0 Bewertungen
22.04.2008 

Während Buch und Weder di Mauro die politische Beratung hinter verschlossenen Türen bevorzugen, sucht Claudia Kemfert die Öffentlichkeit, wenn es darum geht, ihre Thesen und Vorschläge zu verbreiten. Die Professorin für Umweltökonomie an der Humboldt-Uni in Berlin, die auch die Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am DIW leitet, ist derzeit die gefragteste Expertin in Deutschland für Umwelt- und Klimafragen. Kaum eine TV-Sendung zu dem Thema, in der Kemfert nicht präsent ist. Denn die Umweltexpertin hat auf alle Fragen eine Antwort parat, meist garniert mit Zahlen und Fakten.

Kollegen werfen Kemfert jedoch vor, "öffentlichkeitssüchtig" zu sein und mit Schnellschüssen die Grenzen der wissenschaftlichen Seriosität bisweilen zu überschreiten. So hat die Energie- und Klimaexpertin zuletzt mit einer Studie Aufmerksamkeit erregt, in der sie die Kosten des Klimawandels für die nächsten 50 Jahre bis hinter die Kommastelle heruntergebrochen hat. Nach Ansicht von Andreas Troge, Chef des Bundesumweltamtes, steht die Analyse jedoch wegen ihrer "trügerischen Präzision" auf "tönernen Füßen".

Kemferts Rolle als wirtschaftspolitische Beraterin hat ihre mediale Omnipräsenz bisher jedoch nicht geschadet. Sie berät nicht nur EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Sachen Energiepolitik, sondern arbeitet auch als Expertin für die Weltbank und die Vereinten Nationen.

Dass Frauen in der wirtschaftspolitischen Beratung auf dem Vormarsch sind, ist nicht nur darauf zurückzuführen, dass Politiker dem weiblichen Geschlecht im Zeichen der Gleichstellung mehr Bedeutung verschaffen wollen. Es ist auch eine Generationenfrage. Denn die Zahl der weiblichen Hochschulabsolventen im Bereich Wirtschaftswissenschaften hat sich in den letzten 30 Jahren deutlich erhöht. Da ist es nur logisch, wenn auch ihre Rolle in der Forschung und Beratung wächst.

Quelle: Wirtschaftswoche, Nr. 17, 21.04.2008.



Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar