Neuausschreibung
EADS: „Saga von Korruption und Ineffizienz“

Angesichts des Rückschlags für EADS beim Auftrag für US-Tankflugzeuge hat der stellvertretende Vorsitzende des Binnenmarktausschusses im Europaparlament, der FDP-Abgeordnete Alexander Graf Lambsdorff, gegenüber dem Handelsblatt die europäischen Regierungen zu einer „Überprüfung der Lieferbeziehungen zu Boeing“ aufgefordert.

HB BERLIN. Lambsdorff warnte aber, „das Kind jetzt mit dem Bade auszuschütten“. Es dürfe keinen generellen Lieferverzicht für US-Rüstungsprodokte geben. „Man muss sich ernsthaft fragen, ob man noch Kontakte pflegen kann zu einem Unternehmen, das solche Methoden anwendet“, sagte Lambsdorff jedoch. Das nun bereits in die vierte Runde gehende Ausschreibungsverfahren sei eine „Saga von Korruption und Ineffizienz“.

Bedächtigere Töne kommen von dem SPD-Verteidigungspolitiker Hans-Peter Bartels: „Die US-Entscheidung ist natürlich enttäuschend und die Amerikaner scheinen die Hürden für europäische Unternehmen wieder noch höher zu legen. Aber jetzt mit einem Kauf-Boykott gegen US-Rüstungsunternehmen zu drohen, wäre falsch. Denn wir wollen Wettbewerb und keinen Protektionismus im Rüstungssektor“, sagte der Kieler SPD-Bundestagsabgeordnete dem Handelsblatt.

US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte am Mittwoch eine Neuausschreibung des 35-Milliarden-Dollar-Auftrages bekanntgegeben, der zuvor überraschend dem europäischen EADS-Konzern zugesprochen worden war. Gates berief sich auf den US-Rechnungshof, der Fehler im Verfahren bemängelt hatte. Die Order für die US-Luftwaffe umfasst 179 Tankflugzeuge, die Jäger und Bomber im Flug auftanken können sollen. EADS hatte sich zunächst mit seinem Partner Northrop Grumman gegen den Rivalen Boeing durchgesetzt. Gates zufolge soll das Ergebnis der Neuausschreibung noch in diesem Jahr bekanntgegeben werden.

Trotz der erneuten Ausschreibung des milliardenschweren US-Tankflugzeug-Auftrags zeigt sich die Bundesregierung weiter optimistisch, dass der europäische Luftfahrtkonzern EADS den Zuschlag erhält.

Im Gespräch mit dem Handelsblatt äußerte der Luftfahrtkoordinator der Bundesregierung, Peter Hintze, Verständnis für die Entscheidung des amerikanischen Verteidigungsminsiteriums. „Das bringt Ruhe ins Verfahren“, sagte Hintze. „Ich bin mir sicher, dass die Amerikaner fair prüfen. Am Ende des Vergabeverfahrens wird das technisch überlegene Flugzeug entscheiden, um ihren Streitkräften das bestmögliche Transportmittel an die Hand zu geben. EADS kann die Entscheidung souverän abwarten.“

Hintze sagte, die Bundesregierung werde sich aus dem Vergabeverfahren zu hundert Prozent heraushalten: „Die Entscheidung ist allein Sache der amerikanischen Regierung. Wir setzen auf fair Play.“ Zuvor hatte Hintze härtere Töne angeschlagen. Der CDU-Politiker hatte eingeräumt, dass der US-Wahlkampf bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben könne.

Auch der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS zeigte sich optimistisch, sich auch in der Neuausschreibung für den US-Tankflugzeug-Großauftrag gegen den Rivalen Boeing durchzusetzen. EADS werde seinem US-Partner Northrop Grumman helfen, die acht neuen Anforderungen des US-Verteidigungsministeriums umzusetzen, erklärte EADS-Chef Louis Gallois am Donnerstag.

„Wir begrüßen die Entscheidung des Verteidigungsministers und sind bereit, unseren Partner Northrop Grumman dabei zu unterstützen, auf die Anforderungen des Kunden einzugehen. Wir sind zuversichtlich, dass wir bald wieder an die Arbeit gehen und damit beginnen können, unserem Partner und den amerikanischen Luftstreitkräften das leistungsfähigste Tankflugzeug der Welt zu liefern.“

Boeing äußert sich zurückhaltend. Das Unternehmen sieht sich zwar in seiner Kritik an dem Vergabeverfahren bestätigt. Zugleich zeigte sich der Konzern besorgt darüber, dass es in der neuen Ausschreibung veränderte Auswahlkriterien geben könnte.

Hintergrund für die Bedenken ist genau der Umstand, der auch zur Stornierung der Auftragsvergabe geführt hatte: Die Air Force hatte in der Ausschreibung ihre Kriterien geändert, weil sie die Vorteile des größeren Airbus-Rumpfes nutzen wollte. Bei der neuen Auftragsvergabe soll nun direkt das Pentagon das Sagen haben und nicht die US- Luftwaffe.

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