Netzreaktionen auf Spähvorwürfe
„Werde diesen ganzen Internetkram verbieten“

Das private Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel soll von US-Geheimdiensten abgehört worden sein. Plötzlich scheint die Schnüffelaffäre in Berlin ganz wichtig zu sein. Das sorgt für Spott im Netz.
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DüsseldorfAngela Merkel ist sauer. So sauer, dass sie jetzt diesen ganzen Internetkram verbieten will. Das Telefon wird auch abgeschafft. Und das Fax gleich mit. „Schluss mit den Faxen!“

So stellt sich zumindest der Satire-Account „Grumpy Merkel“ die Reaktion der Kanzlerin auf die Nachricht vor, dass ihr privates Telefon von US-Geheimdiensten abgehört werden soll. Lustige Tweets wie dieser haben bei Twitter gerade Hochkonjunktur:

Nicht ohne Grund: Monatelang haben die Menschen im Netz gegen Überwachung protestiert, viele sind sogar auf die Straße gegangen – und doch fand die NSA-Affäre in der Bundespolitik nur wenig Gehör. Die Bundestagswahl beeinflussen konnten die Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden auch nicht. Nun macht sich Unverständnis breit, dass die Kanzlerin schnell handelt, wenn es sie selbst betrifft. So kommentiert Markus Huendgen:

Auf der Facebook-Seite von Handelsblatt Online ist der Tenor ähnlich. So schreibt Angelika Fandreyer: „Ach was, ein gravierender Vertrauensbruch"....Aber den gemeinen Bürger darf ja jeder abhören, alles kein Problem, alles legal und überhaupt beendet, laut Pofalla...Wenns nicht so traurig wär könnte man glatt lachen.“ Matthias Horn kommentiert lakonisch: „Tja Angie, vor der NSA sind wir alle gleich.“

Präsident Obama ließ derweil verkünden, dass NSA und Co. die Kanzlerin natürlich nicht ausspähen würden. Wenn auch die Formulierung weitere Schlüsse zulässt:

Und die Social-Media-Profis waren schon kurz nach der Verkündung der neuen Spähaffäre auf der Meta-Witzebene:

Eines kann sich Angela Merkel sicher sein: Die Geschichte wird sie noch einige Zeit beschäftigen. Auf diplomatischer Ebene, bei den Koalitionsverhandlungen – und im unerschöpflichen Fundus des Internethumors.

huGO-BildID: 30544442 Jonas Jansen Handelsblatt Online 4 / 2013 Quelle: Handelsblatt Online
Jonas Jansen
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

Kommentare zu " Netzreaktionen auf Spähvorwürfe: „Werde diesen ganzen Internetkram verbieten“"

Alle Kommentare

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  • Ich finde es einfach klasse von Frau Dr. Merkel, dass sie sich als Bundeskanzlerin abhören läßt.
    Die alte und neue Bundeskanzlerin bekundet damit die Solidarität zu ihrem Volk und ihren Untertanen.
    Zugleich ist das der allerheiligste TÜV für die Sicherheitsexperten im engsten Kreise der deutschen Bunderegierung.
    Ein Siegel für kaum zu toppenende Neagtiv-Qualität "made in Germany" , wie ich meine :-)
    Tja, da sollte die Mutti mal bei Herrn Snoden nachfragen, wie mann dem NSA und allen anderen einen Riegel vorschiebt!

    Hängt die Amis doch mal einfach von europäischen Web ab und schafft Gesetze, die allen nicht EU-Produkten die vollständige Verpflichtung zur ständigen Offenlegung der Quellcodes zwingt. Firmware von PC's, Routern, Handy und Shwitches eingeschlossen. Ansonsten 5000% Sonderzoll.
    In Null-Komma-Nichts ist der Spitzelofen aus!

    Ich stehe gerne als unabhängiger Beratungder Regierung zur Verfügung.

    Meine Daten bekommen Sie beim NSA und jeden Spitzelclub.
    Ich warte am Telefon :-)))

  • Schon möglich, dass der Bundeskanzlerin insbesondere das Abhören privater Telefonate peinlich ist.
    Die können mitunter auch politischen Sprengstoff erzeugen, wie die abgehörten Telefonate des Herrn Michael Friedmann in der Affäre mit ukrainischen Prostituierten gezeigt hat.

  • In den vergangenen Jahrzehnten war es bei so einer massiven Spionageaffäre üblich, dass man zurücktrat. Das gilt auch für Merkel und den Affärenbeender Pofalla, was sich als falsch bestätigte. Wo bleibt das Rückgrat dieser Politiker dem ausspionierten Volk gegenüber??? Ob bewusst oder unbewusst, der Skandal fordert die Köpfe. Und Meineid muss rechtlich verfolgt werden.

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