Neue Gespräche vereinbart
Ärztestreik könnte doch vor WM-Beginn enden

Im Tarifstreit der Klinikärzte zeichnet sich möglicherweise doch noch vor Beginn der Fußball-WM eine Lösung ab. Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) beschloss, den Konflikt in getrennten Gesprächen mit Verdi und der Ärztegewerkschaft Marburger Bund zu entschärfen.

HB HANNOVER. Er werde auf Verdi-Chef Frank Bsirske und den Vorsitzenden des Marburger Bundes, Ulrich Montgomery, zugehen, „um zu eruieren, dass wir relativ kurzfristig mit beiden Gespräche führen, um das Problem mit den Ärzten an den Uni-Kliniken zu regeln“, sagte der Tdl-Vorsitzende und niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring (CDU). Zugleich schloss er nachträgliche Änderungen an dem mit Verdi für die Ärzte abgeschlossenen Tarifvertrag nicht mehr aus.

„Lassen sie mich erstmal die Gespräche führen und dann werden wir weiter sehen, ob es Änderungen gibt oder nicht“, sagte er. Auf die Frage, ob am Ende der Gespräche ein eigenständiger Ärzte-Tarifvertrag mit dem Marburger Bund stehen könne, antwortete der CDU-Politiker: „Man darf niemals etwas ausschließen.“

Die Gespräche mit Bsirske und Montgomery würden sehr zeitnah stattfinden, sagte Möllring weiter. Mit ver.di habe man bereits einen Verhandlungsergebnis. „Deshalb muss jetzt auch mit ver.di gesprochen werden“, meinte er. Die Regelungen für Ärzte des mit ver.di abgeschlossenen Tarifvertrages beruhten aber auf den Forderungen des Marburger Bundes. Ver.di habe etwas übernommen, was vorher mit dem Marburger Bund bereits verhandelt worden sei.

Er werde die Gespräche mit ver.di und Marburger Bund allein, aber im Namen der gesamten TdL führen, betonte Möllring. Im Rahmen des mit ver.di abgeschlossenen Tarifvertrage gebe es weitere Möglichkeiten. Es seien selbstverständlich parallele Tarifverträge mit ver.di und dem Marburger Bund möglich.

Zwei unterschiedliche Verträge für die Klinikärzte lehnte Möllring allerdings ab. „Wir müssen letztlich einen Tarifvertrag für die Klinikärzte haben.“ Man könne nicht mit zwei Tarifverträgen für das gleiche Personal hantieren. Es müsse in einem Betrieb ein einheitliches Tarifrecht geben. Der CDU-Politiker kündigte an, über das Ergebnis seiner Gespräche mit Bsirske und Montgomery zunächst erneut mit der TdL zu beraten.

Möllring hatte zuvor in einem Deutschlandfunk-Interview den Marburger Bund erneut zur Übernahme des bereits mit ver.di ausgehandelten Tarifvertrages aufgefordert. Für neue Verhandlungen mit der Ärztegewerkschaft traten in den vergangenen Tagen vor allem die süddeutschen Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg ein.

Der Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Universitätskliniken Deutschlands (VUD), Rüdiger Strehl, forderte eine schnelle Lösung in dem Tarifkonflikt der Klinikärzte. Strehl kritisierte am Donnerstag in Stuttgart sowohl die Verhandlungsführung der Tarifgemeinschaft deutscher Länder als auch die Ärztegewerkschaft Marburger Bund: „Es geht bei den Tarifverhandlungen zu wie im vorigen Jahrhundert. Es geht nur um Geld und Zuwachsraten.“

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