Neue BAMF-Chefin Merkels Asyl-Managerin

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„Nur hinten mitfahren find ich langweilig.“

Für Innenminister de Maizière ist die erfahrene Verwaltungsmanagerin eine Idealbesetzung an der Spitze der Flüchtlingsbehörde. Sie könne Verfahren beschleunigen und Menschen integrieren, wie sie in ihrer BA-Zeit bewiesen habe, lobte der Innenminister. Sie habe schon während ihrer Einarbeitungszeit „Mut und Tatkraft bewiesen, sagte de Maizière – „zwei der wichtigsten Voraussetzungen, um dieses Amt zu leiten“. Dass Cordt durchaus gerne zeigt, wo es langgeht, hat sie nicht nur in ihren bisherigen Jobs, sondern auch in ihrer Freizeit bewiesen. Zunächst saß sie als Sozia auf dem Motorrad ihres Mannes. Doch irgendwann kaufte sie sich ihre eigene Moto Guzzi: „Nur mitfahren hinten fand ich langweilig.“

Für ihr Hobby bleibt künftig aber noch weniger Zeit als bisher schon. Schon die Arbeitsmarktintegration der Flüchtlinge wird die Verwaltungsexpertin künftig genug einspannen. Auf längere Sicht wird sie sich aber wohl auch mit der beruflichen Zukunft vieler ihrer eigenen Mitarbeiter beschäftigen müssen. Auf rund 10.000 Beschäftigte ist ihre Behörde mittlerweile angewachsen. Zu viele, wenn in nicht allzu ferner Zukunft der Antragsstau abgearbeitet sein wird und die Flüchtlingszahlen dauerhaft so niedrig bleiben wie zurzeit. Weise hatte BAMF-Mitarbeitern, die nur befristet eingestellt wurden, eine Wechselmöglichkeit in die BA in Aussicht gestellt.

Deutschland, eine Festung?
Ende des großen Zustroms
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Strenge Grenzkontrollen entlang der Balkanroute und das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei haben den Zustrom von Menschen aus Ländern wie Syrien, Afghanistan und dem Irak drastisch reduziert. 2015 kamen mehr als eine Million Menschen nach Europa. In diesem Jahr werden es deutlich weniger sein.

Wie viele Flüchtlinge kamen 2016 ins Land?
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Im sogenannten Easy-System, das auf Registrierungen durch die Bundesländer beruht, wurden in den ersten elf Monaten knapp 305.000 neue Asylsuchende in Deutschland erfasst. Die von der CSU geforderte Obergrenze von 200.000 Flüchtlingen pro Jahr wäre damit überschritten

Messung ist problematisch
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Allerdings gilt die Easy-Zahl aufgrund von Fehl- und Mehrfacherfassungen als zu hoch. Hauptherkunftsländer waren Syrien (86.200 Personen), Afghanistan (47.000), Irak, Iran und Eritrea. Niedriger sind die Zahlen der Bundespolizei, die bis Ende November 141.850 illegale Einreisen feststellte.

Wie viele Asylanträge wurden gestellt?
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Insgesamt wurden beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bis Ende November 723.000 Asylanträge gestellt. Zum großen Teil handelte es sich dabei um 2015 eingereiste Personen. 615.500 Anträge wurden entschieden. Die Zahl der Asylanträge nimmt aber ab. Im November wurden 26.438 Anträge gestellt, was einem Rückgang um gut 54 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht. Da inzwischen pro Monat mehr Anträge bearbeitet als eingereicht werden, wird der Berg unerledigter Fälle kleiner: Ende November lag die Zahl aber immer noch bei rund 491.000.

Wie viele Menschen wurden abgeschoben?
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Insgesamt wurden bis Ende November 23.750 Personen abgeschoben. Das sind mehr als im gesamten Jahr 2015 mit 20.888 Abschiebungen und mehr als doppelt so viele wie 2014 (10.884). Die meisten Personen wurden aus Nordrhein-Westfalen in ihr Heimatland zurückgebracht (4662), gefolgt von Baden-Württemberg (3399), Bayern (3084) und in größerem Abstand Berlin (1963).

Ausweis für Asylbewerber
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Zugleich wurden bis zum 1. Dezember mehr als 51.000 Anträge zur finanziellen Förderung einer freiwilligen Rückkehr bewilligt. Bund und Länder wollen ihre Anstrengungen in diesem Bereich intensivieren und die Hindernisse bei Abschiebungen beseitigen. Denn insgesamt waren Ende Oktober 206.200 Menschen ausreisepflichtig. Die große Mehrheit von ihnen (153.700) besaß aber eine Duldung.

Wie und wo wird an den Grenzen kontrolliert?
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Am 13. September 2015 wurden vorübergehende Kontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze beschlossen und seitdem mehrfach verlängert, zuletzt im November. Die Kontrollen sind bis Februar befristet. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass Deutschland sich in der EU für eine weitere Verlängerung starkmachen wird.

Vielleicht werden die vielen Asylentscheider aber irgendwann doch wieder gebraucht, sollten die Flüchtlingszahlen wieder anschwellen. Dass im vergangenen Jahr nur 280.000 Asylsuchende nach Deutschland gekommen seien, liege vor allem am EU-Türkei-Abkommen und an der geschlossenen Balkanroute, hatte de Maizière diese Woche erklärt. Offen ist aber, wie lange der Türkei-Deal hält und wie viele Flüchtlinge auf die gefährliche Mittelmeerroute ausweichen. In beiden Fällen ist es zuerst die Politik, die handeln muss. Cordts Behörde wird gerüstet sein – wie auch immer die Entscheidung in Berlin ausfällt.

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2 Kommentare zu "Neue BAMF-Chefin: Merkels Asyl-Managerin"

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  • Das BAMF hat mit diesem Werbevideo die Lawine losgetreten:
    https://www.welt.de/politik/deutschland/article145792553/Der-Werbefilm-fuer-das-gelobte-Asylland-Germany.html

    Das Video wurde auf viele Sprachen übersetzt im Internet zugänglich gemacht. Es zeigt geradezu idyllische Verhältnisse in Deutschland. Man muss fast bis zum Ende gucken, um feststellen zu können, daß man auch wieder abgelehnt werden kann. Das Video wurde 2014 veröffentlicht und sicherlich millionfach angeklickt. Bravo BAMF!

  • Erfrischend ist der Satz.."Auf rund 10.000 Beschäftigte ist ihre Behörde mittlerweile angewachsen. Zu viele, wenn in nicht allzu ferner Zukunft der Antragsstau abgearbeitet sein wird und die Flüchtlingszahlen dauerhaft so niedrig bleiben wie zurzeit".

    Soweit mir bekannt kamen 2016 300.000 Einwanderer als sogenannte "Flüchtlinge" zzgl. andere Einwanderer. Diese haben dann künfitg Anspruch auf Familiennachzug, entsprechend > 1 Mio. Bei Geburtsjahrgängen von 700.000 bzw. 400.000 Kindern ohne Migrationshintergrund reicht dies für eine Umvolkung in 20 Jahren.

    Mittlerweile haben sich auf der Balkanroute, in Italien und Nordafrika > 1 Mio. potentielle Einwanderer aufgestaut. Es ist sehr wahrscheinlich dass die Tore nach der Bundestagswahl geöffnet werden und die Mitarbeiter der Einwanderungsbehörde dringend gebraucht werden.

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