Neue Forderungen nach herausgehobene Stellung
Müntefering fast so beliebt wie Merkel

Was wird aus Müntefering? Nach seiner Rückkehr auf die politische Bühne zeigte sich die SPD in dieser Frage zunächst ungewohnt zurückhaltend. Doch jetzt melden sich erste führende Sozialdemokraten zu Wort, die für den ehemaligen Vizekanzler mehr als eine Beraterrolle fordern. Und glaubt man einer aktuellen Umfrage, hätten auch die meisten Bundesbürger nichts dagegen.

HB BERLIN. Der schleswig-holsteinische SPD-Chef Ralf Stegner hat für Franz Müntefering eine herausgehobene Stellung gefordert. Die Position eines Wahlkampfmanagers für die Bundestagswahl 2009 sei zu wenig. „Ich glaube nicht, dass das die richtige Position für einen ehemaligen Parteivorsitzenden und Vizekanzler ist. Müntefering gehört in eine herausgehobene Stellung, das muss aber kein Amt sein. Er hat immer in der Champions League gespielt“, sagte Stegner der Tageszeitung „Die Welt“.

Stegner erwartet von der Klausur der Partei- und Fraktionsspitzen am Schwielowsee in Brandenburg am Sonntag, dass sie für Geschlossenheit sorgt. „Die Partei erwartet, dass ihre Führungskräfte geschlossen in den Bundestagswahlkampf ziehen. Sie sollten den Eindruck vermitteln, dass sie an einem Strang ziehen“, sagte Stegner. Dabei könne Müntefering eine wichtige Rolle spielen.

„Er ist ein fulminanter Wahlkämpfer und ein alter Fuchs. Er ist Sozialdemokratie pur. Die Leute mögen ihn“, sagte Stegner.

Deutlich beliebter als Beck

Auch in Umfragen erfreut sich der frühere Parteichef nach seiner Comeback-Ankündigung steigender Beliebtheit. 62 Prozent der Befragten äußerten sich dem ARD-Deutschlandtrend zufolge zufrieden mit dem ehemaligen Vizekanzler. Dies waren neun Prozentpunkte mehr als im November vergangenen Jahres. Müntefering liegt in der Beliebtheitsskala damit fast gleichauf mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit deren Arbeit sich 63 Prozent zufrieden zeigten.

Am besten schnitt Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) mit 67 Prozent ab. Nur gut jeder fünfte Befragte (21 Prozent) äußerte sich dagegen in der Umfrage zufrieden mit der Arbeit von SPD-Chef Kurt Beck.

Unter SPD-Anhängern würde eine Kanzlerkandidatur Münteferings eine ähnlich hohe Zustimmung finden wie die von SPD-Vize Steinmeier. Auf die Frage, mit welcher Person die Sozialdemokraten die besten Chancen bei der Wahl im nächsten Jahr hätten, nannten 40 Prozent der Anhänger Steinmeier, dicht gefolgt von Müntefering mit 38 Prozent. Mit Beck rechnen sich nur 16 Prozent der SPD-Anhänger Chancen aus.

Müntefering hatte am Mittwochabend im bayerischen Landtagswahlkampf den ersten Auftritt seit dem Tod seiner Frau vor wenigen Wochen absolviert. Der ehemalige Vize-Kanzler und Arbeitsminister hatte seine Posten im November 2007 abgegeben, um sich um seine schwerkranke Frau zu kümmern. Sein Bundestagsmandat behielt er jedoch.

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