Neue Berichtspflichten: Arbeitgeber fürchten riesigen Mehraufwand

Neue Berichtspflichten
Noch mehr Aufwand für Unternehmen

Arbeitgeber fürchten riesigen Mehraufwand

„Investoren, Unternehmen und Verbraucher verlangen zu Recht mehr und bessere Informationen“, betonte Justizminister Maas. Tatsächlich hat sich das Justizministerium jedoch um eine weitgehende Übernahme der EU-Richtlinie bemüht und von Erweiterungen der Berichtspflicht, beispielsweise auf die Bereiche Verbraucherschutz und Datenschutz, abgesehen. Allein die Umsetzung der grundlegenden Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation als möglicher Berichtsinhalt bei den Arbeitnehmerbelangen wurde ergänzt.

Zuvor hatte die Wirtschaft bereits mobil gemacht: Nach Veröffentlichung des Referentenentwurfs im März hatten die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sowie der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) in einer gemeinsamen Stellungnahme vor einer solchen Erweiterung der Berichtsinhalte auf Verbraucherbelange eindringlich gewarnt.

Die Verbände fürchteten „unangemessenen administrativen und finanziellen“ Mehraufwand. Dieser stehe dem erklärten Willen der Bundesregierung entgegen, Bürokratie abzubauen und Unternehmen von Informations- und Nachweispflichten zu entlasten. „Eine erweiterte Berichtspflicht könnte auch kontraproduktiv wirken und das entsprechende Engagement reduzieren, um den Berichtsaufwand nicht noch weiter ansteigen zu lassen“, hieß es seinerzeit in der Stellungnahme.

Aus Sicht der Unternehmen wurde mit dem Gesetzentwurf also „Schlimmeres“ verhindert. Rechtsexperten gehen jedoch trotzdem von eine deutlichen Belastung aus: „Die neuen Regelungen werden erheblichen Aufwand bei den Unternehmen verursachen“, sagt Hilke Herchen, Expertin für Gesellschaftsrecht bei der Kanzlei CMS Hasche Sigle.

Und sie rechnet vor: Die EU-Kommission meine, dass ein CSR-Reporting für weniger als 5.000 Euro pro Jahr zu bewerkstelligen sei. Die Kosten für einen CSR-Report einschließlich der Erhebung der erforderlichen Daten, ihrer Auswertung und Darstellung dürften für die berichtspflichtigen Unternehmen Schätzungen zufolge aber deutlich höher liegen, bei 155.000 bis 600.000 Euro pro Jahr.

„Darüber hinaus ist zu beachten, dass die Berichtspflichten nicht nur bei den eigentlichen Adressaten des CSR-Richtlinien-Umsetzungsgesetzes einen erheblichen Aufwand generieren, sondern auch – oder gerade – bei deren Zulieferern und Dienstleistern“, erklärt Juristin Herchen. „Diese müssen ihren Kunden Informationen für den Bericht zuliefern, so dass gerade auch für kleine und mittlere Unternehmen zusätzlicher Bürokratieaufwand entsteht.“

Auch Bernd Keller, Bilanzierungsexperte bei Rödl & Partner, warnt: „Unabhängig von der Aufwandsschätzung der Bundesregierung wird die Differenziertheit und Heterogenität der Berichtselemente den Unternehmen organisatorisch und prozessual einiges abverlangen, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Unternehmen dies international für alle Konzernunternehmen erfassen müssen.“

Zudem werde die Anwendbarkeit für 2017 unmittelbar zu einem „Initialaufwand“ führen, um kurzfristig Informationen bereitstellen zu können. Insofern dürfte die Aufwandsschätzung eher nicht der Realität entsprechen.

 

 

 

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