Netzausbau
Bayerns Blockade droht Strompreise hochzutreiben

Erst gab er sein Okay, dann stellte er sich wieder quer: Der Blockade-Kurs von Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer beim Netzausbau droht teuer zu werden. Ausbaden müssen es die Stromkunden.
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BerlinDie Blockade Bayerns gegen den Netzausbau könnte die Stromkunden künftig mindestens 100 Millionen Euro im Jahr kosten. Das ist das Ergebnis einer am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie für die Strombörsen EEX und EPEX Spot.

Denn ohne Höchstspannungsleitungen zum Transport des in Nord- und Ostdeutschland erzeugten Windstroms in den Süden müsste der deutsch-österreichische Strommarkt in zwei Preiszonen aufgeteilt werden, eine im Norden bis zum Ruhrgebiet und der thüringisch-bayerischen Landesgrenzen und eine für den Süden.

Mangels Transportmöglichkeiten müssten im Süden neue Kapazitäten geschaffen werden, etwa zusätzliche Gaskraftwerke. Preistreibend bei kleineren Preiszonen kommt laut der Studie des Beratungsunternehmens Consentec hinzu, dass es größere Unsicherheiten und Eingriffskosten in den Netzbetrieb gebe, da Wetterschwankungen und eine entsprechend schwankende Ökostromproduktion weniger gut austariert werden könnten.

Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Seehofer hatte 2013 zwei große „Stromautobahnen“ nach Bayern gebilligt. Nach Bürgerprotesten will er eine Revision: Fraglich ist vor allem, ob eine Ost-West-Trasse von Sachsen-Anhalt in den Raum Augsburg gebaut wird.

Dirk Biermann vom Netzbetreiber 50 Hertz sagte, es gebe viel Strom im Norden und eine große Nachfrage im Süden. Eine Zeit lang ließe sich das steuern. „Aber wir müssen mit dem Netzausbau diese unsägliche Situation korrigieren.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Es ist wie mit dem heiligen Gral. Auf ihn kommt es an, aber (fast) alle haben vergessen, wo er sich befindet. Unser Energiegebäude fußt zu einem wichtigen Anteil auf Kernkraft. Die ist sowas wie ein Grundstein im Energiegebäude. Jetzt ziehen wir ihn unten heraus und das Zittern und Knirschen im Gebäude beginnt. Auf einmal brauchen wir Landwindmühlen, Stromtrassen, Subventionen ungekannten Ausmaßes und natürlich mehr Braunkohlenstrom, Gasstrom und und und. Warum kann denn der Kernkraftstrom in Süddeutschland nicht weiterproduziert werden? Weil er von den Gutmenschen einen moralischen Anstrich bekommen hat. Jetzt ist Atomstrom böse, dreckig, alt und fließt gleich 50 mal pro Sekunde rückwärts in die Hölle. Kurz, Atomstrom ist die Inkarnation all dessen, was wir nicht wollen. Auf russisch würde ich sagen, es ist Faschistenstrom. Auf rein sachliche Argumente reduziert, ist er Teil des Energiemix, alles andere ist einfach nur Ideologie. Was wäre also, wenn wir der Kernkraft mal die Eigenschaften, verläßlich, sauber, ortsnah, nachhaltig, preiswert, technologisch hochstehend und besonders sicher, also eigentlich grün geben würden? Dann bräuchten wir die Zerstörung der Nord- und Ostdeutschen Landschaften nicht mehr zuzusehen, Stromtrassen zerschnitten nicht mehr unsere Wälder, die günstigeren Preise ließen mehr Freude am Leben aufkommen... einfach durch neues Denken. Ach ja, natürlich würden wir ein wenig gegen die Interessen der gutmeinenden Windlobbyisten verstoßen, die sich in unserem Portemonnaie eingenistet haben. Verschmerzbar.

  • Die derzeitig installierten ca. 45 GW Windräder liefern gerade einmal eine durchschnittliche Leitung von 4.5 GW , das ist etwa das was Bayern an jederzeit verfügbarer Grundlast zum Ersatz der KKW brauchen würde . Da aber die Effizienz von Windrädern von der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit abhängt stehen bei halber Windgeschwindigkeit nur 1/8 der Leistung zu Verfügung. das bedeutet dass durch diese sogenannten Windstromautobahnen, wie sie von inkompetenten Medien-Praktikanten bezeichnet werden , im Durchschnitt 75% aus fossilen Kraftwerken und nur etwa 25% an echtem Windstrom fliesst. Man kann daher dieBbegründung der neuen Leitungen einfach auf die Fragestellung reduzieren, ob man darüber preisgünstigen "öko"-Braunkohlestrom aus der Lausitz bzw. Norddeutschland nach Bayern liefern will oder doch lieber den teueren Strom aus russischem Erdgas. Wenn man aus irgendwelchen gründen Erdgasstrom haben will z.B. weil da angeblich etwas weniger CO2 emittiert wird (Gabriel will ja wie er neulich bekannt gab die Kraftwerksbetreiber dazu zwingen neue Erdgas-KW statt der Braunkohle zu errichten) , dann kann man aber die Kraftwerke auch gleich direkt in Bayern errichten und sich diese Leitungen sparen.. Und wieder erkennt man dass man mit etwas Nachdenken zu ganz anderen Ergebnissen kommt als dies von lautstarken Politikern und willfährigen, unkritischen Journalisten verbreitet wird..

  • Wieder so 'ne dpa Ente
    Die Leitungen braucht man nur um den ostdeutschen Braunkohlestrom zu entsorgen, besonders dann, wenn die von der Bundesnetzagentur genehmigten und mitbezahlten Schrägregler an der Grenze zu Polen und Tchechien den Export verhindern.
    Für 9 Cent (Onshore Wind) bzw. 19 Cent (Offshore) pro kWh kann man locker Gaskraftwerke in Bayern bauen und betreiben

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