Neue Anreize für Betriebe
Schmoldt fordert neuen Ausbildungs-Dialog

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Hubertus Schmoldt, hat die Bundesregierung aufgefordert, einen Dialog mit Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften über die Zukunft des dualen Ausbildungssystems zu organisieren. Als mögliches Instrument nannte er Steuererleichterungen für Betriebe, die zusätzliche Lehrstellen anbieten.

HB BERLIN. „Wir müssen nach neuen Wegen suchen, wie wir die betriebliche Ausbildung attraktiver machen können“, sagte Schmoldt dem Handelsblatt (Dienstagsausgabe). Unter solchen Vorzeichen sehe er keinen Grund, weshalb sich die Gewerkschaften einer Zusammenarbeit mit Regierung und Wirtschaftsverbänden entziehen sollten, betonte er.

Unter anderem könnten denjenigen Betrieben, die zusätzliche Lehrstellen anbieten, Steuererleichtungen angeboten werden. Ebenso könnten die Tarifparteien über branchenbezogene Ausbildungsfonds neue Anreize schaffen, erläuterte er. Mit seinem Aufruf zum Dialog distanzierte sich Schmoldt indirekt von der ablehnenden Haltung anderer Gewerkschaften gegenüber dem bestehenden Ausbildungspakt von Regierung und Wirtschaftsverbänden. IG-Metall-Vorstandsmitglied Regina Görner hatte den Pakt am Montag für gescheitert erklärt und als Konsequenz die Einführung einer gesetzlichen Ausbildungsplatzumlage verlangt.

Einer solchen Abgabe erteilte Schmoldt eine klare Absage. "Das wird uns nicht helfen, sondern neue Probleme schaffen“, betonte er. „Im Ergebnis würde das duale Ausbildungssystem erodieren.“ Da man Betriebe nicht zum Ausbilden zwingen könne, müsse die Berufsbildung dann zunehmend außerbetrieblich vom Staat organisiert werden, warnte der IG BCE-Chef.

Bundesregierung und Wirtschaft wollen den von den Gewerkschaften abgelehnten Ausbildungspakt um drei Jahre verlängern. „Der Pakt war ein großer Erfolg“, sagte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) nach einem Treffen mehrerer Minister mit den Spitzenvertretern der Wirtschaft am Montag in Berlin. Über die Verlängerung herrsche Einvernehmen. Vize-Kanzler und Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) rief die Gewerkschaften auf, sich trotz ihrer Kritik an dem Pakt zu beteiligen. Die IG-Metall nannte die Vereinbarung dagegen „gescheitert“.

Den Angaben der Paktpartner zu Folge haben Kammern und Verbände im vergangenen Jahr 63 400 neue Ausbildungsplätze eingeworben. Damit haben die Unternehmen mehr als doppelt so viele neue Plätze geschaffen, wie ursprünglich zugesagt. Rund 40 000 Betriebe stellten erstmals einen Ausbildungsplatz zur Verfügung. Dennoch ging insgesamt die Zahl neuer Verträge im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent auf rund 550 200 zurück, weil mehr Unternehmen zugleich auch Lehrstellen abbauten.

Müntefering: „Wir wollen besser werden. Aber da müssen alle mitmischen. Ich hoffe, dass auch die Gewerkschaften ihren Teil dazu beitragen.“ Deren Forderung, eine Ausbildungsplatzumlage einzuführen, erteilte er eine Absage: „Es wird keine Abgabe geben.“ Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) kündigte an, bis Ende des Jahres konkrete Vorschläge für eine Verbesserung zu machen. Vor allem an der „Nahstelle zwischen Schule und Ausbildung“ müsse gearbeitet werden.

Der Pakt wurde im Juni 2004 ins Leben gerufen und war auf drei Jahre angelegt. Die Wirtschaft hatte sich dabei verpflichtet, jährlich 30 000 neue Lehrstellen zu schaffen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%