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24.09.2007 
Steuern und Abgaben

Nettolohn soll auch künftig niedrig bleiben

Den Arbeitnehmern in Deutschland bleibt unter dem Strich immer weniger Geld übrig: Die Nettolöhne waren im vergangenen Jahr so niedrig wie noch nie seit der Wiedervereinigung – und das wird auch so bleiben, meinen Wirtschaftsforscher.

Lupe

HB/dc HAMBURG/BERLIN. Wirtschaftsforscher rechnen auch in den kommenden Jahren nicht mit steigenden Löhnen in Deutschland. Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, sagte laut „Bild“-Zeitung, er befürchte über viele Jahre stagnierende Löhne. „Dieser schmerzhafte Anpassungsprozess wird dadurch ausgelöst, dass Millionen Hungerlöhner aus China, Indien und anderen Ländern auf den Arbeitsmarkt drängen“, wird Sinn zitiert.

Der Chef des Hamburger Wirtschafts-Instituts HWWI, Thomas Straubhaar, hält dem Bericht zufolge in Teilbereichen sogar fallende Löhne für möglich, so etwa bei Geringqualifizierten. Auch der Präsident des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Klaus Zimmermann, äußerte sich skeptisch: „Die Bruttolöhne werden sich infolge der Globalisierung auch in Zukunft nur bescheiden entwickeln können.“ Bei den Nettolöhnen könne es allerdings Verbesserungen geben, wenn der Staat die Abgaben senke, wird Zimmermann zitiert.

Die Forscher reagierten auf eine von der „Bild“-Zeitung entfachte Debatte über einen „Nettolohnskandal“ in Deutschland. Auf Basis von Daten aus dem Statistischen Taschenbuch des Bundesarbeitsministeriums hatte die Zeitung festgestellt, dass der durchschnittliche Nettolohn pro Arbeitnehmer 2006 preisbereinigt mit 15 845 Euro auf dem niedrigsten Niveau seit 1986 lag. In der gleichen Zeit stieg die Belastung der Arbeitnehmer mit Steuern und Sozialabgaben aber laut Statistik um 66 Prozent von 5 607 auf 9 291 Euro an.

Das Ministerium wies die Darstellung zwar als „tendenziös“ zurück. Es beklagte aber im gleichen Zuge eine „Unwucht“, die darin bestehe, dass die Arbeitnehmerentgelte in den vergangenen Jahren weit hinter den Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen zurückgeblieben seien. „Auch wenn dies letztlich natürlich in der Verantwortung der Tarifpartner liegt: Lohnentwicklung sollte wieder mehr von der guten gesamtwirtschaftlichen Entwicklung profitieren“, erklärte das Ministerium. Auch seien Mindestlöhne „unabdingbar“.

Die Arbeitgeber sind wegen einer neu entbrannten Debatte über die Nettolöhne alarmiert. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser warnte am Montag davor, damit den Aufschwung zu gefährden: „Diese an Durchschnittszahlen geführte Debatte schafft Verunsicherung ausgerechnet in einer Phase, in der unsere Industrie eine Menge leistet und geleistet hat“, sagte er dem Handelsblatt. Auch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) zeigte sich besorgt und warnte vor einer Abkehr von einer beschäftigungsorientierten Lohnpolitik.

Die Arbeitgeber wandten sich entschieden dagegen, wegen mangelnder Abgabensenkungen nun die Tarifpolitik in die Pflicht nehmen zu wollen. „Eine Kompensation für eine steigende Steuer- und Abgabenlast hat in einer beschäftigungsorientierten Lohnpolitik nichts zu suchen“, betonte die BDA. Die moderate Lohnpolitik der vergangenen Jahre habe einen wesentlichen Beitrag zum aktuellen Aufschwung geleistet.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Heftige Kritik an der Großen Koalition

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