Neuausrichtung der Arbeitsagentur
SPD und Grüne wollen Jobvermittlung umkrempeln

Dass Langzeitarbeitslose oft durch den Rost fallen, halten Politiker von SPD und Grünen für inakzeptabel. Aus ihrer Sicht muss die Bundesagentur für Arbeit ihre Art der Jobvermittlung grundsätzlich überdenken.
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BerlinPolitiker von SPD und Grünen haben wegen der vom Bundesrechnungshof festgestellten „Fehlsteuerungen“ und „Manipulationen“ bei der Vermittlung von Arbeitslosen eine Neuausrichtung der Bundesagentur für Arbeit (BA) ins Spiel gebracht. „Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, müssen personelle und rechtliche Konsequenzen gezogen werden. Dabei müssen wir auch über eine Neuausrichtung der BA nachdenken“, sagte die Vize-Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Kerstin Andreae, Handelsblatt Online. „Es ist nicht das erste Mal, dass Arbeitsagenturen Bilanzfälschungen betreiben – zulasten vieler Langzeitarbeitslosen.“ Schwarz-Gelb nehme das seit Jahren billigend in Kauf.

Aus Sicht des Bundesvorsitzendender Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA), Klaus Barthel (SPD), geht der Ruf nach disziplinarischen und personellen Maßnahmen am Kern des Problems vorbei. Die festgestellten Probleme bei der BA seien „systemimmanent“, sagte Barthel Handelsblatt Online. Grund seien die Hartz-Reformen, die allen BA-Mitarbeitern die Vermittlung von Arbeitslosen als Hauptziel abverlangten. Das sei der Erfolgsmaßstab, an dem sich alles orientiere. „Daraus folgt, nachdem alle Agenturen und Vermittler bundesweit kontrolliert und wettbewerbsmäßig verglichen werden, ein permanenter Druck in eine Richtung.“

Langzeitstudien belegten jedoch, dass die mit Druck auf die Arbeitslosen verbundenen Schnellvermittlungen nicht sonderlich nachhaltig seien. „Was wir also brauchen, ist eine mehr auf die die Situation aller Arbeitsuchenden zugeschnittene Vermittlung, die in Zeiten teilweisen Fachkräftemangels deutlich mehr Qualifizierungselemente enthalten muss.“

Andreae warnte die BA davor, sich mit Einzelfällen zu argumentieren, aber ansonsten den Bericht des Bundesrechnungshofes ernst zu nehmen. „Hier geht es offensichtlich um systematische Manipulation und das muss lückenlos aufgeklärt werden“, sagte die Grünen-Politikerin. Andreae erwarten auch von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) einer Erklärung. Der Bundesrechnungshof selbst spreche von „Fehlsteuerungen“ und „rechtswidrigem Verhalten“. „Deshalb erwarten wir Grüne, dass der Bericht des Bundesrechnungshofes allen Mitgliedern des Bundestages vorgelegt wird und Arbeitsministerin von der Leyen Stellung bezieht“, sagte Andreae.

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BA-Chef wehrt sich gegen Vorwürfe

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  • Bitte mal zurückdenken an den Wahlkampf 2002. Da sollte auch die Arbeitslosigkeit ganz besonders intensiv angegangen werden. Und jetzt kommen dieselben SPD und Grünen, und wollen dasselbe nochmal versuchen, statt erstmal das wirklich umzusetzen, was sie 2002 auf dem Tisch hatten, und wo sie fleißig dran arbeiteten. Das war übrigens nicht das Hartz-Konzept, welches erst eine Reaktion war auf ein anderes Konzept, das ihnen schon im November 2001 präsentiert worden war. [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Diese ewigen Schuldzuweisungen "die Arbeitslosen haben doch selber schuld, sind faul, dumm und träge, leben ganz toll von dem kläglichen und menschenverachtendem Hartz-IV", sie gehen mir so dermaßen auf den Senkel. Auch die Schreie zur Zwangsarbeit, man kann es nicht mehr hören. Wann endlich kriegt auch der letzte Betonkopf es in sein schmales Hirn: Es gibt nicht genug Arbeit für alle. Die ewigen Schreie nach gemeinnütziger Arbeit für die elenden Sozialschmarotzer nerven. Anstatt immer wieder neue "gemeinnützige Arbeit" bzw. "ehrenamtliche Arbeit" zu erfinden, da sollte man doch mal diese ganzen 1-Euro-Jobs, Zwangsmaßnahmen, Mini-/Midijobs abschaffen. Anstatt die Leute, die noch Arbeit haben, Millionen von Überstunden schieben zu lassen, verkürzt die Arbeitszeit und schafft durch Abbau von Überstunden einen neuen Vollzeitarbeitsplatz zu einem regulären Gehalt. Diese ganze verfluchte Agenda 2010 gehört ohne Ausnahme in die Tonne. Mit Zwang und Drohungen und Entzug der Lebensgrundlage kann man keine Menschen in Arbeit bringen.

  • @ Freidenker

    Der Foren-Kacker Sockenpuppe auch wieder da....?

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/redaktion/cointelpro-techniken-zur-verwaesserung-irrefuehrung-und-kontrolle-eines-internetforums.html

    SOCKENPUPPENLISTE :

    Mechmett, Ulrich, Rechner, wecker, Steineier, rukikober, Petrovskopulus, Siggi, krähendienst, Andreas, Eddie, Fredi, Hantasilf, Tabu, pool, netshadow, hermann.12, Moellenkamp, graete, pillepalle, Freidenker/in, Realist, Karin, Rolf, Müller_Luedenscheid, shadhajuuhpioky, Hans-Olaf, miklasross, fortissimogrande, Heinz, Haendle, Adi, Herrmann...

    http://de.wikipedia.org/wiki/Sockenpuppe_%28Netzkultur%29

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