Netzverkauf
Eon durchkreuzt Glos’ Strategie

Die Energieminister der 27 EU-Länder hatten sich eigentlich auf eine Routinesitzung in Brüssel eingestellt. Doch die Nachricht über den spektakulären Deal zwischen Eon und der EU-Kommission stellte das Treffen komplett auf den Kopf.

BRÜSSEL/BERLIN. Im Mittelpunkt der Tagesordnung stand genau jenes Thema, bei dem Eon-Chef Wulf Bernotat plötzlich Fakten geschaffen hatte: die umstrittene Zerschlagung der Energieversorger. "Es war emotional lebendiger, als ich es gewohnt bin", sagte Staatssekretär Peter Hintze, der in Brüssel den verhinderten Wirtschaftsminister Michael Glos vertrat.

Besonders erfreulich war der Ministerrat für Hintze freilich nicht. Die Bundesregierung wollte das wichtige Treffen nutzen, um für ihren Alternativvorschlag zu dem Gesetzentwurf von Energiekommissar Andris Piebalgs über die vollständige Abspaltung der Leitungsnetze zu werben. Die seit Monaten massiven Proteste der Versorger gegen Piebalgs? Vorhaben sollten ihr dabei helfen.

Doch Eons überraschende Ankündigung, sein Übertragungsnetz verkaufen zu wollen, machte Glos und Hintze einen dicken Strich durch ihre Strategie. Denn den Befürwortern der von Brüssel geplanten radikalen Zerschlagung der Energieversorger gab die Nachricht mächtig Auftrieb. So lobte Piebalgs zufrieden, Eons Angebot sei ein Schritt in die richtige Richtung. Und Piebalgs? größte Unterstützer, die Niederlande und Großbritannien, sahen sich in ihrem Widerstand gegen Zugeständnisse an die Bundesregierung bestätigt.

Entsprechend verärgert zeigte sich Hintze über den Zeitpunkt der Nachricht von Eons Netzverkauf. Es sei schwierig, an einen Zufall zu glauben, wenn die Kommission ausgerechnet am Tag des Ministerrats ihren Deal mit Eon bekanntgebe. Hintze sieht darin eine perfide Brüsseler Taktik: Deutschland, Frankreich und die anderen sechs Gegner der Kommissionspläne sollen in die Ecke gedrängt werden. Denn dass Eon mit seinem spektakulären Schritt nicht auf ein drohendes EU-Gesetz, sondern auf ein Kartellverfahren von Piebalgs? Kollegin Neelie Kroes reagiert, spielte in der Hitze des Streits der Energieminister nur eine untergeordnete Rolle.

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