Neonazi-Aufmarsch in Leipzig nicht so friedlich
Berliner Polizei hatte ruhigen 1. Mai

Die Krawalle zum 1. Mai waren in Berlin vergleichsweise harmlos: Im Stadtteil Kreuzberg griffen Randalierer die Polizei am Abend stundenlang mit Flaschen und Steinen an. In Leipzig hingegen kam es bei einem Neonazi-Aufmarsch mit rund 800 Teilnehmern zu heftigen Ausschreitungen zwischen Rechten und linken Gegendemonstranten. Auch in Worms standen sich Linke und Rechte gegenüber.

HB BERLIN/LEIPZIG. Trotz der Krawalle bewertete die Berliner Polizei den 1. Mai jedoch als so friedlich wie seit fast zwei Jahrzehnten lange nicht mehr. Diese erste Einschätzung gab die Pressestelle des Polizeipräsidiums am frühen Montagmorgen. Hunderte gewaltbereite Jugendliche hatten in Berlin versucht, die Einsatzkräfte zu provozieren. Die Beamten hielten sich aber zurück. Bei den Auseinandersetzungen, die bis weit nach Mitternacht andauerten, wurden mehrere Menschen verletzt. Mehrere meist alkoholisierte Störer wurden festgenommen.

Bereits in den frühen Abendstunden hatten die Beamten einzelne Ausschreitungen von Randalierern unterbunden. Mehrfach zerstreuten sie gewalttätige Demonstrationen. An zwei Aufzügen der linken Szene am Nachmittag beteiligten sich mehr als 2000 Menschen. Auch bei den Walpurgisfeiern am Vorabend des 1. Mai hatte es wieder einzelne Krawalle gegeben. Dabei wurden nach Polizeiangaben 83 mutmaßliche Randalierer festgenommen.

Beim Neonazi-Aufmarsch in Leipzig wurden am Nachmittag 30 Beamte und 10 Demonstranten verletzt. Die Einsatzkräfte versuchten mit Wasserwerfern und Reiterstaffeln, die 800 Rechten und die rund 4000 linken Gegendemonstranten von einander fern zu halten. 104 Menschen wurden vorläufig festgenommen. Der größte Teil kam bis zum späten Abend wieder auf freien Fuß. Davon gehörten neun dem rechten Lager an. Nach Behördenangaben wurden 589 Platzverweise erteilt. Von den 4000 Linken stufte die Polizei 2000 als gewaltbereit ein.

Neonazi Christian Worch hatte gerichtlich eine Routenführung durch die als linksalternativ geltende Südvorstadt von Leipzig erzwungen. Dies versuchten Linke mit Sitzblockaden und Barrikaden zu verhindern. Weil die Behörden die Sicherheit der Rechten am Abend nicht mehr garantieren konnten, bewegten sie Worch letztlich zur Umkehr.

Leipzigs Bürgermeister Holger Tschense (SPD) sprach von einer deutlich höheren Gewaltbereitschaft als bei früheren Demonstrationen. Bereits am Samstagabend war es zu ersten Zwischenfällen gekommen.

In Worms eskalierte trotz eines großen Polizeiaufgebots ein Aufmarsch von etwa 200 Anhängern der rechtsextremen NPD. 300 Gegendemonstranten warfen auf dem Marktplatz immer wieder Steine und gefüllte Glasflaschen und verletzten mehrere Polizisten.

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