Netzreaktionen auf Fall Edathy
„Bin für einen geschlossenen Rücktritt“

Die Affäre rund um den SPD-Politiker Edathy hat die Bundesregierung erfasst. Im Netz regiert die Fassungslosigkeit über die Vorabinformation zu BKA-Ermittlungen an Ex-Innenminister Friedrich und SPD-Chef Gabriel.
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DüsseldorfAm 11. Februar Durchsuchungen in Berlin und Rehburg, am 12. Februar wütenden Proteste darüber und am 13. Februar das Geständnis, dass die SPD schon seit mehreren Monaten über die Vorwürfe Bescheid wusste: Die Ermittlungen gegen den SPD-Politiker Sebastian Edathy nehmen täglich neue Wendungen und führen zu heftigen Reaktionen in sozialen Netzwerken. So schreibt der Kasseler FDP-Lokalpolitiker Lasse Becker: „Da ist man 15 Stunden im Flieger und danach stellt man fest, dass man in einer Bananenrepublik losgeflogen ist.“

Bereits im Oktober hatte der damalige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich davon erfahren, dass der Name des damaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy auf einer Liste im Zusammenhang mit BKA-Ermittlungen aufgetaucht war. Friedrich informierte darüber SPD-Parteichef Sigmar Gabriel. Zuvor hatte Friedrich sich nach Angaben seines damaligen Sprechers versichert, dass keine strafrechtlichen Vorwürfe gegen Edathy vorgelegen hätten.

Dennoch müssen Friedrich und die Sozialdemokraten Kritik einstecken. Der Vorwurf der Strafvereitelung steht im Raum. Dazu schreibt Fernsehmoderator Jan Böhmermann: „Thomas Oppermann fordert Aufklärung im Fall Edathy. Fragen sie doch mal diesen Thomas Oppermann, der scheint ja mehr zu wissen.“ Oppermann, damals parlamentarischer Geschäftsführer der SPD und heute Fraktionschef im Bundestag, hatte bereits im Oktober 2013 über den Fall mit dem BKA-Präsidenten Jörg Ziercke telefoniert.

Auch Pascal Striebel „findet es problematisch, wenn im Fall #Edathy der Beschuldigte knapp 2 Monate zur Beweisvernichtung gehabt hat.“ Und der Nutzer „Graf von Harzburg“ fordert gar: „Sollte sich der Verdacht erhärten, dass die SPD Spitze Edathy gedeckt hat und das über Monate, bin ich für einen geschlossenen Rücktritt“.

Auch ein prominenter Politiker mischt sich in die Twitter-Diskussion ein: Das ehemalige Mitglied der SPD und der Piratenpartei Jörg Tauss, der 2010 selbst wegen Besitz kinderpornographischer Schriften verurteilt wurde. Sein Tweet: „So so.. da wird am Parlament vorbei telefoniert #Edathy #Welt“.

Auf der Facbook-Seite Edathys melden sich vor allem Unterstützer des SPD-Politikers zu Wort. Selim Türkyilmaz schrieb vor Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Friedrich: „Mit derlei Vorwürfen konfrontiert zu werden, seien sie in Wirklichkeit noch so unzutreffend, ruiniert bereits einen Menschen Zeit seines Lebens.“ Und Klaus Oßwald erntet zahlreiche Likes für: „Ich halte das ganze für eine Intrige! Du hast Dir in den letzten Monaten und Jahren bestimmt nicht nur Freunde gemacht ...“

Auf der Kommentarseite eines Handelsblatt-Online-Artikels zum Fall Edathy geht Nutzer „Gurkenmurkser“ ironisch auf Gerüchte ein, möglicherweise kompromittierende Dateien könnten Edathy untergeschoben worden sein: „Ja sicher...der Verfassungsschutz! Die waren das! Haben dem das mit Hilfe der nsa und der Kanadier alles untergejubelt.“ User „Numismatiker“ antwortet: „Der Verfassungsschutz ist zwar eine richtige Saftklitsche, was die Erledigung seiner eigentlichen Aufgaben betrifft, jedoch muß man den Geheimdiensten so etwas zutrauen. Die technischen Möglichkeiten sind längst vorhanden, auch ohne NSA.“ Die weiteren Ermittlungen werden wohl zeigen, wer von beiden Recht behält.

Patrick Schwarz
Patrick Schwarz
Handelsblatt Online / Freier Mitarbeiter

Kommentare zu " Netzreaktionen auf Fall Edathy: „Bin für einen geschlossenen Rücktritt“"

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  • Friedrich hat mit seiner Information a Gabriel Schaden für das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland verhindert. Man stelle sich nur einmal einen Staatssekretär oder schlimmer noch Bundesminister vor, gegen den wegen Besitzes von Kinderpornografie ermittelt wird. Damit hat er auch verhindert, dass Gabriel als der SPD Parteichef in die Geschichte eingeht, der für die Berufung dieses Staatssekretärs/Ministers verantwortlich ist. Ich verstehe nicht, dass er dieses Geschenk nicht einfach dankbar angenommen hat und statt dessen gleich die ganze Führungsspitze der SPD informieren musste. Die Brisanz des Falles hätte gestandenen Berufspolitikern wie Gabriel und Oppermann bekannt sein müssen. Daher sollten Gabriel und Oppermann sich Friedrich anschließen und ebenfalls zurücktreten.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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