Während Buch und Weder di Mauro die politische Beratung hinter verschlossenen Türen bevorzugen, sucht Claudia Kemfert die Öffentlichkeit, wenn es darum geht, ihre Thesen und Vorschläge zu verbreiten. Die Professorin für Umweltökonomie an der Humboldt-Uni in Berlin, die auch die Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am DIW leitet, ist derzeit die gefragteste Expertin in Deutschland für Umwelt- und Klimafragen. Kaum eine TV-Sendung zu dem Thema, in der Kemfert nicht präsent ist. Denn die Umweltexpertin hat auf alle Fragen eine Antwort parat, meist garniert mit Zahlen und Fakten.
Kollegen werfen Kemfert jedoch vor, "öffentlichkeitssüchtig" zu sein und mit Schnellschüssen die Grenzen der wissenschaftlichen Seriosität bisweilen zu überschreiten. So hat die Energie- und Klimaexpertin zuletzt mit einer Studie Aufmerksamkeit erregt, in der sie die Kosten des Klimawandels für die nächsten 50 Jahre bis hinter die Kommastelle heruntergebrochen hat. Nach Ansicht von Andreas Troge, Chef des Bundesumweltamtes, steht die Analyse jedoch wegen ihrer "trügerischen Präzision" auf "tönernen Füßen".
Kemferts Rolle als wirtschaftspolitische Beraterin hat ihre mediale Omnipräsenz bisher jedoch nicht geschadet. Sie berät nicht nur EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Sachen Energiepolitik, sondern arbeitet auch als Expertin für die Weltbank und die Vereinten Nationen.
Dass Frauen in der wirtschaftspolitischen Beratung auf dem Vormarsch sind, ist nicht nur darauf zurückzuführen, dass Politiker dem weiblichen Geschlecht im Zeichen der Gleichstellung mehr Bedeutung verschaffen wollen. Es ist auch eine Generationenfrage. Denn die Zahl der weiblichen Hochschulabsolventen im Bereich Wirtschaftswissenschaften hat sich in den letzten 30 Jahren deutlich erhöht. Da ist es nur logisch, wenn auch ihre Rolle in der Forschung und Beratung wächst.


