen Blasen auf, an der Münze sind ein rotes und ein blaues Kabel befestigt. Die Schüler sind dabei, die erste Batterie nachzubauen, die der Italiener Alessandro Volta vor mehr als 200 Jahren konstruiert hat.

„Wir haben hoch begabte Schüler und müssen dafür Sorge tragen, dass sie das richtige Futter kriegen“, sagt Lothar Ebeling-Brandt. Der Physik-Lehrer kümmert sich darum, dass die Potentiale seiner Schützlinge ausgeschöpft werden. Sein „Vorzeigeschüler“, Fabian Schawinski, wechselte bereits mit 15 an die Uni, jetzt forscht er in den USA. „Zwei Abiturienten aus diesem Jahr haben ein Rastertunnelmikroskop gebaut“, erzählt Ebeling-Brandt stolz.

Mit solchen Projekten sammeln die Bad Nenndorfer immer wieder Preise bei Wettbewerben, wie „Jugend forscht“. Verschiedene Urkunden und Schecks im Büro von Ebeling-Brandt zeugen von den Erfolgen. Dank solcher Zusatzeinnahmen und dem Engagement von Lehrern wie Ebeling-Brandt, die erfolgreich Fördermittel einwerben und Sponsoren gewinnen, verfügt das Gymnasium inzwischen über eine Ausstattung, von der andere Schulen nur träumen.

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