_

Neue Hilfen: Politiker schimpfen über „Nacht- und Nebelaktion“ bei der HRE

exklusiv Die neuerlichen Milliardengarantien für die verstaatlichte Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) sorgen für Unruhe im politischen Berlin. Nicht nur Oppositionspolitiker reagieren verärgert, auch in der Koalition herrscht großer Unmut. Die Union spricht von einer Aktion am Parlament vorbei und fordert Aufklärung.

Der Schriftzug der Hypo Real Estate Bank auf einer Anzeige an der Börse in Frankfurt am Main: Der kriselnde Immobilienfinanzierer könnte für den Staat zum Fass ohne Boden werden. Quelle: ap
Der Schriftzug der Hypo Real Estate Bank auf einer Anzeige an der Börse in Frankfurt am Main: Der kriselnde Immobilienfinanzierer könnte für den Staat zum Fass ohne Boden werden. Quelle: ap

DÜSSELDORF. Koalitionspolitiker haben sichtlich verstimmt auf die neuerliche Hilfsaktion für die Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) reagiert. Zwar seien die Ergebnisse des Banken-Stresstests ein Hinweis darauf, dass die HRE „noch lange nicht über den Berg“ ist, und dank des staatlichen Rettungsschirms sei ein zeitnahes und adäquates Reagieren möglich. „Ich frage mich aber, warum solche Nacht- und Nebelaktionen immer wieder notwendig sind“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Leo Dautzenberg, Handelsblatt Online. „Im Finanzmarktgremium werden wir die Hintergründe der neuerlichen Garantien kritisch hinterfragen und beleuchten“, fügte der CDU-Politiker hinzu. Schließlich sei offen, warum die zuständigen Stellen nicht frühzeitig das vertrauensvolle Gespräch auch zu den Vertretern des Bundestags gesucht hätten. „Hier gibt es Klärungsbedarf."

Anzeige

Nach Einschätzung des Finanzexperten der FDP-Bundestagfraktion, Frank Schäffler, entwickelt sich die HRE zu einem Dauersanierungsfall zu Lasten des Steuerzahlers. Im Gespräch mit Handelsblatt Online äußerte Schäffler die Befürchtung, dass der Bund nach den jetzt zur Verfügung gestellten zusätzlichen Milliardengarantien wohl auch in Zukunft mit Liquiditätsengpässen des verstaatlichten Instituts rechnen müsse. "Die HRE ist als Zombie-Bank ein Fass ohne Boden", sagte er. "Sie ist gleichzeitig eine Mahnung an den Finanzminister, seine Vorschläge für eine Reform der Bankenaufsicht vorzulegen." In der Bankenkrise ab 2007 habe die zweigeteilte Bankenaufsicht nicht funktioniert. "Das wollen wir ändern und sie bei der unabhängigen Bundesbank konzentrieren", so Schäffler. Bislang ist die Kontrolle der Geschäftsbanken auf Bundesbank und Finanzaufsicht BaFin verteilt. In den Koalitionsverhandlungen hatten sich Union und FDP darauf verständigt, die Aufsicht bei der Notenbank zu bündeln.

Wegen erneuter Liquiditätsprobleme erhält die HRE laut einer Mitteilung des Bankenrettungsfonds Soffin weitere Staatsgarantien in Höhe von 40 Milliarden Euro. Damit beläuft sich die Gesamtsumme der staatlichen Garantien auf 142 Milliarden Euro. Mit den neuen Bürgschaften soll auch die Einrichtung einer so genannten Bad Bank ermöglicht werden, in die die HRE ihre Altlasten ausgliedern will. Die HRE war die einzige deutsche Bank, die den Stresstest nicht bestanden hatte.

Auch Politiker von Grünen und Linkspartei reagierten überrascht auf die neuerlichen Milliardengarantien für die HRE. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) “muss sich endlich zur Situation der HRE äußern und der Bevölkerung eine ehrliche Analyse der Lage vorlegen“, forderten der Finanzpolitiker Gerhard Schick und der Haushaltsexperte Alexander Bonde (beide Grüne). „Weder im Haushalts- oder Finanzausschuss noch im geheim tagenden Finanzmarktgremium kam dieser Bedarf bislang zur Sprache.“ Vielmehr sei in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt worden, „es sei sogar die Gewinnzone in Sicht.“ Die Bank erweise sich immer mehr als „Fass ohne Boden“.

  • 13.09.2010, 11:36 UhrAnonymer Benutzer: norbert

    @ Anti-Neostalinis
    Sie würden mich wahrscheinlich als "einen von denen" ansehen und ich habe die Hoffnung aufgegeben, einen emotionalisierten, aufgehetzten Menschen vom Gegenteil überzeugen zu können.
    ich selber zähle mich nicht "zu denen", was heißen soll, daß ich die ideen von 68 durchaus diskutierenswert halte, jedoch politisch motivierte Gewalt in unserem System für kontraproduktiv halte (bestätigt sie doch nur Vorurteile).
    Unter "Massenmord" z.b. verstehe ich was anderes, nur Sie würden diese meine Äußerung gleich in ihrem einfachen Weltbild als Verharmlosung auffassen. (Was damit nicht gemeint ist)
    Daher lasse ich es mit dieser Antwort bewenden.

  • 13.09.2010, 02:51 UhrAnonymer Benutzer: Barbara

    Unsere "Volksvertreter" sind jetzt aufgerufen, endlich die "Aktionen" der Regierung Merkel und Schäuble in Frage zu stellen und zu opponieren!
    Wie lange noch lassen wir uns "verkaufen"???

  • 13.09.2010, 00:17 UhrAnonymer Benutzer: Gargamel

    Noch was zur Schlagzeile "Politiker schimpfen über Nacht und Nebelaktion bei der HRE". Es ist nicht Aufgabe eines Politikers über solche Vorgänge zu schimpfen, sondern sie zu verhindern.

  • Die aktuellen Top-Themen
Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.

Wüstenrot-Studie: Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Rund 44 Prozent der Deutschen halten die Preise für Häuser und Wohnungen für deutlich überhöht. Sie fürchten sich vor einer Immobilienblase. Vor allem die Bürger eines Bundeslandes sind besonders skeptisch.

Politik versus Wirtschaft: Wie viel Kritik ist erlaubt?

Wie viel Kritik ist erlaubt?

Für Politiker sind Megaveranstaltungen wie der ESC in Aserbaidschan und die WM in Katar Anlass, mehr Demokratie zu fordern. Deutsche Unternehmen hoffen jedoch auf Großaufträge - und geraten schnell zwischen die Fronten.