Nervenkrieg um Regierung in Hessen
Angela Merkels Déjà-vu

Dreierbeziehungen sind meist nicht sehr stabil. Als CDU-Chefin Angela Merkel mit ihren beiden Stellvertretern Roland Koch und Christian Wulff im Konrad-Adenauer-Haus vor die Presse tritt, ist schnell klar, dass dies auch für die Unionsspitze zutrifft.

BERLIN. Zwei Jahre lang galt der Hesse Koch als der engere Partner Merkels, handelte Streichlisten und Steuerreformmodelle für die Große Koalition aus und holte sich Lob ab.

Jetzt lachen der Niedersachse Wulff und eine sichtlich entspannte Bundeskanzlerin gemeinsam. Dabei geht es nur um einen Hustenanfall, den Merkel nicht unterdrücken kann, und das folgende Lachen der Journalisten. Als der gerade redende Koch leicht irritiert zur Seite schaut, beteuern beide eilfertig lächelnd, man habe nicht über ihn gelacht. Ganz ehrlich. Aber die Körpersprache entlarvt den wahren, sehr unterschiedlichen Zustand des Trios, obwohl die Union sich zuvor im Präsidium und Bundesvorstand auf eine gemeinsame Linie festgelegt hat. Merkel und Wulff genießen den Auftritt, Koch ist angespannt.

Dabei ist man formal einig. Ohne große Fehleranalyse über die unterschiedlichen Wahlergebnisse in Hessen und Niedersachsen hatten CDU-Präsidium und Bundesvorstand entschieden: In Hessen soll der Nervenkrieg um die Regierung beginnen. Die CDU steht hinter Koch und dessen Anspruch, weiter Ministerpräsident zu bleiben. Die CDU-Spitze nimmt dabei auch in Kauf, dass Koch dabei auf Zeit spielen will.

Denn auch das gehört zum Nervenkrieg. Und den kennt Angela Merkel aus nächster Nähe nur zu gut. Schließlich hat die Union 2005 mit ihrer knappen Mehrheit nach der Bundestagswahl den Machtkampf gegen die SPD durchgestanden. Noch am Wahlabend musste sie den Machtanspruch ihres Vorgängers Gerhard Schröder parieren. Gerade aus Sicht Merkels hat sich das Pokern aber gelohnt: Heute fährt nicht nur sie als Kanzlerin hohe Zustimmungswerte ein, auch die Union als Partei hat die SPD in bundesweiten Umfragen weit abgehängt. Will die SPD angreifen, hat sie gegenüber der Kanzlerinnenpartei immer das Problem, dann zugleich als Regierung und Opposition aufzutreten. Das schätzen die Wähler nicht, registriert man in der CDU-Zentrale genüsslich.

Deshalb wollen die Christdemokraten in Berlin und Wiesbaden jetzt an einem Strang ziehen. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) etwa weist demonstrativ jede Spekulation zurück, er könnte Koch im Amt des Ministerpräsidenten ablösen. "Koch bleibt hessischer Ministerpräsident, ich bleibe Verteidigungsminister", wiederholt er mantraförmig vor jeder Kamera.

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