Nervöse Stimmung in Berlin
Wähler-Mehrheit lehnt SPD-Linksruck ab

Die SPD kommt nicht zur Ruhe: Gerüchte über einen Rücktritt des Kanzlers und aktuelle niederschmetternde Umfragewerte sorgen für nervöse Stimmung in der Partei. Einzig die aufbegehrende Linke sieht sich als Gewinner in der Neuwahldiskussion. Nun plant sie nach einem Zeitungsbericht sogar, einen Gegenkandidaten für Gerhard Schröder aufzustellen. Doch die Taktik kommt bei den Bürgern nicht an.

HB BERLIN. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Forsa-Umfrage im Auftrag des Magazins "Stern" und des Fernsehsenders RTL lehnen die Bundesbürger einen Kurswechsel der Sozialdemokraten nach links mehrheitlich ab. Die Diskussion hat der SPD folglich auch in ihren Umfragewerten keinen Auftrieb gebracht. Im Gegenteil: Die Werte für die SPD (28%) und die Grünen (8%) blieben unverändert. Mit zusammen 36% liegen sie 19 Prozentpunkte hinter Union und FDP.

Die Union kommt wie in der Vorwoche auf 49% und könnte bei einem solchen Wahlergebnis im neuen Bundestag die absolute Mehrheit der Stimmen stellen. Die FDP sank im Vergleich zur Vorwoche um einen Punkt auf 6%. Das schwarz-gelbe Lager würde somit eine stabile Mehrheit von 55% erreichen. Die PDS stieg um einen Punkt auf 5%, für sonstige Parteien würden sich 4% der Deutschen entscheiden.

Die SPD-Linke lässt sich jedoch nicht beirren. Sie will nach Informationen der Chemnitzer "Freien Presse" sogar über einen Gegenkandidaten für Bundeskanzler Gerhard Schröder beraten. Am 26. Juni werde die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) in Berlin über die Konsequenzen aus der Niederlage der Sozialdemokraten bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gesprochen. Unter anderem solle dabei darüber entschieden werden, ob ein Gegenkandidat ins Rennen geschickt werden solle. "Schröder treibt die Partei in den Ruin", zitiert die Zeitung Heinz-Werner Schuster vom nordrhein-westfälischen AfA-Landesvorstand.

Unterdessen brodelt die Gerüchteküche um Strategie- und Personalentscheidungen bei der SPD weiter. Führende SPD-Kreise rechnen offenbar damit, dass der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck im Herbst Nachfolger von SPD-Chef Franz Müntefering wird, berichtet die "Saarbrücker Zeitung". Die geplante Bundestagswahl im Herbst werde auch in der SPD-Führung als "nicht mehr gewinnbar" angesehen. Im Vorstand der SPD sei man zu der Überzeugung gelangt, dass "das Spiel gelaufen" sei. Dies bedeute zugleich das Ende der politischen Karrieren von Bundeskanzler Gerhard Schröder und Parteichef Franz Müntefering.

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