Nein zu Stabilisierungsmaßnahmen: Drohendes Renten-Fiasko lässt die Koalition kalt

Nein zu Stabilisierungsmaßnahmen
Drohendes Renten-Fiasko lässt die Koalition kalt

Dass Ruheständler immer länger leben, überfordert die Rentenversicherung schon. Die Lage dürfte sich noch verschärfen, wenn der erste Babyboomer-Jahrgang in Rente geht. Doch die Politik sieht keinen Handlungsbedarf.
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BerlinDie Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sind für die Betroffenen ein Grund zum Jubeln, für die Rentenbeitragszahler sind sie wohl eher ernüchternd: Ruheständler beziehen heute im Schnitt 18,5 Jahre ihre gesetzliche Rente – gut sieben Jahre länger als 1970. Nicht zuletzt deshalb hat sich der sogenannte Rentenbestand, also die Zahl der ausgezahlten Renten, allein in Westdeutschland von 9,9 auf 20 Millionen erhöht. Hinzu kommen fünf Millionen Renten in den neuen Bundesländern.

Ohne die bisherigen Reformen – Deckelung des Beitragssatzanstiegs bis 2030, Absenken des gesetzlichen Versorgungsniveaus, Übergang zur Rente mit 67 – wären die Beitragszahler aus IW-Sicht längst überfordert. Doch was tun, wenn die Lebenserwartung weiter steigt und wenn schon bald der erste Babyboomer-Jahrgang in den Ruhestand geht? Eine Studie, die die Bertelsmann-Stiftung heute vorgestellt hat, schlägt schon Alarm.

Die Experten sind überzeugt, dass die gesetzliche Rentenversicherung auf diesen Härtetest trotz der zahlreichen Reformen der vergangenen Jahre nicht genügend vorbereitet ist. Sie empfehlen daher rasch neue Eingriffe, um die Beitragszahler zu entlasten und das Absinken des Rentenniveaus zu dämpfen. Die Anhebung des gesetzlichen Rentenalters auf 69 Jahre wäre eine mögliche Lösung, eine andere die Versicherungspflicht auch für Beamte und Selbstständige. Doch die Politik mauert. Insbesondere die Koalition sieht keinen Handlungsbedarf.

Das Bundesarbeitsministerium ging vor allem auf Distanz zu der Forderung nach einer „Bürgerversicherung“ bei der Rente. Eine solche Umstellung führe „zu horrenden Mehrfachbelastungen einzelner Gruppen, die nur extrem schwierig zu stemmen wären“, sagte ein Ministeriumssprecher.

Der Vorschlag, eine Versicherungspflicht auch für Beamte und Selbstständige einzuführen, entlaste die Rentenkassen zudem nur vorübergehend, da dadurch neue Ansprüche in der Zukunft geschaffen würden. „Am langen Ende kostet es richtig viel Geld.“

Kommentare zu " Nein zu Stabilisierungsmaßnahmen: Drohendes Renten-Fiasko lässt die Koalition kalt"

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  • Wie kann man denn dieses Thema sachlich diskutieren, wenn das Fußvolk mit Niedrigrenten abgespeisst wird, und die Beamten überhöhte Pensionsansprüche haben.
    Zuerst müssen alle in einen Topf zahlen, dann ist es auch für alle besser zu verstehen, warum die Suppenschüssel für Renten nicht reichen sollen, und die Fleischtöpfe für Beamtenpensionen überlaufen. Das selbe gilt für Krankenkassensysteme, es muss endlich Schluss sein mit dem Zweiklassensystem. Wir sitzen alle in einem Boot. Entweder ist für alle was da zum verteilen, oder für keinen.
    Wie wäre es mal, liebe Politiker liebe Frau Merkel, lieber Herr Schäuble wenn man in Deutschland beginnt mit dem aufräumen,und dem füllen der Sozialkassen. Dann kann man als zweiten Schritt noch vorhandene Gelder in die EU stecken.

  • Nov. 1951 nach Eckmannvergleich, Besoldung um 7% tiefer angesetzt.
    1957 Bundesbesoldungsgesetz, Besoldung um 7% gekürzt.
    1998 Versorgungsreformgesetz, jährliche Gehaltserhöhungen ab 1999 um 0,2% gekürzt.
    2001 Versorgungsänderungsgesetz, führt zu einer Kürzung der Versorgung auf 71,75% der Bezüge.
    1990-iger Jahre: Gehaltserhöhungen des öffentl. Dienstes später, gekürzt oder gar nicht an Beamte weitergegeben.

    Ganz gut dargestellt unter:
    http://www.myheimat.de/bobingen/politik/beamte-ihre-pension-und-staendige-einsparungen-an-ihnen-d1279941.html

    Beamte im gD und hD verdienen nicht schlecht, aber auch nicht übertrieben viel, wenn man entsprechende Posten in der freien Wirtschaft vergleicht.

  • Handeln müsste heißen, diese Parasiten AUS DER VERWALTENDEN DIKTATUR müssten ihre kriminellen Versorgungen auf Rentenhöhe reduzieren. Das ist seit 30 Jahren bekannt, nur hat die Altengeneration dieses Problem auf Kimineller Art und weise auf die Zukunft abgewälzt.
    Das hat es in der evolution noch nicht gegeben, - Die Alten stellen nur zum Eigennutz ungedeckte Wechsel auf die eigenen Kinder und Enkel aus, um Ihr Luxusleben zu schützen.

    Verständlich, das die fetten Maden den prall gefüllten Futtertrog verteidigen, weiter Schlemmern bis auf den blanken Volksknochen!!

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