Neue DGB-Vize-Chefin
Ingrid Sehrbrock: Kein konservatives U-Boot

Als „schwarze Gewerkschafterin“ müsse man bei Wahlen regelmäßig mit einem „christdemokratischen Abschlag“ rechnen, hatte Ingrid Sehrbrock kürzlich gesagt. Am Dienstag erhielt sie die Bestätigung für ihre These. Mit nur 57 Prozent der Stimmen wurde das CDU-Mitglied beim Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes zur neuen DGB-Vize-Chefin gewählt. Damit schlug sie zwar Ursula Engelen-Kefer aus dem Rennen; ein grandioser Sieg jedoch sieht anders aus.

str Die neue Vize-Chefin ist das einzige CDU-Mitglied im neuen fünfköpfigen geschäftsführenden DGB-Bundesvorstand, dem sie bereits seit 1999 als einfaches Mitglied angehört. Einen DGB-Vize mit CDU-Parteibuch hatte es zuletzt vor 16 Jahren gegeben. Dass es Christdemokraten im DGB nicht immer leicht haben, musste Sehrbrock zuletzt beim DGB-Bundeskongress 2002 erfahren. Damals wurde sie mit 64 Prozent der Stimmen in den Vorstand gewählt – das damals mit Abstand schlechteste Ergebnis.

Die Spitzen des DGB hatten sich bereits Ende Januar darauf verständigt, Sehrbrock für den Vize-Posten zu nominieren – allerdings nicht ganz ohne Bauchgrimmen. Ihr Wahlergebnis beim DGB-Bundeskongress 2002 galt bereits als eindeutiges Warnsignal. Dass es jetzt trotz der Gegenkandidatur Engelen-Kefers noch reichte, dürfte bei den Spitzen des DGB für Erleichterung gesorgt haben.

Die 57-jährige Sehrbrock unterscheidet sich jedoch nicht nur durch ihre Parteizugehörigkeit von ihrer Amtsvorgängerin Engelen-Kefer. Sehrbrock gilt als Frau des Ausgleichs. Der DGB will damit auch ein Signal der Gesprächsbereitschaft an die große Koalition aussenden. Sehrbrock bringt gute Voraussetzungen mit, um den Gewerkschaften in Unionskreisen mehr Gehör zu verschaffen. Sie ist stellvertretende Vorsitzende der CDU-Sozialausschüsse. 1989 wurde sie Bundesgeschäftsführerin der Frauen-Union der CDU. Diese Tätigkeit brachte sie in Kontakt mit Angela Merkel, die von 1991 bis 1994 Bundesministerin für Frauen und Jugend war. Gewerkschafter loben, Sehrbrocks guter Draht in die Union könne sich bei den bevorstehenden Auseinandersetzungen zwischen Union und SPD etwa um den Kündigungsschutz oder die Arbeitsmarktreformen als enorm hilfreich erweisen. Wer Sehrbrock allerdings als „konservatives U-Boot“ im Gewerkschaftslager einschätzt, dürfte sich täuschen. So prangerte Ingrid Sehrbrock in der Vergangenheit „gravierende Missstände“ und „teilweise extrem schlechte Arbeitsbedingungen von Auszubildenden in Deutschland“ an und wurde dafür von den Arbeitgebern prompt heftig kritisiert. Außerdem steht sie einer Lockerung des Kündigungsschutzes, wie sie von vielen ihrer Parteifreunde gefordert wird, ablehnend gegenüber. Dennoch: Sehrbrock gilt als Pragmatikerin, die es nicht in jeder Situation auf eine Konfrontation anlegt. Schon sehen manche DGB-Chef Michael Sommer und Sehrbrock als Entsprechung von Angela Merkel und Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD), die trotz unterschiedlicher Parteibücher als Gespann recht ordentlich funktionieren.

Die gebürtige Offenbacherin, die das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg erlangt hat und nach einem Studium der Anglistik, Politikwissenschaft, Chemie und Pädagogik Studienrätin wurde, ist als Mitglied des geschäftsführenden DGB-Bundesvorstandes bislang für die Themen Jugendpolitik, Bildung und den öffentlichen Dienst zuständig.

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