Neonazi-Terror
Mutmaßlicher Terror-Komplize festgenommen

Noch ein Terrorist aus der Neonazi-Szene? Die Polizei hat einen mutmaßlichen Komplizen des Thüringer Terror-Trios am Sonntag festgenommen. Fieberhaft wird ermittelt, ob weitere Anschläge auf das Konto der Neonazis gehen.
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Karlsruhe/BerlinDie Bundesanwaltschaft hat einen mutmaßlichen Komplizen des Neonazi-Trios festgenommen, das für die Döner-Mordserie verantwortlich sein soll. Zudem sei die Wohnung des 37-jährigen aus der Nähe von Hannover durchsucht worden, hieß es in einer Mitteilung vom Sonntag. Holger G. werde dringend verdächtigt, Mitglied der terroristischen Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) zu sein.

Laut Bundesanwaltschaft stand der Mann seit Ende der 90er Jahre mit den anderen drei Tatverdächtigen in Kontakt. Er soll dem Trio 2007 seinen Führerschein und vor etwa vier Monaten seinen Reisepass zur Verfügung gestellt haben. Zudem soll er mehrfach Wohnmobile für die Gruppierung angemietet haben. Eines der Fahrzeuge soll bei dem Mordanschlag auf eine Heilbronner Polizisten genutzt worden sein.

Die Bundesbehörden untersuchen unterdessen bundesweit, ob weitere Taten auf das Konto der Thüringer Neonazis gehen. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger sagte, es würden Verbindungen zu Anschlägen in Nordrhein-Westfalen geprüft. Der „Spiegel“ meldete, die toten Neonazis Uwe M. und Uwe B. hätten ein Geständnis hinterlassen und sich darin auch zu einem Bombenanschlag auf eine zumeist von Türken bewohnte Straße in Köln im Jahr 2004 bekannt, bei dem 22 Menschen verletzt worden waren.

Die mutmaßliche Komplizin der beiden will einem Medienbericht zufolge nur dann aussagen, wenn sie von der Kronzeugenregelung profitiert. Das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestags, das die Geheimdienste überwacht, soll sich in einer Sondersitzung mit dem Fall befassen.

Auch in Berlin und Saarbrücken werden Medienberichten zufolge ungeklärte Anschläge neu aufgerollt - darunter der auf das Grab des langjährigen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Heinz Galinski. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zeigte sich alarmiert. Erste Ergebnisse der Ermittlungen seien beunruhigend, sagte sie.

Nun müsse geklärt werden, ob die Terror-Gruppe Teil eines größeren Netzwerks gewesen sei. „Es erfüllt mich mit großer Sorge. Ich finde es erschütternd, was wir bis heute an Informationen wahrzunehmen haben“, sagte sie am Sonntag am Rande des FDP-Parteitags in Frankfurt. Sie gehe davon aus, dass sich der Verfassungsschutz auf Bundes- und Länderebene nun untereinander über Erkenntnisse informiere und ein Lagebild erstelle.

Die Sicherheitsbehörden und vor allem der Verfassungsschutz gerieten immer stärker ins Blickfeld. Der Geheimdienst-Ausschuss des Bundestags will sich in der nächsten Sitzungswoche mit dem Fall befassen. „Ich will wissen, was die Behörden wussten, und wie solche Straftaten in Zukunft besser verhindert werden können“, sagte der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, der SPD-Politiker Thomas Oppermann.

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    Und vergesst bei eurem ganzen Eifer nicht die bösen Islamisten,
    sonst fällt es auf. Schließlich steckt da jahrelange Arbeit drin.
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  • Liebe Handelsblatt-Redaktion.

    Ich war immer ein treuer Leser der Zeitung und von handelsblatt.com.
    Ich habe das Handelsblaat immer als ein DIE Wirtschaftszeitung mit Anspruch angesehen.

    Aber wie passt das Bild einer seriösen Wirtschaftszeitung mit den Kommentren hier bei handelsblatt.com überein?

    Warum dürfen hier Rechtsradikale und sonstiger sozialer Abschaum ungehindert ihre Parolen, die oftmals jede Staatsanwaltschaft interessieren würde, hier veröffentlichen.

    Ich erwarte von einer seriösen Zeitung, dass der Kommtarbereich "überwacht" wird und gerade solche Kommentare wie von "silvercoin82" zu blocken.

    Ein überaus schwaches Bild von handelsblatt.com. Ganz im Gegensatz Ihrer Kollgen bei ftd.

    Ich bitte Sie daher die Kommentare auf ihren Inhalt hin zu prüfen, bevor diese veröffentlicht werden, um dem sozialen Abschaum (der sich übrigens zu 90% nicht für den Inhalt Ihrer Artikel interessieren düfte)abzublocken.

    Ein entäuschter Leser


  • Der Inhalt dieses Kommentars wurde von der Redaktion gelöscht, aufgrund menschenverachtender Ausagen. Die Redaktion

    PS. Leider gelingt es uns nicht immer rasch genug, Kommentare dieser Art heraus zu filtern. Sie können solche Kommentare aber mit der Spam-Funktion melden.

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